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11.12.2014

AffinityBlue NodeBeat HD Test

Music-App für iOS, OSX, Android, Windows und Blackberry

Intuitive, neue Wege zur Musik

AffinityBlue NodeBeat HD im Test bei bonedo – Ja, es muss nicht immer teuer sein, manchmal findet man seine Inspiration in den einfachen Dingen den Lebens! NodeBeat HD erfodert keinerlei Virtuosität oder große Erfahrung, sondern schlicht Spieltrieb und ein wenig Experimentierfreudigkeit, um zum Musikschaffenden zu werden.

Die Multiplattform-App bedient sich einer Benutzeroberfläche, die eher an einen meditativen Bildschirmhintergrund als an herkömmliche Music-Apps erinnert und verlässt damit etablierte Pfade des Musizierens. NodeBeat HD dient der Kreation musikalischer Texturen, die tendenziell der Kategorie Ambient-Musik zuzuordnen sind und in Teilen auch an „chillige“ Klingeltöne von Smartphones erinnern. Dass sich derartige Musikelemente grundsätzlich auch gewinnbringend in andere Musikstile integrieren lassen, wissen wir spätestens seit Brian Eno, seines Zeichens Urvater der Ambient-Musik und gleichzeitig Produzent von ambitionierten Nachwuchsbands wie U2 und Coldplay. Was hat diese App denn nun genau auf dem Kasten?

Details und Praxis

NodeBeat HD bietet die folgenden Bausteine zur Erstellung eigener Klangkreationen: 

  • Octave Generator
  • Drum Generator
  • Noten  

Diese stehen am linken Bildschirmrand zur Auswahl und können nach Belieben auf dem Touchscreen plaziert werden. Die pulsierenden Generatoren senden klangerzeugende Impulse an die Noten, welche sich nah genug am entsprechenden Octave- oder Drum Generator befinden. Anhand von Linien kann man die Verbindung (Node) von Generatoren zu Noten erkennen und mittels des Parameters Proximity die „Anziehungskraft“ zusätzlich beeinflussen. Die von einem Generator ausgehenden Impulse haben immer die gleiche „Flug“-Geschwindigkeit, so dass rhythmische Muster durch die unterschiedlichen Wegstrecken zwischen Generator und Note entstehen. Durch doppeltes Antippen lassen sich einzelne Nodes stoppen und auch wieder starten. 

Das folgende simple Audiobeispiel liefert einen ersten Eindruck bezüglich Klang und Ästhetik.

Zusätzlich zu den Generatoren kann man über das „Keyboard“ auch unmittelbar Klänge erzeugen beziehungsweise spielen. Als Keyboard dient der gesamte Touchscreen, ohne dass eine Keyboardtastatur sichtbar wäre. Von links nach rechts werden Töne entsprechend der eingestellten Skala (offensichtlich ohne weitere Parameter wie Velocity oder Pressure) ausgegeben. NodeBeat HD ermöglicht auch die separate Ausgabe der Node- und Keyboard-Daten per MIDI, wodurch die Ansteuerung anderer Apps möglich ist. Im folgenden Audiobeispiel hören wir zwei kurze Texturen samt Keyboardeinsatz, wobei die zweite Textur einen Effektsound des hier bereits getesteten iOS Synths Animoog triggert.

Obwohl die Einstellmöglichkeiten in NodeBeat HD insgesamt puristisch sind, ermöglicht die Anwahl wesentlicher musikalischer Parameter die problemlose Einbindung in andere Songs/Produktionen. Als da wären:

  • Tempo
  • Grundton
  • Skala (umfangreiche musikalische Skalen)

Im folgenden Audiobeispiel hören wir den Wechsel von Akkorden und Oktavlagen in Echtzeit, obwohl die entsprechenden Parameter-Fenster aufgrund ihrer Größe nicht unbedingt für eine Realtime-Performance konzipiert sind.

Es gibt ästhetisch ähnliche, häufig sample-basierte Apps oder Libraries, bei denen ich diese grundlegenden Einstellmöglichkeiten vermisse.   

Die klanglichen Bearbeitungsmöglichkeiten beschränken sich auf die Auswahl der Wellenform (Sinus, Sägezahn, Dreieck, Rechteck), eine ADR-Hüllkurve für die Lautstärke und einen in seiner Intensität regelbaren Echoeffekt.

