Gitarre Hersteller_Vox
Test
1
Test

Vox Valvetronix VT20X Test

Modeling-Combo für E-Gitarre

Modeling-Multitalent

Mit dem VT20X, einem neuen Combo-Amp für E-Gitarre, verstärkt Vox seine erfolgreiche Valvetronix-Serie. Im Vergleich zum bewährten VT20+ kann der Amp im typisch-klassischen Vox-Design mit einigen neuen Features aufwarten, und das betrifft unter anderem auch die Modeling Engine. Die Serie, die bereits 2001 ins Leben gerufen wurde, galt immer als innovativ und konnte im Laufe der Jahre diverse Duftmarken im Bereich Modeling setzen.

Der VT20X Combo, der heute zum Test ansteht, vereint als neuester Vertreter der Gattung laut Hersteller die wichtigsten Errungenschaften dieser jahrzehntelangen Entwicklung in sich - ein Grund mehr für einen eingehenden Test.

Details

Optik/Verarbeitung

Mit 410 x 225 x 347 mm und 7,3 Kilo passt der Vox Valvetronix VT20X gewichtsmäßig in die Kategorie "handlich" und zeigt sich optisch als klassischer Vox-Amp, wozu die charakteristische Frontbespannung ihren Teil beiträgt. Die Verarbeitung des in Vietnam gefertigten Combos ist solide, die Tolex-Bespannung bietet keinerlei Anlass zum Kritteln, und auch insgesamt macht der Verstärker einen guten Eindruck. Im Inneren des 20-Watt-Amps sorgt ein 8" Lautsprecher für die Schallwandlung, das nächstgrößere Modell, der VT40x, wartet mit 40 Watt und einem 10" Lautsprecher auf. Beide Modelle sind ansonsten identisch aufgebaut, wobei die geschlossenen Gehäuse ein Bassreflexsystem ihr eigen nennen. Bis auf den Netzteilanschluss gibt es rückseitig keine weiteren Buchsen oder Klemmen, der passende Stromspender liegt bei.

Schauen wir uns das Bedienfeld auf der Oberseite einmal etwas genauer an, denn hier gibt es eine ganze Menge zu drehen und zu schalten. Los geht es direkt hinter der Eingangsbuchse mit dem Amp Models-Regler, der 11 verschiedene Verstärkermodelle bereitstellt.

Zur Auswahl stehen:

1 DELUXE CL

Hier wird der"Vibrato"-Kanal eines 22W Blackface aus den 1960ern emuliert, der 6V6 Leistungsröhren verwendete.

2 TWEED 4x10

Dieses Modell beruht auf einem 1959er 4x10"-Combo

3 VOX AC30

Der Normalkanal eines AC30 wird hier simuliert, der mit einem Blue Bulldog Speaker ausgestattet ist.

4 BOUTIQUE OD (BTQ OD)

Die Simulation des Overdrive-Kanals eines Overdrive Special, der nur auf Bestellung produziert wurde.

5 VOX AC30TB

Dieses Modell beruht auf einem AC30 mit "Top Boost"-Schaltung, die ab 1964 serienmäßig eingebaut wurde.

6 BRIT 800

Hierbei handelt es sich um eine 1983 erschienenen, einkanaligen 100W-Tops mit MASTER VOLUME-Regler.

7 BRIT OR MKII

Dieses Modell beruht auf einem typisch britischen zweikanaligen 100W-Head mit röhrenbetriebenem Federhall.

8 DOUBLE REC

Hier wird der High-Gain-Kanal eines modernen Amps emuliert, der laut Bedienungsanleitung sehr gut mit tiefergestimmten Gitarren harmonieren soll.

9 USER A [BOUTIQUE CL]

Der Clean-Kanal eines Overdrive Special.

10 USER B [BRIT 1959]

Dieses Modell beruht auf dem "High Treble"-Kanal eines handverlöteten Verstärkertops, der in den frühen 1960ern in England gebaut wurde.

11 USER C [BOUTIQUE METAL]

Und last, but not least ein Modell aus deutschen Landen, das mit vier Kanälen ausgestattet ist, wobei Vox den Heavy-Kanal modelliert hat.

Alle Amps lassen sich mit Gain, Treble, Middle und Bass an den persönlichen Geschmack anpassen, der Volume-Regler stellt die Lautstärke des Preamp-Pegels ein. Je weiter dieses Poti aufgedreht wird, desto größer wird der Verzerrungsgrad der Endstufe. Das Power Level-Poti schließlich bestimmt die Gesamtlautstärke.

Der VT20X ist in der Vorstufe mit einem mehrstufigen Röhrenschaltkreis und einer 12AX7 Vorstufenröhre ausgestattet. Durch den Algorithmus werden, wie der Hersteller beschreibt, die teils komplexen Schaltungen der modellierten Amps naturgetreu als Rechenmodell nachgebildet, bis hin zur Klangregelung und den Wechselwirkungen der einzelnen Einstellungen. Der Taster Bias Shift rechts bei den Lüftungsschlitzen bestimmt den Ruhestrom der Röhre, während Class die Arbeitsweise der Endstufe anzeigt. Grundsätzlich bringt jedes Amp-Modell seine typischen Einstellungen in diesen beiden Sektionen mit. Falls der Bias-Shift-Taster nicht leuchtet, handelt es sich um den Standard-Ruhestrom, die Einstellung Cold senkt ihn ab, was laut Vox den Ton deutlicher macht und ihm mehr Sustain verleiht, die Einstellung Hot hebt ihn an, sodass der verzerrte Sound mehr Dynamik erhalten soll. Auch die vorhandenen Amp-Modelle kommen wie ihre originalen Vorbilder mit Class A oder Class AB Endstufen. Bei einigen ist ein Umschalten möglich, was sich allerdings nicht auf den Kopfhörerausgang auswirkt.

