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01.02.2018

5 Punkte, warum es sich als DJ lohnen könnte, eine eigene PA zu kaufen

Boxenschleppen ist nicht jedermanns Sache, vor allem nicht die des Club-DJs. Das überlässt man lieber dem verantwortlichen Haus- und Hoftechniker vor Ort oder dem mobilen DJ, der mit seiner Technik zum Tanz in mitunter zweckentfremdeten Lokalitäten auffordert. Dennoch kann und sollte der einst von schweren Plattencases gebeutelte, mittlerweile vom Komfort verwöhnte, mit Kopfhörer und USB-Stick im Jute-Beutel eintrudelnde DJ mit anpacken und darüber nachdenken, ob er sich nicht selbst eine Beschallungsanlage zulegen möchte. Denn die eigene PA erweitert nicht nur eure Einsatzmöglichkeiten, sondern generell euer anzubietendes Portfolio:

1. Vom Club zum mobilen DJ

Hochzeiten und Geburtstage verschmäht man gern, da sie angeblich zu uncool sind und mehr dem Anspruch einer Dienstleistung als einem künstlerischen Beitrag gerecht werden. Aber wenn der einst prallgefüllte Gig-Kalender häufiger Lücken aufweist, wird man bei Anfragen gewissermaßen weich und muss über seinen Schatten springen.

Keine Angst, das geht direkt aus dem Stand und ohne Training. Denn viele Anfragen beruhen auf eurer Popularität aus dem Club. Entsprechend erwartet man von euch weder Eloquenz am Mikrofon und bespaßende Animation, sondern nur tanzbare Musik „in the mix“. Voraussetzung: Ihr bringt eure eigene PA mit.

2. Popup-Locations

Mit einem eigenen Soundsystem seid ihr in jeglicher Hinsicht flexibel. Ihr könnt euer eigenes Haus – in Mietwohnungen sollte man davon ablassen oder zumindest die Hausgemeinschaft zuvor informieren – beschallen und euer Wohnzimmer zum Dancefloor umfunktionieren. Organisiert kleine Straßenevents oder musikalische Picknicks auf der grünen Wiese. Die sind allerdings auch von eurem hiesigen Ordnungsamt abzusegnen.

3. DJ-Workshops

Zeigt, welche DJ-Skills in euch stecken und bietet kleine Workshops in öffentlichen, gemeinnützigen Einrichtungen oder auch an Schulen an. Damit werdet ihr zwar sicherlich nicht das große Geld verdienen, aber es unterstützt eure Reputation. Außerdem finden diese Veranstaltungen in der Regel ja tagsüber statt und kommen euren abendlichen Bookings nicht in die Quere.

4. Beschallung von Events

Jenseits des Auflegens für eine tanzende Meute ist eure Kompetenz als Music-Director oder wenigstens eure neue PA anderweitig gefragt. Auch für Ausstellungen, Firmen-Präsentationen oder Konferenzen seid ihr jetzt ein Ansprechpartner. Sorgt für den richtigen Sound.

5. Vermietet eure Anlage

Die PA muss sich refinanzieren! Allerdings: Mit Veranstaltungen, bei denen ihr sie zusätzlich in Rechnung stellt, braucht ihr einen langen finanziellen Atem, zumal die PA auch nicht regelmäßig ausgelastet sein wird. Daher bietet sie doch zur Miete in dafür einschlägigen Webportalen an. In der Regel werden pro Kalendertag ein bis zwei Prozent des Listenpreises angesetzt.

Worauf müsst ihr bei der Konfiguration einer PA achten? 

Zunächst berücksichtigt beim Kauf folgende Kriterien: stabil und robust für ständigen Transport, Auf- und Abbaupasst die PA überhaupt in euer Autohandliche Größe, damit ihr sie auch allein aufbauen könntgenügend Power für eure Ansprüche 

Groß ist nicht gleich gut! Denn die Abmessungen eines Systems sprechen nicht immer für deren Beschallungseigenschaften. Daher greift lieber auf ein kompakteres System zurück und berücksichtig Preis, Robustheit, erfüllbare Anforderungen an die Veranstaltungsart und -größe, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Restwert.

