Gear_DJ-Controller Hersteller_AmericanAudio
Test
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01.05.2013

Praxis

Ein Clubmixer, ist ein Clubmixer, ist ein Clubmixer ... Stimmt nicht? Nee, stimmt nicht. Zumindest, wenn man sich mal einen Xone:DB4 oder  – um in einer anderen Preiskategorie zu fischen – einen Behringer DDM4000 vor Augen führt, die aufgrund zahlreicher digitaler Optionen deutlich komplexer ausfallen und für die es durchaus Sinn macht, einen Abend in stiller Runde mit Handbuch und Teetasse zu verbringen. Dieser Mixer hingegen sollte sich aufgrund seines klar strukturierten Layouts, mit Ausnahme der bereits erwähnten, auf den ersten Blick irreführenden USB-Bezeichnung, auch ohne Lektüre verkabeln und in Betrieb nehmen lassen. Das räumliche Angebot, also die Luft zum Atmen zwischen den Bedienelementen, würde ich als angemessen bezeichnen wollen.  

Wie es um meinen Höreindruck beim 14MXR bestellt ist, lässt sich kurz mit den Worten „in der Summe ordentlich und der Preisklasse angemessen“ beschreiben. Wer’s länger mag: Zunächst einmal sind die Vorverstärkerstufen des Mixers passend aufeinander abgestimmt und ich konnte keine unerwünscht auffälligen Störsignale (Crosstalk etc.) ausmachen. Der Sound am XLR-Master ist natürlich nicht mit einem DJM zu vergleichen, aber in Anbetracht der Preisklasse durchaus druckvoll und transparent. Die Phono-Preamps erledigen ihre angestammte Aufgabe gut und klingen authentisch, was der „Klassikervergleich“ mit dem 600er verdeutlicht. Der Kopfhörerausgang ist zwar sehr laut, aber zerrt zum einen schon ab 14 Uhr deutlich und lässt auch ein wenig an Neutralität vermissen. Die Equalizer sind zwar vergleichsweise schwergängig, aber der Eingriff ins Klangbild erfolgt gleichmäßig und praxisgerecht. In der „Kill“-Position harscher, wie ihr den nachstehenden Hörbeispielen entnehmen könnt.

Ich vermute, gerade budgetorientierte und semiprofessionelle Anwender, die sowohl analog, als auch digital arbeiten und auf Schmankerl wie Channel-Filter und MIDI-Controller nicht verzichten wollen, werden bei diesem Preis das eine oder andere Zugeständnis vielleicht gern in Kauf nehmen. Womit wir auch schon beim Software-Deejaying wären, wo das erste „Zugeständnis“ Virtual-DJ LE heißt – und das meine ich nicht negativ, denn ein Zugeständnis kann ja durchaus auch positiven Charakter haben: In diesem Fall eine kostenlose Software Dreingabe, die sich in Verbindung mit dem 14MXR auch noch wie von Geisterhand konfiguriert. Sehr einsteigerfreundlich. Die ausführliche und zudem mit MIDI-Charts bestückte Anleitung lässt leider keine Rückschlüsse zu, wie es um Treiber für Windows oder Mac bestellt ist. Auf der ADJ-Website finde ich nur einen Link zum Virtual DJ Software-Paket. Dieses enthält dann neben dem DJ-Programm ein Konfigurationstool, wohlgemerkt leider nur für Windows. Ferner ist das Konfigurationstool gerade für Newbies im Vergleich zu manchem „Konkurrenzprodukt“ recht unübersichtlich. Als nächstes muss ich mich für eine der beiden folgenden Betriebsarten entscheiden.  

Controller- oder Mixer-Modus

Der Mixer offeriert grundsätzlich zwei Betriebsarten und zwar den Mixer-Modus und den Controller-Modus. Letztgenannten aktiviert ihr, indem ihr beim Einschalten die Taste „Controller-Mode“ für wenige Sekunden gedrückt haltet, woraufhin diese rot aufleuchtet. Während des Boot-Vorgangs könnt ihr die aktuelle Firmware-Version auf dem zentralen Pegelmeter ablesen. Kommen wir aber zuerst zum Standard, dem Mixer-Modus. Hier werden die USB-Audioströme auf die beiden zentralen MIDIlog-Kanäle zwei und drei gesendet, was für unser autokonfigurierendes Virtual DJ LE bedeutet, dass dort die Decks A/Ch2 und B/Ch3 landen. Wer hingegen Traktor oder Mixvibes nutzen will, der verwendet die Betriebsart externer Mixer, sodass Deck A den Kanälen USB1/2 und Deck B auf USB 3/4 zugeordnet wird.  

