Hersteller_Yamaha
Test
3
19.11.2012
Test

Yamaha PSR-S650 Test

Keyboard

Solider Allrounder

Nach unserem Testmarathon Einsteiger-Keyboards waren wir gespannt, wie es in der nächsthöheren Preisklasse weiter geht. Deshalb haben wir uns das Yamaha PSR-S650 vorgenommen, einen typischen Vertreter der Mittelklasse. Wie sich das Instrument in der Praxis bewährt, und ob man sich damit – im Gegensatz zu den meisten Einsteiger-Keyboards – auch guten Gewissens auf eine Bühne stellen kann, soll dieser Test zeigen.

Mit seinem Preis von knapp 800 Euro ist das PSR-S650 nun wahrlich kein Spielzeug mehr, sondern wendet sich an ambitionierte Amateure, die mehr vorhaben als nur zu Hause zu klimpern. Andererseits ist es deutlich günstiger als die Profi-Keyboards vom Schlage eines Yamaha Tyros oder Korg Pa-3X. Ist das PSR-S650 eine Alternative für Preisbewusste?

Details

Das PSR-S650 steckt in einem stabilen, schwarzen Plastikgehäuse. Einzig die Schutzgitter der Lautsprecher sind aus Metall gefertigt. Mitgeliefert wird neben der Bedienungsanleitung und dem Netzteil auch ein aufsteckbarer Notenhalter, der leider auch bei diesem Mittelklassemodell ähnlich fragil und billig wirkt wie die Notenständer der günstigsten Yamaha-Modelle. Der Rest des Keyboards wirkt aber sauber verarbeitet und haltbar. Schon die im Vergleich zu den Einsteigermodellen mit Tastern förmlich übersäte Bedienoberfläche macht auf den ersten Blick deutlich, dass wir es hier mit einem Ernst zu nehmenden Musikinstrument mit vielen Funktionen zu tun haben. Die Tastatur umfasst 61 leicht gewichtete, anschlagdynamische Plastiktasten und wird von einem Pitchbend-Rad flankiert.

Unter den Metallgittern schlummern Zwei-Wege-Lautsprechersysteme, die jeweils insgesamt 12 Watt leisten. Damit verfügt das PSR-S650 über deutlich mehr Power als alle Einsteiger-Keyboards, die wir in unserem Testmarathon unter den Fingern hatten. Die 12 cm großen Tief-/Mitteltöner wecken mit ihren weißen Membranen Assoziationen an die legendären Studiomonitore Yamaha NS-10M. Die Lautsprecher klingen ausgewogen und druckvoll, zerren auch bei hohen Lautstärken nicht und eignen sich durchaus auch für eine kleinere Chorprobe. Auf der Bühne wird man aber nicht darum herumkommen, das Keyboard an eine Verstärkeranlage anzuschließen.

Die Bedienoberfläche ist klar strukturiert und trotz der vielen Taster übersichtlich. Das Grundprinzip ist: Begleitung links, Sounds rechts. Alle Knöpfe, auf die man während der Performance ständig zugreifen muss, sind direkt oberhalb der Tastatur angeordnet, weiß hervorgehoben und fast alle rot beleuchtet.

Auf der linken Seite finden wir zunächst den Lautstärkeregler und den Power-Schalter. Dieser ist leicht im Gehäuse versenkt, damit man nicht versehentlich drankommt. Um das Keyboard auszuschalten, muss man ihn außerdem etwas länger drücken, was ein unbeabsichtigtes Ausschalten zusätzlich erschwert. Rechts daneben befinden sich die Knöpfe zur Bedienung der Song- und Aufnahmefunktionen sowie zwölf Taster zur Anwahl von Style-Kategorien. Noch weiter rechts folgen Buttons für Transpose, Tempo (inkl. Tap-Funktion) und das eingebaute Metronom. Darunter, also oberhalb der Tastatur, liegen in einer Reihe angeordnet alle Taster zur Bedienung der Begleitautomatik, also Start/Stop, Intro, Ending, Variationen und so weiter.

In der Mitte thront ein grafikfähiges, einfarbiges und bläulich beleuchtetes Display mit etwa 11 cm Diagonale. Das ist im Vergleich zu den Spitzenmodellen nicht besonders groß, reicht aber aus, um alle wichtigen Informationen anzuzeigen. In der Standardansicht werden hier alle ausgewählten Klänge, Styles und Songs gleichzeitig angezeigt. Darunter befindet sich ein großes Value-Rad, das von zwei Category-Tastern, Plus/Minus- bzw. Yes/No-Knöpfen und Buttons für Execute und Exit begleitet wird. Damit navigiert man durch die Menüs, nimmt Einstellungen vor und wählt Sounds aus. Im mittleren Bereich oberhalb der Tastatur haben die neun weißen Taster zur Auswahl von Registrierungen Platz gefunden, die alternativ auch zur An- und Abschaltung einzelner Begleitspuren genutzt werden können.

