Keyboards
Test
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02.01.2019

Praxis

Was soll im Case untergebracht werden?

Zuerst geht’s an die Planung. Schließlich möchte ich möglichst viele kleine Geräte festverkabelt auf dem Board installieren. Hier kommt schon das erste kleine Problem des Schraubkonzepts ins Spiel: Die gesamte Breite von 59 cm steht nicht zur Verfügung, weil natürlich auf beiden äußeren Enden des Boards Schraubsockel platziert werden müssen. Dadurch sind effektiv nur 53 cm Breite nutzbar. Damit zwischen den montierten Geräten nicht jeweils 6 cm durch zwei Klemmschrauben wegfallen, sollte man die Schrauben so auf die Schienen verteilen, dass sie untereinanderliegen. Und dafür bedarf es einiger Planung und etwas Glück, dass die Klemmschrauben keine seitlichen Ein-und Ausgänge der Geräte verdecken. Auf diese Weise habe ich dann doch fünf Geräte untergebracht: Eine Roland TB-303, einen Roland SBX-1-Synchronizer, ein typisches kleines Boss Effektpedal, die Erica Synth Fusionbox und den Twisted Electrons Acid8 Mk II.

Worauf man achten sollte

Ein schönes, schlagkräftiges Setup, welches genau auf das Aclam Pedalboard passt. Ich versuche jedes Gerät nach oben abzuheben, aber alle sind gut und fest verklemmt. Doch die Freude währt nur kurz: Irgendwie sollen die Geräte ja nicht nur fest verankert sein, sondern müssen auch verkabelt werden. Und da wird es bei den vorderen Teilen dann leider schwierig: Die rückwärtigen Ein-und Ausgänge werden durch die darüber installierten Geräte versperrt.

Bei der TB-303 konnte ich das Audiosignal noch durch ein Kabel mit Winkelstecker herausführen, aber für den Sync-Eingang hatte ich nur Kabel mit ungewinkelten Steckern griffbereit. Und selbst dann kann es eng werden. Für Geräte mit MIDI-Klinkenbuchsen schließlich sind mir keine entsprechenden Adapter mit gewinkelten Steckern bekannt. Die Acid8 benötigt also definitiv genug Platz für die gesteckten Kabel.

Was für Gitarristen dank seitlicher Effektpedal Ein-und Ausgänge und dafür gebräuchlicher kurzer Kabel mit Winkelklinkensteckern überhaupt kein Problem darstellt, führt bei elektronischen Musikern dann zur unüberwindbaren Hürde. Diesen baulichen Umstand sollten Pedalboard-User und Interessenten beim Aclam Pedalboard, wie auch bei anderen Fabrikaten unbedingt einplanen und sich geeignete Kabel mit gewinkelten Steckern besorgen, oder aber das Setup so raffiniert planen, dass den Kabeln keine Geräte im Weg stehen. 

Die Klemmschrauben fixieren die Geräte eigentlich gut. Bei Effektpedalen, die wie der hier verbaute Boss-Effekt eine dick gummierte Unterseite haben, ist also alles prima. Bei Teilen ohne solch eine Gummisohle wie Acid8, SBX-1 und Fusionbox liegt jedoch das Metallgehäuse direkt auf den Metallschienen des Pedalboards, bei der TB-303 sogar nur das nackte Plastik. Ich würde mir unbedingt irgendeine dämpfende Unterlage zwischen Board und den Geräten wünschen, die natürlich auch nicht zu dick sein darf, um die Klemmstabilität nicht zu gefährden. Hier ist jetzt Eigeninitiative angesagt.

Die Tasche im Einsatz

Gute Dämpfung der verklemmten Geräte ist auch deswegen notwendig, weil die mitgelieferte Tasche keinerlei Polsterung aufweist. Sie ist geräumig genug, um oben und unten Schaumstoffpolster einzusetzen (nicht im Lieferumfang enthalten). Allerdings nicht an den Seiten, denn das Pedalboard passt nach Breite und Tiefe ziemlich genau in die Tasche hinein. Stößt man mit der Ecke der Tasche gegen eine harte Kante, wird der Aufprall sehr direkt an das Board und damit auch an die Geräte weitergegeben. Auch aufgrund der dünnen Hülle, des fummeligen Reißverschlusses und des (wie weiter oben beschriebenen) abgerissenen Schultergurthalters, möchte ich die mitgelieferte Tasche lediglich als Notlösung betrachten.

Eignet sich das Aclam Pedalboard für elektronische Live-Acts?

Wer das Aclam Pedalboard professionell transportieren möchte, kommt also um ein von innen gepolstertes und somit gewichtiges Flightcase nicht herum. Für tourende Bands ist das sowieso die ideale Lösung. Für allein oder zu zweit reisende Liveacts ist Gepäck jedoch ein Thema. Einen Mixer kann man sich stellen lassen, aber bestimmte Geräte müssen einfach mitgeführt werden.

Ich kenne diverse Kollegen, die den Fluggesellschaften nur noch höchst ungern ihr Equipment zum Checkin-In anvertrauen, fast jeder kann mindestens eine dazu Geschichte erzählen, dass er seinen Auftritt absagen musste, weil das Live-Set Gepäck unterwegs verloren gegangen ist. Das ist der Hauptgrund, warum viele Liveacts nur noch mit Equipment unterwegs sind, das ins Kabinengepäck passt.

Das Aclam Pedalboard in seiner 66 x 35 x 18 cm großen Nylontragetasche ist leider für die empfohlene IATA-Cabin-Size von 56 x 45 x 25 cm ganze 10 cm zu lang und dürfte bei Kabinengepäckkontrollen durchfallen. Einchecken darf man die Tasche auf keinen Fall, dafür ist sie viel zu soft.

Im Laufe meines Tests hat sich bestätigt, dass Pedalboards für Drummachines und Synthesizer andere Umstände berücksichtigen müssen, als Boards für Gitarreneffekte, die ausschließlich klassische Stompboxen aufnehmen müssen. Da jeder Elektronik-Liveact andere Geräte mitführt, ist es kaum möglich, ein universell geeignetes Pedalboard zu konzipieren. Dazu kommt, dass auch die benötigten Netzteile irgendwo ihren gut gepolsterten Platz finden müssen. Ich werde also vorerst mein Equipment bei meinen nächsten Live-Acts wieder in meinem üblichen Rollkoffer verstauen und erst vor Ort aufbauen und verkabeln.Und auch die Alternativen in Betracht ziehen, denn Pedalboards gibt es mittlerweile viele, wie die nachfolgende Aufstellung zeigt:

Und wer auf dem Markt überhaupt keine passende Alternative findet, der wird vielleicht mit der Bonedo-Eigenbauanleitung glücklich, oder geht gleich zum Pedalboard-Profi.

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