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Kolumne: Daniel Wants to Talk To You About Your Future!

TEIL 2

Schweinerock – Von der Schlachtbank ins Musikbusiness?

 
 
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Mein Alltag besteht im Schnitt aus mindestens 4 Stunden quatschen: Telefon, Email, Auge-in-Auge – irgendwie scheint mein Leben nur aus Sabbeln zu bestehen. Es geht um Ideen, Wünsche und Zusagen - oft habe ich aber auch einfach das Gefühl, dass die Jungs sonst niemanden zum Quatschen haben. Viele meiner Musiker nennen mich deshalb auch „Vaddi“ – nett irgendwie.

Es geht eigentlich immer um dasselbe – wie am Fließband: Tschick-tschack und wieder von vorn. Bands haben fast immer ähnliche Fragen: „Was macht ihr an Werbung?“, „Was denkst Du wird unser Album verkaufen?“, „Haben wir überhaupt eine Chance mit unserer Musik?“... Und meine Antworten sind dann dementsprechend ...“Wir geben unser Bestes!“, „Platten verkaufen ist nur einer der Wege mit Eurer Musik Knete zu verdienen!“, und „Sonst würde ich ja wohl kaum mit Dir verhandeln?!“. Immer wieder. Aber manchmal gibt es auch Abwechslung. Sternstunden, die einen in unendliche Weiten vordringen lassen, wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist. Und so jemand sollte Mario sein. (Name vom Autor geändert - Ähnlichkeiten mit unwirklich lebenden Personen aber nicht ganz zufällig.)

„Hallo. Vier Jahre schaffe ich jetzt schon im Fleischgroßmarkt. 12-14 Stunden täglich – ich hab’ einfach die Schnauze voll halbe Schweine zu schleppen.“
Aha. Schon die Einleitung versprach großes Kino.
Meine Neugier war geweckt: „Ok, das macht Sinn – da hätte ich auch keinen Bock drauf. Aber sag mal, warum rufst Du mich denn eigentlich an? Und wer bist Du überhaupt?“
„Ja, ich bin der Mario – ich arbeite in der Schlachterei nebenan. Ihr seid doch in diesem neuen roten Haus, oder?“ Unser Büro im Karostar ist tatsächlich eingefasst von einem Live-Club, einem Musikgeschäft, der U-Bahn – und Hamburgs größten Fleischmarkt auf der vierten Seite. Da musste er also her sein.
„Ja, das stimmt.“, antwortete ich.
„Ich hab keinen Bock mehr auf Schlachterei, und weil mir sonst nix anderes eingefallen ist, dachte ich halt – ich hör’ gern Musik!“, erklärte sich Mario.

‚Ich kann nix – also will ich in die Musikbranche’
, diese Aussage ist sogar für mich Neuland. Abgefahren. Ich bin es ja schon gewohnt, dass Leute behaupten, sie spielten Gitarre wie Steve Vai, schrieben Songs wie Nickelback oder sängen wie Christina Aguilera - aber das... War das jetzt ein Scherzanruf, oder schlimmer– oh Graus - womöglich ernst gemeint...?

„Sag mal Mario, was willst Du denn bei uns machen?“, fragte ich Mario, nachdem ich wieder Luft bekam. „Ja, so genau weiß ich das auch nicht... mit Bands abhängen, mit auf Tour gehen vielleicht...“, meinte Mario.

AUTOR: DANIEL HEERDMANN
Daniel Heerdmann ist Chef des Metallabels Tiefdruck in Hamburg, Autor und Kolumnist – und war natürlich auch mal Musiker in einer Metalband ...

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