Der rechte Bereich der Bedienoberfläche wird von 15 Knöpfen für Voice-Kategorien eingenommen. Außerdem befinden sich hier drei Taster, über die man die Music Database aktiviert (eine Sammlung von vorgefertigten Registrierungen für populäre Songs) und die Datei- und Funktionsmenüs öffnet, die der Speicherverwaltung bzw. verschiedenen Feineinstellungen dienen. Mit vier der weißen Buttons im rechten Bereich lassen sich die One-Touch-Settings für die Styles aufrufen. Die übrigen weißen Knöpfe aktivieren die Dual- und Splitfunktionen, Spielhilfen wie die automatische Harmonisierung und die DSP-Effekte. Ganz rechts befinden sich Oktavschalter für die Sounds der rechten Hand – sehr praktisch!

Auf dem übersichtlichen Anschlussfeld an der Gehäuserückseite finden wir zunächst den Anschluss für das mitgelieferte Netzteil. Im Gegensatz zu den meisten Einsteiger-Keyboards lässt sich das PSR-S650 nicht mit Batterien betreiben, sodass man stets an eine Steckdose gebunden ist. Als nächstes folgt eine kleine Enttäuschung: Der einzige verfügbare Audio-Ausgang ist der Kopfhörerausgang. Dieser lässt sich zwar notfalls auch als Stereo-Out “missbrauchen”, wirklich elegant ist diese Lösung aber nicht. Um das PSR-S650 an ein Mischpult o.ä. anzuschließen, benötigt man daher stets ein Y-Kabel oder einen Adapter. Das kann in der Live-Situation schon mal zu Problemen führen. Ein separates Stereo-Ausgangspaar wäre sinnvoll und den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten dieses Keyboards auch angemessen gewesen. Es folgen ein Anschluss für ein Sustain-Pedal sowie zwei USB-Ports. Einer davon ermöglicht die Verbindung zu einem Computer, um MIDI-Daten auszutauschen und Styles und Songs vom Rechner in den Speicher des Keyboards zu schieben. Für Letzteres ist die Software “MusicSoft Downloader” erforderlich, die auf der Yamaha-Website als kostenloser Download verfügbar ist – leider nur für Windows-Rechner. Der zweite USB-Anschluss ist für einen Speicherstick vorgesehen, auf dem sich Daten wie User-Songs, Registrierungen und User-Styles sichern lassen. Auch das Laden der optional erhältlichen Voice & Style Expansions (dazu später mehr) erfolgt über einen USB-Stick. Ein kleiner Drehregler für den Display-Kontrast vervollständigt das rückseitige Angebot. Damit lässt sich die Anzeige schnell und unkompliziert an unterschiedliche Lichtverhältnisse (z.B. Bühnenbeleuchtung) anpassen. Das ist viel einfacher als die Bedienung dieser Funktion über ein Menü, wie bei vielen anderen Keyboards. Sehr schön!

Voices und Styles
Das PSR-650 beinhaltet 357 Klänge (Voices), unter denen auch 9 MegaVoices, 12 Sweet!Voices, 22 Cool!Voices und 18 Live!Voices sind. Hinter diesen etwas albernen Etiketten verbergen sich besonders detailreich gesampelte Klänge, die eine noch realistischere Darbietung ermöglichen sollen. Hinzu kommen 28 Drum- und SFX-Kits sowie Hunderte weitere Voices der XG-, GM2- und GS-Standards. Die Dual- und Split-Funktionen ermöglichen es, bis zu drei Voices gleichzeitig zu spielen: Sind beide aktiviert, erklingen zwei Klänge in der rechten Hand und einer im linken Tastaturbereich. Das funktioniert auch in Verbindung mit der Begleitautomatik, sodass es zum Beispiel auch möglich ist, in der linken Hand zum Style noch ein paar Streicher zu drücken. Verfeinern lassen sich die Voices mit der umfangreichen Effektsektion, die neben einem Hall mit 35 Typen und einem Chorus mit 44 Typen auch eine DSP-Einheit mit 237 verfügbaren Effekten umfasst. Weitere Eingriffsmöglichkeiten in die Klangerzeugung selbst gibt es leider nicht.

Stichwort Begleitautomatik: Ab Werk befinden sich 181 Styles im Speicher, die einen weiten Bereich von Pop/Rock über Jazz, Latin und Dance bis hin zu Country, Standardtänzen und exotischen Rhythmen abdecken. Die Styles verfügen über vier Variationen mit unterschiedlicher Intensität und je drei Intros und Endings. Damit sind sie wesentlich umfangreicher ausgestattet als die Rhythmen der Einsteiger-Keyboards. Eine Auto-Fill-Funktion, die über einen eigenen Taster schnell an- und abgeschaltet werden kann, sorgt dafür, dass beim Wechsel der Variationen automatisch ein Fill-In eingefügt wird. Auch die Begleitspuren selbst lassen sich mit einem Druck auf den ACMP-Taster “on the fly” an- und abschalten, sodass es zum Beispiel auch möglich ist, während eines Breaks nur die Drums weiterlaufen zu lassen. Aber auch einzelne Bestandteile der Begleitung (z.B. der Bass) können mit den Part-Tastern auf Wunsch deaktiviert werden. Eine Mixer-Seite im Display ermöglicht es, die verschiedenen Begleitspuren in der Lautstärke anzupassen. Auf diese Weise geänderte Styles können auch als User-Style gespeichert werden. Für pianistische Darbietungen bietet die Begleitautomatik auch einen “Full Keyboard”-Modus, in dem die gesamte Tastatur zur Steuerung der Begleitung herangezogen wird.

