Test
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05.01.2019

Praxis

Pads: Gutes Spielgefühl und ausgeklügelte Extra-Funktionen

Der Praxisteil dieses Tests beginnt mit einer frohen Botschaft: Die Pads des Alesis Strike MultiPad spielen sich wirklich ausgesprochen gut! Schon bei Werkseinstellungen wird die Dynamik des Spiels auf den Schlagflächen für ein Sampling Pad dieser Art gut übersetzt. Bei Bedarf steht zudem pro Pad eine Velocity-Kurve zur Verfügung, die mit einzelnen Kits (also nicht global) abgespeichert wird. Das ermöglicht exakte Kontrolle über das Verhalten einzelner Sounds. Die Latenz zwischen Stockanschlag und Ausgabe des entsprechenden Samples liegt mit etwa sieben Millisekunden in einem absolut akzeptablen Bereich. Übersprecher zwischen Pads oder sonstige Fehltrigger sind kein Thema. 

In Hinblick auf die Funktionalität der Pads hat das Alesis Strike MultiPad dem Roland SPD-SX einiges voraus. Sehr schön ist die Möglichkeit, einer Spielfläche nicht nur Sounds, sondern auch bestimmte Aufgaben zuweisen zu können. So ist es beispielsweise möglich, über Stockanschläge durch die Kits zu navigieren, Effekte zu aktivieren oder den Click zu steuern (inkl. Tap Tempo). Alesis scheint erkannt zu haben, dass man sich als Drummer auf der Bühne nun einmal ungern dazu gezwungen sieht, die Stöcke aus der Hand zu legen. Außerdem lassen sich Pads gruppieren, womit man dafür sorgen kann, dass ihre Sounds gleichzeitig oder alternierend bzw. zufällig alternierend abgespielt werden. Die klassische Mute Group zum Beenden eines Sounds durch das Triggern eines anderen Sounds darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Unter anderem kann dies im Zusammenspiel mit mehreren parallel laufenden Loops oder Loop-Variationen interessant sein. Schon auf dieser Ebene liefert Alesis also ein hochgradig flexibles Instrument.

Viele Sounds und wenige Kits

Das Strike MultiPad bietet insgesamt 100 Speicherplätze für Kits, von denen ab Werk 30 belegt sind und 70 für eigene Kreationen frei stehen. Da Alesis unter anderem mit der sechs Gigabyte großen Factory Library und über 7000 Samples und Loops wirbt, liegt also die Frage nahe, wo denn nun all die Sounds sind. Das Strike MultiPad unterstützt (genauso wie das Roland SPD-SX) keine komplexen Multisamples mit vielen Velocity-Layern, und pro Pad können maximal zwei Audio-Files geladen werden. Und tatsächlich ist es so, dass die 30 Werks-Kits nur einen Bruchteil der Library verwenden, die im internen Speicher schlummert. Als frischer Eigentümer des Sampling Pads darf man sich also auf eine ausgewachsene Entdeckungsreise gefasst machen, die schon an eine kleine Odyssee grenzt. Wegen des fehlenden Datenzugriffs von außen gestaltet sich all dies jedoch recht umständlich. Eine zusätzliche Software zum Zusammenstellen eigener Kits aus den vorhandenen Sounds wäre ebenfalls extrem hilfreich, denn an den Bedienelementen des Alesis Strike MultiPad kann man sich wirklich einen Wolf kurbeln!

Aber werfen wir einen genaueren Blick auf den wirklich umfangreichen Content. Neben akustischen und elektronischen Kicks, Snares, Toms, Becken und Percussion-Instrumenten finden sich hier sehr viele Drum- und Music-Loops sowie Sound-Effekte. Und auch tonale Instrumente sind mit an Bord. Mit Pauken und Tubular Bells hätte ich in dieser Hinsicht gerechnet, dass aber auch Xylophon, Marimbaphon, eine Celesta und tonale Synth-Sounds mit Einzelsamples für jede Tonhöhe im Sample-Speicher liegen, ist doch wirklich überraschend!

