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Testmarathon Kopfhörer fürs Studio

Vergleichstest Studiokopfhörer von EUR 19,90 bis EUR 900,-

Offene und geschlossene Modelle

Die schmalen Budgets der Neuzeit korrumpieren Akustikmaßnahmen in den Studios erheblich und geben Kopfhörern damit als alternatives Abhörwerkzeug einen so hohen Stellenwert wie nie zuvor. Der Studiokopfhörer ist also nicht nur mehr Monitoring-Werkzeug für den Künstler in der Aufnahmekabine, sondern vor allem auch immer mehr DIE Referenz für Produzenten und Engineers! Und das heutzutage immer mehr in den eigenen vier Wänden gearbeitet wird als in kommerziellen Studios, ist auch kein Geheimnis, weshalb man allein aus Rücksicht auf Nachbar und Lebenspartner meist auf die dicken Abhör-Monitore verzichten muss.

Es gibt viele Gründe, Kopfhörer im Studio zu benutzen. Und es gibt mindestens genauso viele Kopfhörer-Varianten. Und wenn man sich für einen entscheiden soll, dann hat man - aus der eindimensionalen Ferne des Internets betrachtet - nur noch mehr Fragen im Kopf. Wir natürlich auch! Deshalb haben wir uns einfach mal die wichtigsten Vertreter und deren verschiedene Variationen kommen lassen und aufgesetzt! Schließlich geht es um die eine, aber alles entscheidende Frage:

Welcher ist der beste Kopfhörer für das Studio?

Obwohl die Frage recht einfach ist, ist es die Antwort nicht unbedingt. Doch zunächst sollte man einmal klären, was einen guten Kopfhörer ausmacht – und was vor allem nicht!

Details

Offene oder geschlossene Kopfhörer?

Es gibt zunächst einmal drei grundlegende Arten von Kopfhörern: Geschlossene, halboffene und offene Kopfhörer. Das beschreibt die Kapselung der Ohrmuscheln zum Kopf. Bei offenen Kopfhörern nimmt man die Umwelt noch einigermaßen ungehindert wahr, bei geschlossen dagegen wird man von seiner Umgebung „abgekapselt“, es kommt also kaum Schall von außen bei euren Ohren an. Halboffen nennt man wiederum Kopfhörer, die sich zwischen beiden Extremen bewegen.

Die Faustregel lautet bekanntermaßen: Offene Kopfhörer klingen „offener“, sprich transparenter und räumlicher, weil sie den Schalldruck nicht am Ohr „gefangen halten“, sondern nach außen hin „weg“ transportieren. Der Nachteil ist aber auch genau das, sodass sich diese Art von Kopfhörern nicht unbedingt in der Nähe von empfindlichen Mics befinden sollten, da sie ein Übersprechen geradezu provozieren: So kann man sich Vocal-Aufnahmen schnell ruinieren - und im schlimmsten Fall sogar die Ohren, falls es zu einer „fies fiependen“ Rückkopplung kommt. Beim Mix und Mastering - sowie in der Regie im Allgemeinen - sollte das allerdings niemanden wirklich interessieren oder gar stören. Und wie wir in unserem Testmarathon sehen werden, klingen offene Kopfhörer auch nicht zwangsläufig „besser“.

Darüber hinaus unterscheidet man noch „Ohr-umschließende“ und „Ohr-aufliegende“ Kopfhörer. Bei ersteren sitzt der Schaumstoff auf dem Schädel und umschließt die Ohren, bei letzteren liegen die Seitenteile direkt auf den Ohren auf, sind dadurch aber auch meist etwas kleiner. Sicherlich, es gibt auch noch In-Ear Kopfhörer, die bekannten „Ohrstecker“, oder Ohrhörer, doch diese sollen uns hier nicht weiter interessieren und befinden sich deshalb nicht in unserer Testauswahl.

Neben dynamischen Kopfhörern - bei denen die Membran über Spulen in meist festen Magnetfeldern bewegt wird - gibt es übrigens auch noch Elektrostaten, bei denen die Membran Teil eines Kondensators ist. Membranbewegungen werden so durch elektrostatische Anziehungskräfte - und nicht mit der Lorentzkraft - vollzogen. Sie sind allerdings recht hochpreisig, eher seltener anzutreffen und auch nicht Teil dieses Tests.

Der richtige Kopfhörer für HiFi, DJ oder Studio

Neben ausgewiesenen Studio-Kopfhörern haben wir auch einige Modelle aus dem HiFi- und DJ-Bereich in unsere kleine Feldstudie eingegliedert, da anderweitige Primär-Anwendungen einen Studio-Einsatz ja nicht zwingend ausschließen sollten. Oder etwa doch?

Praktische, extrem platzsparende Falt-Mechanismen, wie sie beispielsweise der tolle DJ/Studio Kopfhörer AKG Tiesto 267 zu bieten hat, sind auf jeden Fall kein Nachteil, soviel steht schon mal fest. Und bequem darf natürlich jede Art von Kopfhörer sein, auch das ist klar. Die Bewertung der Kopfhörer richtet sich in diesem Testmarathon dennoch vorrangig nach deren „neutraler“ Klangqualität, und zwar mit einem besonderen Augen- oder besser gesagt Ohrenmerk auf den Einsatz in Mix- und Mastering-Situationen – egal, ob nun FOH oder im Home- oder Pro-Studio.

Im Klartext: Am besten sollte der Kopfhörer nichts hinzufügen, was nicht da ist und wiederum auch keine Informationen weglassen, die vorhanden sein müssten. Ehrlichkeit ist gefragt und gesucht, der Spaß darf dabei aber auch nicht zu kurz kommen, insofern suchten wir eher die „Eier-legende-Wollmilchsau“ als den meist „linearisierten“ Kopfhörer.

