Yamaha Oak Custom Snare
Holz-Snare
Trömmelchen wechsel dich
Was kann eine Yamaha Oak Custom Snare eigentlich? Wer sich durch internationale Sound- und Trommelforen wühlt, um auf diese Frage eine Antwort zu bekommen, den erwarten sehr viele und sehr unterschiedliche Meinungen. Der eine spielt diese Snare schon seit Jahren begeistert in einer Blues-Jazz-Band, der nächste ist Metaller und sich sicher, dass diese Snare nur hart und laut kann. Wer hat also Recht?
In einer Welt voller Schubladen haben Firmen in der Regel einen schweren Stand, die nicht klar sagen können, was ihre Produkte können und für welche Anwender sie konzipiert wurden. Vermutlich aus diesem Grund wagt auch Yamaha einen Versuch, die Oak-Custom Snare zu Kategorisieren: „Yamaha Oak Custom – The loudest drums, that you will ever play“. Ich hau’ grad’ mal drauf und versuche, mir gleichzeitig die Ohren zuzuhalten.
DETAILS
Bevor ich auf das zarte Trömmelchen einschlage, frage ich mich, was an dieser Trommel eigentlich laut sein soll. Das Design ist schonmal brav und ganz und gar leise: Zu Amber-Sunburst kann ich mir eher ein gemütliches Glas Rotwein und chillige Gitarrenmusik vorstellen als die beschworene maximale Lautstärke. Immerhin finden sich unter den restlichen sechs erhältlichen Finishes auch solche die Sparkeln, aber der Look des Test-Exemplars ist total zahm. Auffällig ist lediglich die Anzahl der Stimmböckchen, so sorgen satte 10 Schrauben auf jeder Seite für feine Stimmbarkeit. Ein weiteres mittelmäßig herausstechendes Merkmal ist, dass die Böckchen nur mit jeweils einer Schraube am Kessel befestigt sind und auch der Strainer sich durch eine nur minimale Kesselberührung auszeichnet. Das alles soll bewirken, dass der Kessel frei vibriert und einen langes Sustain erzeugt. Damit der sechslagige Eichenholz-Korpus überhaupt schwingt, haben sich die Jungs von Yamaha eine eigene Verarbeitungstechnik einfallen lassen, das sogenannte Air-Seal-System.
Das besondere an diesem Verfahren ist, dass die Holzlagen ohne Lufteinschlüsse miteinander verklebt werden, mit dem Ergebnis, dass der Kessel als kompakter Klangkörper funktioniert. Das ist eine beachtenswerte Verfahrenstechnik, zumal Eiche als ein nur schwer zu bearbeitendes Holz gilt. Alles andere an dieser Trommel ist relativ gewöhnlich: Die beiden äußeren Lagen bilden die Fellauflagekante, die nach innen in einem 45-Grad-Winkel abgeschrägt ist. Der Strainer ist von der Gattung „Ideal Standard“ – da gibt’s nix zu meckern.
Der Snareteppich mit seinen 20 Stahlspiralen wird von einer Butt-End-Konstruktion gehalten, deren simples Konzept seit bereits knapp 100 Jahren Bestand hat. Das Ambassador-Coated-Schlagfell und das Hazy-Rezo-Fell stammen dankenswerterweise von der Firma Remo aus den U.S.A. Auf den Kessel gepresst werden diese durch zwei dreifach geflanschte Stahlspannreifen.
PRAXIS
Viele professionelle Musiker legen ihren musikalischen Wirkungsbereich sehr breit an, so kann es vorkommen, dass ein Trommler von einer Probe mit seiner Hardrock-Combo direkt ins Studio fährt um für eine Jazzband Demo-Tracks aufzunehmen. Das einzige, was er dafür ändern muss, ist sein Outfit, seine Yamaha-Oak-Snare kann er für beides benutzen. Wer dem Trommler und der Snare mit der Frage nach dem Warum kommt, der erhält die Antwort: „Weil wir beide es können“. Jetzt könnte man sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass hier auf Authentizität verzichtet wird, aber genau an dieser Stelle hört Spezialisierung auf, sinnvoll zu sein. Individualität geht durch einen Allrounder wie der Yamaha Oak Custom Snare genauso schnell verloren, wie einem die Muskeln schrumpfen wenn man vergisst, seinen Spinat zu essen – nämlich gar nicht. Um noch etwas direkter auf die Fragestellungen aus dem Intro und dem Details-Teil einzugehen: Die Oak-Custom-Snare ist nicht die lauteste Snare auf dem Markt, sie ist weder ausschließlich für Metaldrummer geeignet, noch findet sie ihren größten Absatzmarkt im Jazz-Bereich. Das Geheimnis ist, dass diese Trommel einfach alles kann, wenn man sie denn richtig zu bedienen versteht.