Der Combo verfügt aber auch über eine stattliche Anzahl an klassischen Effekten, die auf die Taster mit den Bezeichnungen Pedal 1, Pedal 2 und Reverb verteilt sind. Pedal 1 bedient Kompressor, Chorus, Overdrive und Distortion, Pedal 2 Flanger, Phaser, Tremolo und Delay. In der Reverb-Sektion stehen Room, Spring, Hall und Plate bereit. Das Delay lässt sich in seinen Wiederholungen per TAP-Taster anpassen, der anschließend im gewünschten Tempo aufleuchtet. Wird dieser Taster länger als eine Sekunde gehalten, wird die Stimmfunktion aktiviert und alle Effekte auf Bypass gestellt. Bleiben noch die beiden mit Value 1 und Value 2 betitelten Potis, denen je nach Effekt unterschiedliche Parameter zugewiesen werden. So ist Value 1 beim Chorus beispielsweise für Speed, also die Modulationsgeschwindigkeit zuständig, während Value 2 die Modulationstiefe bedient. Beim Distortion bearbeiten die beiden Gain und Tone. Value 1 regelt außerdem das Noise Gate, das sich individuell für jedes Programm einstellen lässt. Bleiben noch Aux In und Kopfhörerbuchse, beide in 3,5 mm Klinkenausführung, die für den Anschluss eines Audiogerätes bzw. eines Kopfhörers oder Line-Out-Stereokabels vorgesehen sind.

Der VT20X bietet die Möglichkeit, sämtliche Parameter bis auf die Gesamtlautstärke abzuspeichern. Dazu stehen zwei Bänke mit jeweils vier Speicher (Kanäle) bereit, die sich auf dem Bedienfeld über die Tasten Bank und CH1 bis CH4 abrufen lassen. Vox bietet dazu aber auch einen passenden Fußschalter, der gesondert erworben werden kann und Anschluss neben dem Bank-Taster findet. Kontakt mit dem Rechner gewährt die USB-Buchse unterhalb der Speichertasten. So weit die grundlegenden Bedienelemente des Combos.

Der VT20X lässt sich in drei Modi betreiben:

1) Preset-Programm-Modus:

Hier werden mit dem Amp-Models-Regler Preset-Programme aufgerufen. Beim Aufrufen eines anderen Amp-Modells werden diverse Einstellungen wie Gain, Treble, Middle, Bass, Volume und Effekte automatisch umgeschaltet.

2) Manual-Modus:

In diesem Modus verhält sich der VT20X wie ein konventioneller Gitarrenverstärker, wobei sich die Stellungen aller Regler und Wahlschalter unmittelbar auf den Klang auswirken.

3) User-Programm-Modus:

Dabei können die in den Kanälen und Bänken gespeicherten Programme aufgerufen werden.

VOX Tone Room

Die bereits erwähnte Mini-USB-Buchse dient dem Anschluss an einen Computer, mit dem das Verwalten und Bearbeiten der virtuellen Amps und Effekte mithilfe der Editor/Librarian-Software möglich wird. Letztere steht auf der Vox-Website zum Download bereit. Über den Apple USB-Kamera-Adapter kann der VT20X auch an ein iPad oder iPhone angeschlossen werden. Android oder Nutzer anderer Betriebssysteme schauen zumindest zum Zeitpunkt des Tests leider noch in die Röhre. Neben dem Vorteil einer intuitiven und logisch aufgebauten Bedienung erweitert der Anschluss an den Rechner auch den Amp- und Effekt-Umfang um diverse Modelle, wobei man bei diesen gegenüber der Bedienung am Gerät auch erheblich tiefer in die Details eintauchen kann. Sämtliche Verstärker und Pedale wurden übrigens grafisch dem jeweiligen Vorbild nachempfunden, wie man auf dem Bild sieht.

Neben einer Reihe von zusätzlichen Amps kann sich auch die Erweiterung der Effektsektion blicken lassen, denn dort sind in der Tat eine ganze Menge neuer Tonverschöner und -verbieger zu finden. Darunter sind solche Namen wie Gold Drive, Orange Distortion, RC Turbo Booster, Fat Dist, British Lead Overdrive, ORG Phaser, Tremolo, Tape Echo, Analog Delay und viele mehr.

Verwandte Inhalte

Music Man 212 HD130 Test

Mit italienischer Hilfe wiederbelebt, versucht nach über 30 Jahren eine neue Generation Music Man Amps wieder Fuß zu fassen. Auch der Music Man 212 HD 130 Combo darf hoffen.

Vox AC30 VR

Auch wenn „Großvater AC30“ nach wie vor rockt und offensichtlich kein Alter kennt, kann es durchaus Spaß machen, sich auch mal mit seinen Enkeln zu befassen.

Hotone Nano Legacy Purple Wind Test

Mit der Nano Legacy Serie wagt sich der chinesische Hersteller an die Reproduktion von Gitarrenverstärker-Legenden im Miniaturformat. Das Purple Wind Topteil widmet sich dem Marshall Plexi Super Lead.

Marshall Code25 Test

Der Marshall Code25 ist ein kleiner Gitarrencombo, der laut Hersteller jede Menge authentischer Marshall-Sounds auf Lager hat, die ihm die Modelling-Spezialisten von Softube eingepflanzt haben. Marshalls next Topmodell?

User Kommentare