Impedanz, Schalldruck und Welligkeit

In Bezug auf einige Modelle erscheint die Liebe zu Zahlen sehr abstrakt, dennoch sind wir zu interessanten Erkenntnissen gelangt. Insofern sollte man sich nicht unbedingt auf die technischen Kennzahlen verlassen, welche Hersteller mal mehr, mal weniger detailliert preisgeben. Hier herrscht eindeutig babylonischer Sprach-Wirrwarr!

Viele Daten sind aufgrund z.T. widersprüchlicher Quellen und unterschiedlicher Bezugswerte in den meisten Fällen – vor allem Hersteller-übergreifend – absolut nicht vergleichbar. Beispielsweise sind Angaben über den Übertragungsbereich ohne Definition der Eckpunkte praktisch nutzlos, weil keine verlässlichen Angaben bezüglich der Linearität getroffen werden können. Kaufinteressenten sollten deshalb mehr den in unserem Test beschriebenen Attributen der Kopfhörer Beachtung schenken, als in einer Excel-Liste Tech-Werte und Zubehör-Bestandteile zu vergleichen. Im Idealfall sollte der anvisierte Kopfhörer unter erforderlichen Bedingungen auf jeden Fall auch einmal selbst - vor dem Kauf - ausprobiert werden.

Impedanz und Kennschalldruck stehen weiterhin in Beziehung zueinander und beschreiben in etwa, wie „laut“ ein Kopfhörer an einem Verstärker agiert. Insofern hat der Wirkungsgrad der Kopfhörer einen direkten Einfluss auf die Generation „Mobiles Audio“, deren Akku-betriebenen Gerätschaften nun nicht unbedingt über „Power ohne Ende“ verfügen, weswegen wir für maximalen Klanggenuss hochwertige und kräftige Vorverstärker im Studio oder am Set einfach mal voraussetzten. Somit war auch kein Kopfhörer der hier getesteten Modelle "zu leise". Bevor Kopfhörer oder Verstärker an Überlast kaputt gehen, tun es eure Ohren aber auf jeden Fall!

Wie viel muss ich ausgeben? Preisgestaltung des Testumfeldes

Aus oben genannten Gründen haben wir also eine recht bunte Mischung an Kopfhörern am Start, denen wir in Bezug auf deren Tauglichkeit unter gegeben Bedingungen mal näher auf die Membran fühlen wollen, wobei das Testumfeld preislich stark variiert. Das wird einigen, die gern engere Preisgrenzen gesehen hätten sicherlich nicht so gefallen, dennoch wollten wir vor allem wissen, ob der „doppelt so teure“ Kopfhörer nun auch „doppelt so gut klingt“ oder eben nur „doppelt so gut“ aussieht bzw. sich anfühlt, was ja zweifelsohne mit dem Kaufpreis verbunden scheint.

Wir erahnen auch folgenden Kommentar: „Warum habt Ihr nicht Kopfhörer XY getestet?“, weshalb wir bereits an dieser Stelle die Antwort liefern wollen: Der Studio-Kopfhörermarkt ist ein riesiges Marktsegment, sodass eine Fortsetzung des Vorhabens bestimmt bald folgt! Von daher teilt uns doch mit euren Kommentaren gerne mit, für welches Modell ihr euch noch besonders interessiert, und vor allem warum!

Drei Stühle und deine Meinung

Zu den Testergebnissen: Bei Kopfhörern können Meinungen schon mal schnell auseinandergehen. Der subjektiv empfundene Klang eines Kopfhörers wird ja auch maßgeblich von der Anatomie des Ohres beeinflusst - wobei der Grad dieser Beeinflussung je nach Modell und Richtwirkung des Schallwandlers auch noch mal ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Aus diesem Grund wurden ALLE Kopfhörer von JEDEM der beiden Haupttester Peter und Felix nach den grundlegend gleichen Prinzipien umfangreich und vor allem ohne Vorurteile auf Herz und Nieren geprüft. Dann wurde am Ende die Anzahl der zu testenden Kopfhörer brüderlich aufgeteilt, wobei jeder Testproband dann einen ausführlichen Testbericht zu verfassen hatte und der andere jeweils ein weiteres, zweites Fazit und eventuelle Kontroversen beisteuern durfte.

Schlussendlich haben wir dann noch die Probe auf das Exempel gemacht und Catharina um ihre ungefilterte Meinung als Sängerin gebeten, welche sich übrigens mit unseren Feststellungen überraschend deutlich deckte. Beeinflussung unsererseits gegenüber Catharina können wir dabei ausschließen, da wir ihr stumm und ohne Vorrede einen jeden der hier getesteten Kopfhörer überreicht haben und dabei sogar auf jegliche emotionale Regung verzichtet haben, sodass sie ihr Fazit nur aus ihrer Gesangs-Performance ableiten konnte. Nichtsdestotrotz: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Unsere Hit-Liste der besten Kopfhörer für das Studio! 

Einverständniserklärungen mit unseren Test-Ergebnissen dürfen übrigens gern in Form von „Likes“ getätigt werden. Gemäß der Standardnormalverteilung von Erwartungswerten dürften sich mit der Zeit und der zunehmenden, repräsentativen Menge an Likes die Ergebnisse übrigens auch nochmal Verallgemeinern lassen. Denn, mit den Worten des einfachen Mannes gesprochen: Ein Kopfhörer mit vielen Likes und Käufern, kann kein schlechter sein! Teilt uns natürlich auch gerne eure Erfahrungen in der Kommentarfunktion mit. Wir freuen uns immer über euer Feedback!

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