Wer also mit kräftigen Schlägen Wut an diesem Instrument ablassen will, der bekommt von seiner Trommel als Dank eine gepfefferte Soundpeitsche um die Ohren geknallt. Das harte Eichenholz zeigt sich in so einem Fall unnachgiebig und spielt seine Stärken in den hohen und mittigen Frequenzbereichen aus. Die Teppichansprache ist durchweg top, was die Trommel dann auch für eine zarte Handhabung empfehlenswert macht.
Auch wer fein nuanciert jazzen möchte, dem steht mit der Oak-Custom-Snare eine Partnerin zur Seite, die besonders dynamisch und mit einem breiten Klangspektrum in jedes musikalische Geschehen passt. Ganz besonders hervorstechend ist das lange Sustain, welches als angenehmer Ton die Klangbasis der Trommel bildet. Dieser ist immer gut hörbar, sowohl bei bereits beschriebenen harten Gangarten als auch bei leisen Ghost-Notes. Das nimmt der Snare jegliche Zweidimensionalität und mischt sich in jeder Dynamikstufe angenehm mit dem holzigen Charakter der Eiche. Darum bedeutet laut nicht gleich unangenehm und leise nicht gleich flach - voluminös klingt dieses kleine Eichenfass auf jeden Fall. Wir haben es hier also mit einer waschechten Alleskönnerin zu tun, was aber nicht bedeuten soll, dass dies nur mit einem unscharfen Klangprofil möglich wäre. Der Sound von Eiche-Trommeln ist durchaus speziell und lässt sich in seinem ganzen Ausmaß nur bei einer Bandprobe erfahren. Darum empfehle ich, die 30-Tage-Geld-zurück-Option der großen Instrumentenhändler auszunutzen und das Ding mal auf Herz und Nieren zu checken, denn auch wenn diese Snare alles kann, ist sie trotzdem nichts für jedermann.
Zur Hardware gibt es nicht viel zu berichten, außer dass Yamaha den Kessel gewohnt pragmatisch bestückt hat. Alles arbeitet gut und zuverlässig und wird lange halten. Im Sinne der vielseitigen Einsetzbarkeit tut Yamaha gut daran, gewöhnliche Stahlspannreifen zu verbauen, denn Gußspannreifen hätten den durchsetzungskräftigen Charakter der Snare zugunsten hartgängiger Einsatzbereiche verschoben.
FAZIT
Für Schlagzeuger, die ihre vielschichtigen musikalischen Engagements mit möglichst wenig Equipment bestreiten wollen, haben ich immer eine Empfehlung parat: Kauft euch Drums, die sehr laut werden können und einen langen Sustain haben. Denn wem der laute und lange Ton in einem bestimmten Songkontext nicht gefällt, der kann diesen mit Gaffa oder Moongel schnell wegbekommen. So etwas kann man auch mit der Yamaha-Oak-Custom sehr gut machen. Andersherum ließe sich eine prinzipiell leise und trockene Snare (beispielsweise eine Vintage-Trommel) nicht in eine laute Snare mit viel Sustain verwandeln. Alles verstanden? Um auf den Titel zurückzukommen: Wer die richtige Felle – und die Snare wird dankenswerterweise richtig befellt von Yamaha ausgeliefert – benutzt, ein wenig Ahnung von Tuning hat und darüber hinaus über eine ausreichende Technik verfügt, der ist mit der Yamaha Oak-Custom-Snare gut beraten, denn diese genügt auf jeden Fall auch professionellen Ansprüchen.
- Pro
- langes Sustain
- universell einsetzbar
- kann sehr laut und sehr leise
- Contra
- wenige Finishes im Angebot
Audiobeispiele
Pro + Contra
- Pro
- langes Sustain
- universell einsetzbar
- kann sehr laut und sehr leise
- Contra
- wenige Finishes im Angebot
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Sönke Reich hat Popdrumming in Mannheim studiert. Als Live- und Studiodrummer war/ist er unter anderem für die Boogie Pimps, Gunther Gabriel, Allee der Kosmonauten, The Life Between und das Nationaltheater Mannheim aktiv. Als Studio-Drumtech arbeitete er u.a. für Revolverheld. 


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