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Teil 3: Synthesizer im Eigenbau

Das Finale – wird es glorreich?

Was bisher geschah: Ich habe die bescheuerte Idee einen Synth anhand eines Bausatzes der amerikanischen Firma PAIA zusammenzulöten, obwohl ich nicht wirklich Ahnung von Elektronik habe. Aber Spaß bringt’s! Nach ungefähr einer Woche ist der Synth fertig, ich stecke das Netzteil ein und ... äh ... tja, es ist nicht so ganz wie es soll: Denn ein Synth sollte ja nicht von allein Geräusche von sich geben, wenn kein Triggersignal ankommt (zumindest war es nicht so geplant). Ich verbringe eine Stunde mit dem Abgleichen meiner Taten mit den Bauplänen und suche Infos im Netz – kann aber keinen Fehler finden. Also bringe ich den Synth zu Dr.-Synth-Thiele und bitte ihn, mein Werk zu begutachten...   

Video: In der Klinik

Nach einer qualvollen Woche Wartezeit (der Mann hat unverständlicher Weise auch noch andere Jobs zu erledigen), werde ich empfangen und Thorsten nimmt sich der Sache an: Große Freude – der Fehler ist nicht auf meiner Seite und zu beheben! Doch seht selbst: 

Er geht, er geht! 
Wieder zuhause kann ich den Synth endlich ausprobieren – er erinnert mich im Charakter an alte Roland Synths aus der SH-Serie, gekreuzt mit einer TB-303. Das eingebaute MIDI-Interface erlaubt eine sofortige Integration ins Setup. Der Fatman ist von den Features recht schlicht gehalten, hat keinen Noise Generator und keinen LFO für Modulationen. Das resonanzfähige Filter hat nur 12 dB (soundmäßig höre ich da eine Nähe zur TB-303). Aber er hat 2 Oszillatoren, die man schön gegeneinander verstimmen kann (sowohl Detunings als auch Intervalle bis hin zur Oktave sind hier möglich). Klingt schön analog, man fühlt sich hier an frühe Synths à la Korg 700s erinnert. Wobei der Paia längst nicht so böse „schiebt“, sondern eher seidig bis näselnd klingt. Sehr schön dabei das einstellbare Glide! Er klingt auch längst nicht so hart und schnell wie mein MS10 – er hat definitiv was eigenes (Die Synth-Sounds der Musik in den Videos sind übrigens alle mit dem Paia gemacht). Hier ein paar Einzelsounds: 

 Ganz witzig ist, dass Filter und VCA sowohl durch Envelope als auch durch Velocity moduliert werden können (im Falle des Filters auch durch Pitch): hierbei wirkt die Velocity direkt auf Filter oder VCA, und nicht wie bei üblichen Designs auf die Envelopes. Der Paia hat übrigens derer zwei: einen, einfachen mit Attack und Release für den Filter, einen zweiten voll ausgestatteten für den VCA (kann auch auf Filter wirken). Wenn man mit der Kiste rumspielt, kommt man sehr schnell in die Soundwelt der 70er – so Giorgio Moroder oder alte Zeichentrickserien kommen einem da als Assoziationen oder auch 80er Miami Vice Solo-Sounds. Mit Dopplungen mit leichten Verstimmungen kriegt man eine Menge hin – der Fatman hat Charakter:

Fazit 
Für mich hat sich das Experiment auf jeden Fall gelohnt – es hat sehr viel Spaß gebracht, den Synth zusammen zu löten. Die Dokumentation ist sehr gut gemacht, und Thorsten von ASC fand auch die technische Umsetzung sowie die Komponenten akzeptabel. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Erklärungen zum besseren technischen Verständnis gewünscht – denn so habe ich quasi nur einen Blindflug hingelegt, aber nicht wirklich mehr Theorie gelernt.

Zum Geld sparen eignet sich das Projekt sicher nicht: wer einen guten Analogsynth zu akzeptablen Preisen sucht, sollte sich eher das DSI Mopho Keyboard oder den Dark Energy von Döpfer zulegen – der DSI kostet unwesentlich mehr (wenn man das Werkzeug mitrechnet), klingt besser, kann erheblich mehr – und hat sogar ein Keyboard. Der Döpfer ist auch ein einfacher Synth, aber kostet weniger und hat mehr Druck. Aber natürlich bleibt das Abenteuer da aus. Ich hab mich schon mal umgeschaut: als nächstes werde ich mir ein paar Modifikationen zu diesem Synth ansehen, und damit mein Glück versuchen. Ich habe da ein paar interessante Seiten gefunden ... Oszillatorsync , ein 24dB Filter sowie ein LFO wären cool. Heieieiei ... da muss man sogar die Teile selbst zusammen suchen ... :-)

Aber für jetzt: Over and Out ...

User Kommentare

ResoFilter schrieb:17:56 | 02.01.2012

Da ist es ja, das Synthbaufinale. :-)

thomas schrieb:11:41 | 01.02.2012

echt toll gemacht die drei teile! ich hatte beim lesen und videoschaun schon so viel spass dabei,das ich das bestimmt auch mal machen werde.danke für die tolle anregung !!!lgth

MrPedersn schrieb:13:25 | 14.02.2012

Moin,ich hatte wirklich Spaß bei deiner SelbstbauSynthieDoku... echt gut geschrieben und dokumentiert das ganze... macht lust auf selber machendickes DANKEPedersn grüßt

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Autor

Ralf Schluenzen

Ralf Schluenzen arbeitet seit vielen Jahren im Musikinstrumentenmarkt - und hat eine fanatische Schwäche für alte anfällige Synthesizer.

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