KOLUMNE: DANIEL WANTS TO TALK TO YOU ABOUT YOUR FUTURE! TEIL 4
Gloria Viktoria oder ein Traum in weiß!!!
„Ungefähr 1 Million kostet die Laseranlage.“ Ich schluckte. Frank fuhr fort: „Hinzu kommt die Reinigung des Backstage- Raums. Und um eine neue Einrichtung werden wir wohl auch nicht drum rum kommen.“ - „Äh, meinst du, wir könnten da am Preis noch was drehen?“
Meine erste Tour überhaupt absolvierte ich als Tourmanager für Love Gun – und die Band schien sich vorgenommen zu haben, mir zu zeigen, wie cool das Rockstardasein ist. Die ersten zwei Shows waren in Holland – in Hardenberg – sowie in einem kleinen Jungendzentrum irgendwo im Pott – ich weiß nicht mehr wo genau. Natürlich wurden meine beiden ersten Shows ein echtes Desaster.
Love Gun war die Band von Lars, meinem ersten Chef im Musikgeschäft – einem Mann, der das Zentrum des Universums ständig deutlich in sich spürte. Neben Lars als blut- und feuerspuckendem „Gene Simmons“ und Gitarrist Yenz als „Paul Stanley“, mit sssoftem dännissen Akzent, gab es noch Chris als „Ace Frehley“ sowie Mario, der nicht nur den „Peter Criss“ sondern später auch den Trommler meiner eigenen Band machte.
Schon die erste Show in Hardenberg musste ich gleich komplett auf englisch abwickeln. Ich hatte damals noch nie eine Abrechnung für ein Konzert gemacht – hatte keine Ahnung von Steuern (schon gar nicht Steuern im Ausland ), und zur allgemeinen Belustigung musste ich mich mit dem Veranstalter auch noch rumstreiten. Denn die Band hatte vor der Show die noch eigentlich geschlossene Bar neben der Bühne halb leer gesoffen...Wild schwitzend rannte ich den ganzen Abend zwischen Lars und dem Veranstalter hin und her – weil auf Tour war Lars immer „inkognito“, damit er von den Veranstaltern nicht vollgelabert wurde. So musste immer ich alles regeln...
Der nächste Tag sollte nicht viel besser werden.: Noch vor der Show war klar, dass der Veranstalter heute Abend wohl nicht bezahlen können würde ...
Veranstalter Axel erzählte mir von einem desolaten Vorverkauf ganzer 3 Karten – und dass er an einem Samstagabend nicht wisse, wie er an die Gage kommen solle. Lars hatte wie immer die rettende Idee: Die Zigarettenautomaten im Laden knacken! Der Abend endete wie jede Love Gun Show in einem Saufgelage im Backstage und mit fremden Frauen auf fremden Schößen. Mein Schoß blieb leer, denn wie immer hatte ich keine Zeit für die süßen Seiten des Musikerlebens. Chef Lars schickte mich wie immer von Pontius zu Pilatus. Später, als der Sekt alle war, ließ er mich an Axel ausrichten, dass jetzt bitte Piccolos von der Tanke zu kaufen wären. Das tat der Gute im Angesicht der eigenen Insolvenz, mit Tränen in den Augen, dann auch sehr gerne.
Ich habe in den Jahren bei Lars und seinen „Monster-Productions“ einiges gelernt – vieles über politische Zusammenhänge, Respekt gegenüber anderen und insbesondere einiges, was man wohl besser nicht machen sollte. Also halte ich mich seitdem immer an die Devise: „Was würde der Lars tun?“ – und mache dann einfach das Gegenteil.
Yenz wollte in diesem Jahr seinen Geburtstag während eines Love Gun Konzertes im Live Club Aladin feiern. Es war ein lauschiger Nachmittag Anfang Juli – und da weder ich noch mein bester Freund Thomas an diesem Abend was zu tun hatten, kamen wir auf die grandiose Idee nach Bremen zu fahren, um mit Yenz und seinen Jungs mitzufeiern. Frank, der damalige Booker und Geschäftsführer des Aladin ist ein echtes Original der Metal-Szene. Er war u.a. bei RTL neben Holy Moses Sängerin Sabina und Rock Hard Ikone Götz Moderator der Metal-Sendung „Mosh“. Frank und ich haben sehr viele Konzerte zusammen veranstaltet – und da ich selbst mit meiner Kapelle auch ein paar mal dort gespielt hatte, kannte er meinen – na ja – „Rock’n’Roll-Faktor“...
„Sag mal, wollen wir eigentlich was mitbringen?“, fragte Thomas. „Klar, am besten was zu trinken, du kennst ja Yenz – darüber wird er sich am meisten freuen“, antwortete ich. Wir also ‘ne dicke Literflasche Jack Daniels besorgt, und rein in den Wagen in Richtung Bremen.
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Daniel Heerdmann ist Chef des Metallabels Tiefdruck in Hamburg, Autor und Kolumnist – und war natürlich auch mal Musiker in einer Metalband ... |








