Software Hersteller_Akai
Test
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11.10.2018

Praxis

Auspacken und installieren

Zum Lieferumfang gehören der Controller, eine vierseitige Bedienungsanleitung, Cheat Sheet, Download- und Sicherheitsanweisungen. Besitzt man bereits eine FL Studio Lizenz, genügt es, das Update 20.0.5 (oder neuer) herunterzuladen, woraufhin der Controller automatisch erkannt wird und ohne weitere Konfigurationen startklar ist. Möchte man die im Lieferumfang enthaltene Fruity Fire Edition nutzen, muss der Controller zunächst auf der AKAI-Website registriert werden, woraufhin die DAW auf der Image Line Website heruntergeladen werden kann. Für den Fall, dass Fire in FL Studio nicht automatisch erkannt wird, sollten die MIDI Settings überprüft werden – das „Benutzerhandbuch“ (zwei Seiten pro Sprache) bietet an dieser Stelle ausreichende Hilfestellung. Im Allgemeinen liefert das Benutzerhand allerdings nicht wirklich viel Informationen und auch im Cheat Sheet, in dem einige Shift-Befehle etc. erklärt werden, fehlen so manche Features.

Ein spezieller FL Studio Controller

Wer sich erhofft hat, den AKAI Fire beispielsweise als Step Sequencer mit anderen DAWs zu nutzen, wird leider enttäuscht. Controller mit Step Sequencer, die mit allen DAWs kompatibel sind, wie beispielsweise dem Arturia BeatStep Pro, gibt es bereits. Der Fire ist ausschließlich auf die fruchtige DAW zugeschnitten, was sich im Workflow bemerkbar macht. Schauen wir uns das im Folgenden mal genauer an.

Kleine Browser Bugs

Im Test kam es häufig vor, dass der Controller im Browser Mode beim Versuch ein Sample oder Plugin hinzuzufügen das normale Datei-Menü statt des Kontext-Menüs anzeigte. Wenn man eine Spur im Channel Rack zu einem Mixerkanal routet, lässt sich danach der Browser nicht mehr über den Controller steuern. Erst nach einem Neustart der DAW funktioniert es wieder wie erwartet. Das sind allerdings Kinderkrankheiten, die sicherlich mit einem Update behoben werden.

Simple Browserbedienung

Die Browserbedienung hätte ich mir schwieriger vorgestellt, sie ist aber simpel und workfloworientiert gelöst. Per entsprechendem Button öffnet man den Browser und kann mit dem gerasterten Encoder durch die Baumstruktur navigieren. Deren Ordner lassen sich per Drücken des Encoders öffnen und schließen. Die selektierten Files (Ordner, Samples, Plugins etc.) werden auf dem OLED-Display dargestellt, der Blick zum Rechner ist also nicht zwingend notwendig, wenngleich übersichtlicher. Über den Encoder werden die gewünschten Elemente in den selektierten Kanal des Channel Racks geladen. Besonders überrascht hat mich, dass man Samples einer Spur nicht nur ersetzen, sondern auch problemlos in neue Spuren hinzufügen kann. Hat man sich im Browser ein Sample oder Plugin ausgesucht und betätigt den Select Button, öffnet sich ein entsprechendes Kontext-Menü, in dem sich diverse Einfüge-Optionen auswählen lassen. Darunter „Ersetzen“, „In neue Spur laden“ und auch der Import in den FL Studio Sample Editor „Edison“. 

Intuitive Navigation und workfloworientiertes Beat Programming

Die Bedienoberfläche des AKAI Fire ist für einen DAW-Controller sehr übersichtlich gestaltet – man wird nicht gleich von unzähligen Beschriftungen oder Reglern erschlagen. Im Gegenteil: Der Controller wirkt gleich von Beginn an vertraut und ermöglicht eine intuitive Bedienung von FL Studio. Vorausgesetzt man kennt die DAW und weiß, was die Begriffe zu bedeuten haben. Die Einarbeitungszeit ist entsprechend kurz und man fragt sich, warum es diesen Controller nicht schon vorher gegeben hat.