Selbst „erarbeitete“ Klanlandschaften nennen sich Layout und sind speicherbar. Sehr lebendige Layouts lassen sich erzielen, wenn man die Generatoren und Noten über verschiedene Parameter in Bewegung versetzt und Gravitationskräfte aktiviert. Diese und weitere selbsterklärende Einstellmöglichkeiten und Funktionen sind aus den folgenden Abbildungen ersichtlich:

Die Einbindung eines NodeBeat-Layouts in einen Popmusik-Kontext hören wir im folgenden kurzen Audiobeispiel. Hierzu habe ich das Layout in Logic aufgenommen, das Timing ein wenig korrigiert, die Schnittpunkte für kurze Tape-Stops missbraucht und verschieden Elemente hinzugefügt.


Das abschliessende Audiobeispiel/Layout präsentiert unter anderem die Drumsounds der App. Auch wenn ein leichter Nintendo-Charme vorhanden ist, erkennt man, dass hier nicht wirklich die Stärke von NodeBeat HD liegt.

Was gefällt?

Die naiv-intuitive Herangehensweise führt häufig zu inspirierenden, hypnotischen Klangwolken, die sich problemlos in andere Produktionen einbinden lassen oder sogar als Startpunkt einer Playback-Idee dienen können.

Was gefällt nicht?

Die Auswahl der Drumsounds fügt sich ästhetisch nicht wirklich in die grundlegende Stilistik ein. Weiterhin ist es innerhalb der App schwierig, ein hundertprozentig tightes Timing zu erzeugen, falls dies gewünscht ist. DAW-übliche Quantisierungsoptionen würden den Praxiswert nochmals deutlich steigern. Mein Hauptkritikpunkt sind Verzerrungen und Knackser, die insbesondere bei polyfonen, komplexen Layouts auftreten und meinen Eindruck der ansonsten ordentlichen Soundqualität trüben. Hoffentlich wird ein kommendes Update diesbezüglich Abhilfe schaffen. 

Ich möchte anmerken, dass dieser Test auf einem iPad durchgeführt wurde. Laut Homepage des Herstellers ist der Funktionsumfang der grundsätzlich iOS-basierten App auf den weiteren unterstützten Plattformen teilweise eingeschränkt.

Fazit

Die musikalischen und klanglichen Ergebnisse von AffinityBlue NodeBeat HD könnte man zugegebenermaßen auch mit andereren, bereits vorhandenen Apps oder Klangerzeugern kreieren, nur man macht es eben nicht! Genau hierin liegt der Wert dieser hypnotisierenden App, dass man wahrscheinlich zu vollkommen anderen Ergebnissen gelangt als beim Beschreiten herkömmlicher Pfade. Inspiration für Anfänger und Profis zum Tankstellenpreis einer Packung Kaugummi. In der Schnäppchenecke des App Store lauert manchmal auch viel Müll, NodeBeat HD hingegen ist eine Nischenprodukt, das viel Spass bringt und das Potenzial birgt, für das ein oder andere „iTüpfelchen“ in Musikproduktionen zu sorgen.

  • PRO:
  • intuitive Bedienung
  • inspirierende Ergebnisse
  • insgesamt gute Klangqualität
  • Steuerung elementarer musikalischer Parameter
  • günstiger Preis
  • Einbindung durch MIDI- und Audiobus
  • CONTRA:
  • teilweise auftretende Knackser und Verzerrungen
  • Drumsounds
  • FEATURES:
  • Music App für iOS, OSX, Android, Windows und Blackberry
  • 2 Klangerzeugungen (Synth, Drums)
  • Synth Parameter: Sinus, Rechteck, Dreieck, Sägezahn und ADR Amp ENV
  • Echoeffekt
  • Stereo Sound
  • Grafik-basierter Sequenzer
  • 20 Skalen/ 12 Grundtöne
  • BPM Control
  • Aufnahme- und Audio-Export Funktionen (SoundCloud, AudioCopy)
  • Audiobus
  • Keyboard-Funktion
  • MIDI Out
  • Preis:
  • EUR 1,79 (App Store)
  • EUR 3,59 als Bundle mit der App Tunable (App Store)

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