Eine automatische Harmonisierungsfunktion kann der Melodiestimme automatisch und in Abhängigkeit vom Begleitakkord eine oder mehrere weitere Stimmen hinzufügen. Vom einfachen Duett bis hin zum komplexen Bigband-Voicing ist fast alles machbar. Darüberhinaus kann die Harmonisierung auch zur Erzeugung von Trillern und dergleichen genutzt werden, was eine lebhafte Performance ermöglicht.

Songs und Recorder
Ab Werk beinhaltet das PSR-S650 lediglich neun Songs, die verschiedene Funktionen des Keyboards demonstrieren. Da wir es hier aber mit einem Keyboard mit Entertainer-Ambitionen zu tun haben, ist es selbstverständlich möglich, Songs von einem USB-Speichermedium abzuspielen oder via USB von einem Computer zu laden. Und damit nicht genug: Das PSR-S650 kann sogar Noten und Texte im Display anzeigen, sodass Karaoke-Sessions nichts im Wege steht.

Der Recorder ermöglicht es, bis zu fünf User-Songs im internen Speicher des Keyboards aufzuzeichnen. Von hier können User-Songs auch auf einen USB-Stick kopiert und dort archiviert werden.

Voice & Style Expansion
Yamaha bietet für das PSR-S650 zur Zeit fünf verschiedene sogenannte “Voice & Style Expansion”-Pakete an, die man auf der Website erwerben, herunterladen und in das Flash-ROM des Keyboards kopieren kann. Allerdings kann immer nur eines dieser Pakete zur Zeit im Keyboard installiert sein. Sie beinhalten zusätzliche Klänge und Styles aus verschiedenen Stilrichtungen, z.B. Oriental, Balkan oder Latin. Nach dem Laden in das Flash-ROM lassen sich die Erweiterungen wie normale Klänge und Styles spielen und bleiben im Speicher des Keyboards erhalten. Damit lässt sich das PSR-S650 an die persönlichen Bedürfnisse des Benutzers anpassen – benötigt man zum Beispiel mehr orientalische und arabische Styles, weil man viel in diesen Stilistiken unterwegs ist, kann man das Keyboard einfach mit der entsprechenden Expansion “befüttern”. Yamaha hat angekündigt, in Zukunft noch weitere Pakete anzubieten.

Verwandte Artikel
Yamaha PSR-A2000 Test

Yamaha PSR-A2000

Glaubt man der Beschreibung, dann ist dem PSR-A2000 keine noch so exotische Ecke der Weltmusik fremd. Zudem ist das Yamaha Keyboard ein kleiner Bruder des Spitzenmodells Tyros 4.

User Kommentare

Michael Brehmer schrieb:08:27 | 08.04.2013

Ein informativer und ausführlicher Testbericht. Da ich selbst seit einem Jahr dieses Gerät besitze, möchte ich noch einige Anregungungen für interessierte Leser ergänzen.
Was den Klang der Lautsprecher anbetrifft so kann mich dieser nicht überzeugen, zumal die Stimmen erst durch externe Monitorboxen zur Geltung kommt. Das Midiproblem habe ich mit einer externen Midibox gelöst die mit einem Synthesizer MX49 von Yamaha gekoppelt ist. Somit können auch die fehlenden Synthiestimmen ergänzt werden. Diese Kombination von Synthesizer und Keyboard mit den dadurch notwendigen aktiven Monitor Lautsprechern machen das Gerät zu einer vollwertigen 2 manualigen Heimorgel mit vielen kreativen Möglichkeiten.
Zudem können neben den von Yamaha angebotenen Expansions Packs über das Internet erhältliche preiswerte und hochwertige Styles per USB ergänzt werden. "

Felix schrieb:08:42 | 11.06.2013

Vielen Dank für den ausführlichen Testbericht. Das Internet ist toll - auch dank Ihnen!

Felix Kuhn"

Thomas schrieb:18:45 | 07.03.2014

Ich muss meinem Vorredner recht geben. Als besitzer vom Keyboard kommen die klanglichen Eigenschaften erst durch den EInsatz von anderen Lautsprechern zur Geltung. Ich betreibe das Keyboard an einem 5.1 Lautsprechersystem (mit Sub + 2 Satelliten) einer Berliner Lautsprecherfirma. Der Sound ist einfach gigantisch.

Mfg"