Standardmäßig befindet man sich – wie es sich für Fruity gehört – im Step Mode und kann sofort mit dem Programmieren der Patterns loslegen. Vier Spuren werden gleichzeitig angezeigt und lassen sich mit Steps befüllen. Die Spuren 1 bis 4 können mit dem Select-Regler ganz einfach weitergeblättert werden (5 bis 8 usw.), um auch die weiteren Tracks zu programmieren. Mit den Pattern-Buttons werden neue angelegt bzw. erstellte durchgeblättert. Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden, bestehende Patterns zu duplizieren. Das würde den Workflow nochmals beschleunigen, um nicht jedes Mal ein leeres Pattern erneut zu programmieren, wenn nur kleine Abweichungen eines vorigen Patterns notwendig sind. Das hält natürlich niemanden davon ab, das Tastenkürzel auf der Computertastatur zu verwenden. Möchte man die Steps von den standardmäßigen 16 auf beispielsweise 32 erweitern, funktioniert das ganz einfach, indem man mit den Grid-Buttons zu weiteren Bereichen des Step Sequencers navigiert. Am Controller-Display sieht man den Bereich (16, 32, 48, 64 etc.) und in der DAW wird der ausgewählte Bereich rot umrandet. So ist gut zu erkennen, wo man sich gerade im Step Sequencer befindet – übersichtlich gelöst!

Die einzelnen Steps können mit den Features des Graph Editors bearbeitet werden, was am Controller wirklich einfach umgesetzt wurde. Dazu wählt man die Steps aus, die man editieren möchte, und hält sie gedrückt, während man mit den fünf Drehreglern die Parameter Volume (Velocity), Pan, Filter, Resonance und Select (Tonhöhe) bearbeiten kann. Was mir im Step Mode fehlt, ist die Möglichkeit, andere Rasterwerte (Snap Settings) einzustellen, um beispielsweise Triolen zu programmieren. Das funktioniert in der DAW allerdings leider (immer noch) nicht im Step Sequencer, sondern lediglich in der Pianorolle. Möchte man die Steps in Accents also verschiedenen Anschlagstärken programmieren, ist auch das möglich (Shift + Step/Accent-Button).

Live spielen im Note und Drum Mode

Mit den vier runden Buttons links neben den Steps können die Tracks nicht nur stumm oder solo geschaltet werden, sondern mit gedrücktem „Alt“-Button auch gezielt selektiert werden, um den Klang daraufhin beispielsweise im Note Mode chromatisch zu spielen. Hält man den Alt-Button gedrückt und blättert mit dem Select-Button, wird statt vier jeweils nur ein Track weitergesprungen. So lässt sich noch präziser im Channel Rack navigieren. Im Note Mode stellt die 16 x 4 Matrix eine Klaviatur dar, in der sich über drei Oktaven Noten spielen lassen. Weitere Oktaven sind mit den Grid-Buttons auswählbar. Das ist insgesamt (was die Funktionen angeht) gut umgesetzt, da es aber keine Pitch und Mod Wheels gibt und die Pads im Note Mode nicht anschlagdynamisch spielbar sind (auch nicht mit aktiviertem Accent), kann man der melodischen Performance nicht sonderlich viel Ausdruck verleihen. 

Zudem sind die Pads zum Step-Programmieren zwar ausreichend groß, zum live Einspielen allerdings etwas klein. Leider wechselt die DAW beim Auswählen des Note Modes nicht auch gleich in die Pianorolle, sondern zeigt weiterhin den Step Sequencer an. Um nach der Aufnahme die eingespielten Noten auch gleich editieren (quantisieren, verschieben etc.) zu können, wäre es recht praktisch gewesen, direkt die Noten vor Augen zu haben. Da man zum Editieren aber ohnehin zur Maus greifen muss, ist es auch nicht weiter tragisch. Neben der chromatischen Klaviatur können auch die vorgegebenen FL Studio Skalen ausgewählt werden, damit man nie die falschen Töne spielt. Leider ist es nicht möglich, auch die vorgegebenen Chords abzufeuern.  

