Damit die Ähnlichkeit der beiden eineiigen Kanalzwillinge untersucht werden kann, habe ich die wunderschöne Akustikgitarre des Gitarristen in Stereo mikrofoniert.
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Zum Einsatz gekommen sind zwei Bändchenmikrofone aus dem gleichen Hause wie der Sonora, die im Blumlein-Verfahren im Nahbereich des Instruments auf Höhe zwischen Steg und Loch positioniert waren. Wer “Blumlein” nicht kennt: Das ist ein intensitätsstereofones Koinzidenz-Aufnahmeverfahren mit zwei um jeweils 45° zur Hauptrichtung (und dadurch 90° zueinander) versetzten Achten, das vor allem gerne im Nahbereich von Instrumenten verwendet wird. Im Klangbeispiel ist die Solo-Gitarre spiegelverkehrt zur Rhythmus-Gitarre abgebildet. Es zeigt sich, dass das Kanal-Matching auch für Stereo-Aufzeichnungen ausreichend ist. Es gab keine auditiv wahrnehmbaren Unterschiede, wie es sie manchmal bei anderen Geräten zu beobachten gibt. Oftmals ist ein Kanal etwas höhenärmer, rauscht stärker, verstärkt auffallend stärker oder schwächer oder reagiert dynamisch unterschiedlich. In der Praxis sind es jedoch häufig die verwendeten Mikrofone, die durch schlechtes (oder kein!) Matching das (Stereo-)Bild trüben.
Bisher klang im wörtlichen Sinne ja alles ganz ordentlich. Wenn ein Mikrofonvorverstärker auch D.I.-Funktionen übernehmen kann, ist ja nichts naheliegender, als einmal eine Gitarre einzustöpseln. Gesagt, getan: Das Signal klingt unaufdringlich und fehlerfrei.
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Was aber dann im Test passiert ist, ist einer dieser Momente, die man nie vergisst: Ich stecke das Gitarren-Signal zur Gegenüberstellung in ein anderes Gerät, den Avalon U5. Was? Wo ist der Fehler? Kann das sein? Es ist, als habe da jemand gerade die Tür aufgemacht, als sei die Sonne nach einem langen, nuklearen Winter wieder durch die Wolkendecke gebrochen. Um den Pathos vollständig auszureizen: Es ist wie eine Geburt. Das erste Mal Licht, Luft und Wirklichkeit. Da kann ja was nicht stimmen, denke ich und interviewe den Gitarristen, ob er nicht seine Pickups umgeschaltet oder sein Tone-Poti bewegt hat. Er schüttelt den Kopf und wir wechseln erneut. Die “Tone”-Funktion des Avalons ist ausgeschaltet. Selbst bei identischen Line-Kabeln und dem gleichen A/D-Wandlerkanal ergibt sich das gleiche Bild. Es ist unfassbar: Die Unterschiede sind wirklich gravierend, der Sonora liefert im Vergleich zum Avalon nur geringen Pegel in den Höhen, klingt lustlos, langweilig, versteckt, eindimensional und einfach leise. Nun gut, der Avalon U5 ist ein auf Symmetrierung spezialisiertes Gerät und wird für seine exorbitante Klangqualität nicht grundlos verehrt. Außerdem kostet der U5 als einkanalige D.I.-Version etwa so viel wie die zweikanalige Mic-Pre-/D.I.-Kombination Sonora. Es sind also tatsächlich ungleiche Waffen, mit denen hier gekämpft wird, dennoch sind die Unterschiede monströs. Der Universal Audio LA-610 darf auch zeigen, was er mit dem Gitarrensignal anstellt. Wie für den Röhren-Preamp zu erwarten, klingt auch er etwas dumpfer und belegter als der Avalon, allerdings zeigt auch er im Klangbild deutlich Klasse: Die Höhen sind durch die zurückhaltende Zerrung mit einem matten Funkeln belegt, und das Gerät reagiert weitaus dynamischer auf das Signal, als es der Sonora tut. Es mag sein, dass der Sound dem alter Klassiker entspricht und es heutzutage viele Geräte gibt, die das D.I.-Signal recht höhenreich auslegen, doch entspricht das Signal des Sonora nicht dem heutigen Standard. Die D.I.-Funktion scheint also auch beim Sonora nur eine Dreingabe zu sein, die nur als Notlösung verstanden werden sollte. Um ihr Produkt besser dastehen zu lassen, wären Sontronics gut beraten gewesen, komplett darauf zu verzichten.