Leistung

Bezüglich der Leistungskalkulation: Auch wenn man mit der Pi-mal-Daumen-Berechnung "Anzahl der Watt in Abhängigkeit der Besucherzahl" einen Ansatz hat, solltet ihr euch nicht einzig darauf verlassen. Denn schließlich spielt die Position der Lautsprecherboxen zum Publikum eine Rolle: Je weiter die Distanz, desto mehr Schallpegel wird benötigt. Auch die Größe und Akustik der Location beeinflussen die Wahl der Komponenten. Zudem sind Reserven als Headroom erforderlich, um nicht das komplette System voll auszufahren und Clipping zu vermeiden. Klang, Dynamik und Lebensdauer danken es euch

Bei basslastiger elektronischer Musik gewichtet sich die Entscheidung zu einer eher druckvollen PA mit Tiefbass. Beim Familien-Tanz mit ein paar animierenden und ansprechenden Moderation geht es akustisch oft gediegener zu. Eure PA sollte daher einen ausgeglichenen und transparenten Sound für eine hohe Sprachverständlichkeit vorweisen, ohne die Tiefen und Höhen zu übertreiben. 

Vermutlich überschreiten eure Privatveranstaltungen nicht die 200-Personen-Grenze, sodass Leistung von eurer PA nicht aggressiv gefordert wird. Als grobes Richtmaß benötigt ihr vier bis sechs Watt pro Person. Damit sollte eure Anlage mindestens 800 Watt auf dem Kasten haben. Denkt ihr hingegen groß, wie an ein Zeltformat mit Discocharakter, dann rechnet schon besser mit 2000 Watt und mehr, samt zusätzlicher Bassunterstützung per Subwoofer, damit die Musik wirkt, mitreißt, motiviert und nicht untergeht.

Materialplanung

Zur vernünftigen Materialplanung gibt es unterschiedliche freie Tools, wie die von d&b audiotechnik oder Meyer Sound, die euch schnell und detailliert einen Überblick über die erforderliche Konfiguration geben. Der Preis eurer PA richtet sich natürlich nach eurem verfügbaren Budget und eurer Auftragslage, aber bevorzugt trotzdem eine professionelle Marke. Etablierte Systeme lassen sich leichter vermieten. Allerdings ist eine professionelle PA erst nach 50 bis 100 Einsätzen refinanziert, zusätzliche Reparaturen nicht berücksichtigt. Daher greift lieber auf ein gebrauchtes, leistungsstarkes und hochwertiges als ein neues, minderwertiges und unterdimensioniertes System.

Generell empfiehlt sich für eure Anwendungen ein aktives Lautsprechersystem. Dabei sind die Endstufen und Frequenzweichen in den Boxen integriert. Das spart Platz, der Aufbau erfolgt schneller und es ist preiswerter als ein passives System mit separater Endstufe. 

Die meisten mobilen DJs spielen über aktive Full Range-Stativboxen, zum Beispiel 12/2-Bassreflexboxen, die von oben, auf Ständern montiert, die Tanzfläche beschallen. Unter 12/2 versteht man ein Zweiwegesystem aus Hochtönern und einem Tieftonlautsprecher mit einem Membrandurchmesser von 12 Zoll, der auch den unteren Mittenbereich bei der Signalübertragung abdeckt. Dagegen sind 15/3-Lautsprecherboxen besser. Denn ihr Dreiwegesystem mit beispielsweise einem 15-Zoll-Tieftonlautsprecher, 6,5- oder 8 Zoll-Mittenlautsprecher und 1,4 Zoll-Hochtonkalotten überzeugt mehr von ihrer Belastbarkeit und Basswiedergabe. Aufgrund ihrer Größe sind sie sperriger und schwerer als die 12/2-Variante. Zudem empfehle ich euch, das System mit einem oder zwei aktiven Subwoofern, bestückt mit 15 Zoll- oder 18 Zoll-Lautsprechern, für den Tiefbass zu komplettieren. 

Bei der konkreten Suche nach einem für euch passenden System helfen euch auch unser PA-Testmarathon und dieses Feature.

Damit seid ihr gut gerüstet, angefangen für das kleine private Jubiläumsevent, über die House-Party mit Clubcharakter bis hin zum dicken Techhouse-Rave in der Halle, je nachdem, was eure PA hergibt. Obendrein könnt ihr auch diese Staffelungen in den Mietpreis einfließen lassen.

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