Im Drum Mode stellt zwei 4 x 4 Matrizen dar, um Sounds wie mit einer MPC zu spielen. Der Drum Mode ist im Grunde auch nur eine chromatische Klaviatur, nur eben in 4 x 4 Anordnung in zweifacher Ausführung. Wählt man den Drum Mode in einer normalen Samplerspur an, in der sich nur ein Sound befindet, spielt man diesen also nur in unterschiedlicher Tonhöhe, ebenso wie im Keyboard Mode. Um den Drum Mode voll auszureizen, lohnt es sich daher, das FPC Plugin zu laden und dieses mit Samples zu befüllen, damit jedes Pad ein eigenes Sample erhalten kann. Auch hier sind die Pads (für mein Empfinden) zum Livespielen etwas zu klein und eng bei einander. Ein zusätzliches MIDI-Keyboard, das eventuell über Drumpads verfügt, ist wahrscheinlich keine schlechte Ergänzung des Setups.

Performance Mode

Um MIDI Patterns oder Audioclips live zu arrangieren, dient FL Studios Performance Mode, welcher in etwa mit Ableton Lives Session-Ansicht vergleichbar ist. Mit dem Fire Controller lässt sich der Performance Mode steuern. Dadurch ist es möglich, Live-Performances zu erstellen, in dem sich direkt am Controller gezielte Projektinhalte (Audio-Clips und MIDI Patterns) abspielen lassen. Im Performance Mode erhalten die Pads dieselben Farben der Clips bzw. Tracks, wie sie auch in der DAW zu sehen sind, wodurch man sich schnell zurechtfindet. Mit dem Select Encoder navigiert man intuitiv durch die Tracks und mit den Step-Buttons werden die Clips abgefeuert – that’s it!

Mir persönlich fehlt ein Playlist Mode, mit dem sich die Clips zu einem Song arrangieren lassen. Wer nämlich mit FL Studio keine Live Perfomance bauen will, sondern im Studio ganz einfach Beats produzieren möchte, kann das mit dem Controller im Grunde nur halb erledigen. Dass man Patterns bauen kann, ist schön und gut, aber irgendwann möchte man diese auch zu einem Song arrangieren. Das ist mit dem Controller leider nicht machbar und man greift spätestens dann zur Maus. Dabei wäre es mit einer 4 x 16 Matrix doch sicherlich machbar gewesen, zumindest das Paint-Tool hätte man sicherlich umsetzen können, um Clips hinzuzufügen und wieder zu löschen.

Mixing

Die vier Endlosdrehregler über der Matrix sind fest mit den beschrifteten Parametern belegt. Hat man einen Kanal ausgewählt, lässt er sich also direkt mit Volume, Pan, Cutoff-Filter und Resonanz bearbeiten. Das Display gibt natürlich die aktuellen Parameterwerte aus, damit man auch am Controller alles im Blick hat. Standardmäßig bearbeitet man die Kanäle im Channel Rack. Wechselt man in den Mixer Mode, werden die entsprechenden Parameter im Mixer statt im Channel Rack geregelt. Statt Filter und Resonanz werden dann Low EQ und High EQ gesteuert. Mit dem Shift-Button können über den Select Encoder die Mixer-Kanäle ausgewählt werden. Auch beim Mixing bleibt der Workflow am Controller also intuitiv. Die ganz kleinen Mixing-Jobs kann man am Controller erledigen; das direkte Steuern von AUX-Kanälen oder gar Laden und Steuern von Effekt-Plugins ist leider nicht ohne Weiteres möglich. Richtige Mixdown-Sessions wird man am Controller daher nicht durchziehen können. Aber dafür ist der Controller auch nicht wirklich gedacht, denn Beat Programming und Performen steht beim Fire ganz klar im Vordergrund.

In den beiden User-Bänken können die Regler frei belegt werden, was in FL Studio wie gewohnt funktioniert: Mapping-Button in der DAW betätigen, Parameter auswählen, Regler am Controller bewegen, fertig! Speichert man das Projekt als Vorlage ab, braucht man die Zuweisung nicht jedes Mal erneut zu machen. Ich habe mir beispielsweise den Swing-Regler, Master-Tempo und weitere Parameter belegt, um den Controller noch besser an meinen Workflow anzupassen.

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