Zwar bleiben für CD-Player ja noch die Kanäle eins und vier übrig, wer jedoch Musikschallplatten und Softdecks simultan nutzen will, schaut in die Röhre. Aber immerhin könnt ihr problemlos zwischen Plattenspieler und USB hin- und herwechseln. Oder ihr verwendet, falls ihr nicht switchen wollt und so vorhanden, die Live-Input-Funktion eures Mixprogramms, mit dem ihr eine Schallplatte in die Software einschleift, um sie dort mit dem Softwaremixer abzumischen oder mit Effekten zu beackern. Nur Vorsicht, dass ihr keinen Timecode auf dem Teller habt, denn sonst fiept es aus den Lautsprechern. Aber Spaß beiseite, das führt uns zu der Frage, ob sich die Software über das integrierte Audiointerface auch mit Vinyl-Steuermedien oder einem Timecode-Silberling dirigieren lässt. Die Antwort ist: Grundsätzlich ja, es sei denn, die Software verlangt ein spezielles Interface wie Serato oder Traktor. Und ebenso grundsätzlich muss die DVS-Funktion in der Software implementiert oder freigeschaltet sein, was sie bei VDJ-LE nicht ist, sondern nur in der Vollversion VDJ7 Pro, die aktuell mit 170,65 Euro Update-Kosten (bereits inklusive 100 Euro LE-Rabatt) zu Buche schlagen würde. Leider funktioniert die Timecode-Steuerung aber beim brandaktuellen VDJ 7.4Pro, im Gegensatz zu Mixvibes oder Deckadance nicht, was auf einen Softwarebug hinweist. Wer diese Art des Auflegens dennoch kostengünstig praktizieren oder vielleicht auch nur ausprobieren möchte, der sollte mal das kostenlose Mixxx antesten. Meine persönliche Empfehlung in dieser Preisklasse wäre jedoch Cross von Mixvibes, denn es ist sehr intuitiv zu bedienen, lässt sich mit zeitcodierten Steuersignalen lenken oder per iOs fernbedienen, hat intuitive Kreativsektionen und optionale Videounterstützung (kostenpflichtiges Plug-in) an Bord. Zudem ist es ist mit 79 Euro UVP günstiger als Virtual DJ, optisch sehr ansprechend und arbeitet mit dem 14MXR bei den voreingestellten 512 Samples Latenz und frei von Störungen zusammen. Das Mapping der gewünschten MIDI-Befehle unter Cross sollte auch Newbies locker von der Hand gehen.  

Deejays, denen es nach mehr virtuellen Abspieleinheiten dürstet, bedienen im Controller-Modus bis zu vier Decks. Ach doch? Ja, denn die Audioausgabe sämtlicher Player erfolgt zum Master und zum Kopfhörer, also Master = USB 1/2 und Monitor = USB 3/4. Egal welchen Modus ihr nun ausgewählt habt, die Transportsektion und die Navigation bleiben davon unberührt, respektive funktionieren unabhängig davon. Über das Standard-MIDI-Protokoll ist der Mixer in der Lage, mit allen lernfähigen Audio-Anwendungen zu kommunizieren. Schade nur, dass außer Virtual DJ keine andere führende DJ-Software den neuen American Audio nativ unterstützt.

