Bass
Test
7
21.05.2018

Praxis

Im Werbetext verspricht Aguilar eine temperaturgesteuerte Kühlung des Amps durch zwei Flüster-Lüfter. In der Praxis sieht das jedoch so aus, dass beide Lüfter ungefähr zehn Minuten nach dem Einschalten ihren Betrieb aufnehmen und diesen - unabhängig von der Belastung - solange verrichten, bis man den Amp wieder ausschaltet. Zudem ist das Lüftergeräusch aufdringlich genug, um beispielsweise im Studio oder zu Hause beim Üben als störend empfunden zu werden. Es handelt sich also scheinbar um zeitgesteuerte Lüfter, die ich beim besten Willen nicht als flüsterleise bezeichnen kann. Schade, von einem Boutique-Amp in der Preisklasse des AG700 kann man durchaus den Luxus eines nebengeräuscharmen Betriebs erwarten - andere Hersteller machen es auf diesem Sektor ja vor. Damit bin ich mit den Kritikpunkten in diesem Test allerdings schon durch, denn in allen anderen Disziplinen hat mich der AG700 auf ganzer Linie überzeugt!

In Sachen Leistung verspricht Aguilar keinesfalls zu viel - die Nennleistung von 700 Watt erscheint mir absolut realistisch und entspricht in etwa dem Wert, den andere Hersteller angeben, die das gleiche Class-D-Modul in ihren Amps verbauen. Dementsprechend liefert der AG700 ausreichend Leistung für Gigs in großen Veranstaltungsorten, und die hohe Klangqualität des Class-D-Tops bleibt auch bei extremen Lautstärken weitestgehend erhalten. Der neue Aguilar-Head setzt zudem die Nuancen im Spiel blitzschnell um und vermittelt so ein sehr direktes und dynamisches Spielgefühl. Die Performance des eleganten Topteils aus New York ist wirklich überzeugend!

Nicht weniger beeindruckend sind auch die Sounds, die mithilfe des klar strukturierten und einfach zu bedienenden AG700 möglich sind. Im ersten Audiobeispiel hört ihr den Grundklang des AG700 ohne EQ-Eingriffe, für die Aufnahme habe ich ein passiven Jazz Bass verwendet.

In meinen Ohren lieferten die Amps aus AG-Serie immer schon den neutralsten und ausgewogensten Sound von allen Aguilar-Modellen, und das nehme ich auch beim neuen AG700 so wahr. Klar, der Sound wurde mit einem satten Bassbereich und den Aguilar typischen, seidigen Höhen schon etwas auf Gefälligkeit getrimmt, ich höre aber keine Überbetonung in den Mitten und der Amp klingt insgesamt sehr detailreich, transparent und offen.

Für schnelle Klangveränderungen stellt der AG700 zwei EQ-Presets zur Verfügung, die mit nur einem Tastendruck aktiviert werden können. Beide Presets wurden mit Geschmack und Sinn für Praxistauglichkeit abgestimmt - mit aktiviertem Deep-Taster wird der Sound voller und runder, ohne zu dröhnen, und das Bright-Feature sorgt bei Bedarf mit einer ordentlichen Höhenanhebung für zusätzliche Präsenz im Sound. Wenn beide Taster gedrückt sind, produziert der AG700 einen moderaten Scoop-Sound, der im Bandkontext bestens funktioniert.

Ein ähnlicher Effekt lässt sich natürlich auch mithilfe des Vierband-EQs am Amp erzeugen. Für den folgenden Slapsound habe ich die Bässe und die Höhen geboostet und gleichzeitig die Hochmitten bei 800 Hz etwas abgesenkt. Der Equalizer kann sehr feinfühlig dosiert werden und erlaubt auch drastischere Eingriffe. Durch die außerordentlich geschmackvolle und praxisorientierte Abstimmung aller Bänder bleibt die Bedienung aber trotzdem kinderleicht. Hier kommt wirklich jeder schnell zum gewünschten Ziel!

Im letzten Clip geht es in die entgegengesetzte Richtung - für einen runden und warmen Vintage-Sound wurden hier die Bässe und die Tiefmitten deutlich angehoben, und mit dem Höhenregler habe ich gleichzeitig den oberen Frequenzbereich stark abgesenkt.

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