Hersteller_Ampeg Bass
Test
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29.06.2015

Praxis

In den letzten Wochen habe ich das Ampeg SCR-DI mit verschiedenen aktiven und passiven Bässen gespielt, die zum Teil sehr unterschiedliche Ausgangspegel haben. Ich musste die Eingangsempfindlichkeit mit dem Pad-Jumper im Inneren des Pedals allerdings für keinen der Bässe reduzieren, denn das SCR-DI klang immer gleich und verarbeitete auch höhere Pegel in der Werkseinstellung ohne negativen Nebeneffekt. Wer also befürchtet, dass man jedes Mal die Bodenplatte abschrauben muss, wenn man den Bass wechselt, kann sich entspannt zurücklehnen. Als Übetool habe ich den Treter in meiner Testzeit wirklich zu schätzen gelernt: das Signal ist im Kopfhörer nahezu frei von Nebengeräuschen, und mit dem AUX-Regler kann man bequem den Level der externen Audioquelle an das eigene Basssignal anpassen. Die doppelte Ausführung der AUX-Eingänge als Miniklinke und als normale 6,3mm-Klinke erspart einem zudem das Hantieren mit Adaptern, wenn man verschiedene Geräte zum Einspielen von Playbacks nutzt. Auch bei einer Live-Show, für die ich in der Regel keine Bassanlage verwende, hat mich das Ampeg SCR-DI überzeugt. Der Tonmann war sehr zufrieden mit dem hochwertigen und rauschfreien Signal aus dem symmetrischen Ausgang des Pedals, und ich hatte meine Hörsituation jeweils sehr schnell im Griff, denn das Kopfhörersignal war laut genug und die Lautstärke der Band konnte ich problemlos meinem Basspegel anpassen.

Soweit, so gut! Aber das beste und wichtigste Feature des neuen Ampeg-Pedals ist der wirklich überzeugende Sound des Preamps. Ein Tritt auf den Fußtaster genügt, um dem Basssound jenen typischen Ampeg-Vibe zu verpassen. Die Obertonstruktur des Basssounds erscheint deutlich komplexer, der Höhenbereich wird (ähnlich wie bei einer Lautsprechersimulation) weicher und runder, und das Fundament kommt SVT-mäßig fett und solide wie ein Fels daher!

Unter dem klassischen Dreiband-Equalizer sitzen zahlreichen Varianten des legendären Ampeg-Sounds. Die Bandbreite reicht von vintage-artigen warmen und gedeckten Sounds im Portaflex-Stil bis zu ultra durchsetzungstarken und aggressiven Rocksounds. Durch den einfachen Aufbau des Tone-Stacks bekommen auch Anfänger ihren Sound in den Griff, ohne stundelang die Bedienungsanleitung studieren zu müssen. Die beiden EQ-Presets sind mit persönlich allerdings eine Spur zu extrem in der Abstimmung. Besonders der Ultra Lo-Switch kann den Sound mit seiner heftigen Mittensenkung um 10dB je nach Raum schnell ins Abseits befördern. Die Konturen gehen dabei dann etwas verloren und der wuchtige Bassbereich bringt zwar die Bühne zum Vibrieren, wird aber speziell in schwierigen Räumen auch schnell etwas undifferenziert. Aufgenommen klingen allerdings beide Presets "Ultra" absolut klasse - für den Live-Einsatz kann man ja jederzeit mit dem normalen EQ gegen den Verlust der Durchsetzungskraft nachregeln.

Der Scrambler Overdrive kann den Bass mit voll aufgedrehtem Drive-Regler richtig stark verzerren und Metal-mäßige Overdrives produzieren, klingt aber mit Abstand am überzeugendsten, wenn man die Verzerrung im Zaum hält und mit dem Blend-Regler das saubere Basssignal ordentlich hinzumischt. Auf diese Art lässt sich im Handumdrehen ein leicht übersteuerter SVT-Bolide simulieren - die leichte Zerrung klingt sehr organisch und versorgt den Basssound mit einer warmen Röhrencharakteristik. Für das folgende Audiobeispiel habe ich den Drive- und den Blendregler halb aufgedreht und mit den Equalizer die Bässe und die Mitten leicht angehoben.

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