Virtual DJ LE startet nach Eingabe der Seriennummer mit einem speziellen American Audio Skin. Neben den beiden Decks mit Wellenformdisplay, Autosync, visuellen Mixhilfen und dem übersichtlichen Dateibrowser gehören auch Effekte, Hotcues, Loops, Sampleslots (nicht selbst bestückbar!), Filter, Keytranspose und Keylock zur Grundausstattung der Atomix-Software. Für Video- und Karaoke-Jockeys wartet das Programm mit Bewegtbild-Unterstützung auf, jedoch ist für einige Funktionen der Griff zum Mousepad nötig, da es in der LE kein MIDI-Learn gibt. Eine digitale Standard-DJ-Session kann ich dennoch mit Ausnahme von Spulen und Suchen gut bedienen. Zum Durchstöbern der Library dient ein Steuerkreuz samt Push-Encoder, der eine Faderkappe mit (irreführender) Mitten-Markierung aufgesetzt bekommen hat, aber zielsicher durch Seitenbaum, Playlisten und Crates streift. Habe ich mich für einen Titel entschieden, befördert ein beherzter Tastendruck auf „Load“ meine Auswahl in das zugeordnete Deck. „Cue“ und „Play“ dienen dem Abspielvorgang. Wer ausschließlich auf Controller-Workflow setzt, freut sich eventuell über die automatische „Sync“-Funktion, denn so lassen sich zwei Titel ohne Jogwheel und Pitchfader anpassen. Und sollte doch Bedarf nach manueller Feinjustierung herrschen, können die Titel mittels Button-Pitch im Tempo angeglichen und mittels Pitchbend in den Gleichschritt geschubst werden. Ferner kann der DJ bis zu drei Hotcues über den Mixer definieren, anspringen und löschen. Und das alles nun mit nur sechs Tasten? Wie ist das möglich? Per „Shift“, und zwar je nachdem, ob er im „Toggle“- oder „Standard“-Mode operiert (Taste leuchtet oder blinkt). Selbst auf die Parameter eines Software-Effektes habe ich Zugriff, diesmal jedoch nicht über die Transportsektion, sondern über den Browser-Encoder und die Tasten „hoch“ und „runter“, denn mit ihnen kann ich auf die FX-Racks der Softwareplayer wechseln, die sich in der Folge via Encoder tweaken lassen. Hört, hört.

Im Zusammenspiel mit Virtual DJ Pro fiel auf, dass sich die Transporttasten von Haus aus nicht dazu berufen fühlen, die Softwareplayer C und D zu dirigieren. Hier müsste der geneigte User selbst mappen. Die „Fokus“-Selektion half mir da bedauerlicherweise auch nicht weiter. Neu bei VDJ sind die sogenannten Content-Flatrates für Audio (8,57€), Karaoke (17,14€) und Video (42,87€), mit denen der DJ zum Pauschaltarif mit Musikalien versorgt wird und die sich NICHT (!!) gegenseitig enthalten. Bedeutet: Das AuViKar-Gesamtpaket reißt ein Loch von fast 70 Euro im Monat in die Portokasse. Ferner stellt sich die Frage, wie sich das wohl auf die musikalische Vielfalt auswirkt, wenn jeder auf dasselbe Songarchiv zugreift. Ich jedenfalls bleibe bei meinen „Spontankäufen“. Außerdem möchte ich noch anmerken, dass einmal getroffene Einstellungen bezüglich Master und Preview-Lautstärke nicht erhalten blieben, sondern bei jedem Neustart voll aufgerissen waren. Also Obacht, Pegel runterregeln und dann erst den Kopfhörer aufsetzen – sonst wird’s unangenehm.  

Wer keine Ambitionen hat, mit Virtual DJ ein Set abzureißen, kann natürlich auch Musik von seinem Standard-Mediaplayer abspielen und sei es nur zur Hintergrundbeschallung einer Szenekneipe oder einer Lounge oder zum Warmup. ITunes, Winamp und Konsorten landen in der Regel dann auf Channel drei, sicherlich die einfachste „digiloge“ Setup-Konfigurationen.   Aufzeichnen der Mixsession Bevor es nun gleich an das Fazit geht, möchte ich noch auf das Thema „Recording“ zu sprechen kommen. Arbeitet der DJ nur mit seiner LE-Software im Controller-Mode, lässt sich der Mix über den Session-Recorder aufzeichnen, jedoch nur für das, was in Virtual-DJ rein oder rausgeht – und das sind eben nur die Softwaredecks, da die Restriktion der LE-Version keinerlei weitere Konfiguration von In- und Outputs zulässt – no Turntables, no CDJs. Steht euch jedoch eine Software mit Eingangsrouting wie VDJ-Pro oder Traktors Live-Input zur Verfügung, könnt ihr zumindest die beiden Externa aufzeichnen, die am Kanal zwei und drei anliegen. Wirklich schade, dass es nicht zu mehr USB-Audiokanälen gereicht hat, um bis in die Schuhsohlen flexibel im Routing und Recording zu sein und einfach das Mastersignal via Software aufzuzeichnen, wie beim lokalen DJM. Normalerweise würde ich nun für ein „gemischtes Set“ dazu raten, das Mastersignal am Mixer abzufangen, jedoch stellt der ADJ keinen Record-Ausgang zur Verfügung, sodass ihr den mit einem SD-Recorder Master oder Booth anzapfen müsst. Suboptimal.

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