In ihrer Qualität überzeugen mich vor allem die Electro Sounds. Bei den akustischen Klängen bemerkt man dagegen einen Mangel an Lebendigkeit, was bei maximal zwei geladenen Samples pro Pad aber auch nicht verwunderlich ist. Für einen halbwegs realistischen Klang bräuchte es weit mehr alternative Samples. Es ist wirklich schade, dass Alesis in dieser Hinsicht eine Möglichkeit vergibt, das Roland SPD-SX so richtig alt aussehen zu lassen. Zwar gibt es einen Workaround über Pad Grouping (siehe „Mult Sidesnare“ am Ende des folgenden Videos), der die Anzahl von unterschiedlichen Sounds zugunsten der Anzahl von Velocity-Layern opfert. Für meine Wahrnehmung ist dies aber viel zu kompliziert einzurichten und letztendlich doch nicht wirklich zielführend. An dieser Stelle möchte ich auf das 2Box DrumIt Three verweisen, das sich durchaus als Soundmodul für ein Sampling Pad eignet und bis zu 128 Velocity-Layer pro Sound ermöglicht.

Als gewöhnungsbedürftig empfinde ich den Punkt, dass sich das MultiPad beim Erstellen und Bearbeiten von Kits immer den letzten Stand aller Einstellungen merkt – eine Funktion zum Abspeichern eines Kits ist dementsprechend nicht vorhanden, und jede Änderung an den Einstellungen ist sozusagen für die Ewigkeit. Wenn man also einmal experimentierfreudig an allen möglichen Rädchen dreht, dann sollte man nicht vergessen, vorher eine Sicherungskopie des aktuellen Kits zu erstellen. Eindeutigeren Grund zur Kritik bieten dagegen die unter Firmware 1.0 verhältnismäßig langen Ladezeiten für Kits (zwischen ein bis vier Sekunden). Wer auf der Bühne schon einmal versehentlich ein falsches Kit geladen hat, der weiß, wie wertvoll selbst Bruchteile von Sekunden in dieser Situation sein können. Ob die Hardware eine Verbesserung in der Performance durch ein Update zulässt, ist allerdings schwer abzuschätzen.

Integrierte Effekte 

Das Alesis Strike MultiPad bietet drei Engines für Kit-Effekte und einen zusätzlichen Engine für einen Master-Effekt. Unter den Kit-Effekten finden sich die üblichen Verdächtigen wie Filter, Verzerrer, Delay, Chorus und Hall. Für den Master-Effekt gibt es dagegen noch zusätzliche Algorithmen wie beispielsweise einen Slicer und einen separaten Equalizer und Kompressor. Die Klangqualität der Effekte ist in einem solchen Gerät natürlich nicht überragend, für die Bühne aber ausreichend. Für die folgenden Beispiele wurde ein fertiger Drum Loop aus der Factory Library bearbeitet.

Die wichtigsten Parameter der Effekte (z.B. die Cutoff-Frequenz eines Filters oder die Decay-Zeit eines Halls) lassen sich zwei Encodern auf dem Bedien-Panel zuweisen, die von Alesis als A-Link-Control bezeichnet werden. Gerade wenn man, wie in den obigen Beispielen, mit Loops arbeitet, kann das für das Aufkeimen eines gewissen DJ-Feelings sorgen. Eine sehr erfreuliche Nachricht ist zudem, dass die Aktivierung der Effekte keine Auswirkung auf die Latenz des Strike MultiPad hat.

Kleine Loop Station enthalten!

Dass ein Sampling Pad mit einem Looper kommt, der im Konzept der Loop Station von Boss ähnelt, ist durchaus überraschend! Es ist also möglich, Loops in mehreren Schichten übereinander einzutrommeln, und tatsächlich kann man sogar die Audio-Eingänge des Strike MultiPad mitverwenden, um beispielsweise über einige Loop-Durchgänge weitere Instrumente aufzunehmen, zu beatboxen oder gegebenenfalls sogar zu singen! Die komplette Steuerung lässt sich dabei auf Pads oder auch auf externe Pedale legen.

Beachten sollte man, dass der Looper nur einen Track bietet. Damit ähnelt er also eher dem Boss RC-1 als dem Boss RC-30 oder den größeren Ausbaustufen der Loop Station. Loops werden immer zu einem laufenden Metronom aufgenommen, können eine Länge von bis zu 16 Takten haben und lassen sich als Audio-Dateien abspeichern und folglich natürlich später auch auf ein Pad legen. Das Erzeugen von eigenen Drum Loops läuft an einem Rechner aber natürlich weitaus komfortabler, und Ähnliches gilt auch für die gesamte Sampler-Funktionalität des Strike MultiPad. Es ist gut zu wissen, dass man jederzeit mal eben über ein Mikrofon, Mischpult oder sogar ein Smartphone ein Sample aufnehmen und es sogar direkt schneiden kann. In Sachen Workflow und weiteren Bearbeitungsmöglichkeiten ist eine kleine DAW-Software auf Rechner oder Tablet dem kleinen LCD mit den umliegenden Bedienelementen aber haushoch überlegen.

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