Gitarre
Feature

Sound-Alike #12 - Rolling Stones

Die Rolling Stones sind eine der dienstältesten Bands des Universums. Gegründet wurden sie 1962 von Mick Jagger (Voc), Keith Richards (Git) und Brian Jones (Git) und vervollständigt durch Charlie Watts an den Drums und Bill Wyman am Bass. Der erste Auftritt in dieser Besetzung fand unter dem Namen „The Rolling Stones“ im Januar 1963 in Soho/England statt. „Rolling Stones“ stammt aus dem Text eines Blues-Songs von Muddy Waters, ’Mannish Boy’, einen entsprechenden Einfluss hatte der Blues auch auf die Musik der Stones.

 

Die erste LP kam 1964 heraus, dann ging es auf viele ausgedehnte Tourneen über den ganzen Erdball und sie erlangten Weltruhm als das rockige und böse Gegenstück zu den Beatles. Die Band war damals Skandal-pur, was die Musik und die Texte anbelangte. Aber auch auf der Bühne und vor allem dahinter ging es zur Sache und die Stones haben es richtig krachen lassen. Allerdings forderte dieses ausschweifende Leben auch seine Opfer. Brian Jones ertrank 1969 unter ungeklärten Umständen in seinem Swimmingpool. Er wurde von Mick Taylor, der vorher bei John Mayall´s Bluesbreakers spielte, ersetzt. Taylor verließ die Band 1974 und seitdem ist Ron Wood (ehemals Small Faces) an der zweiten Gitarre.

 

Einen weiteren Wechsel gab es 1993, als Bill Wyman die Band verließ. Seinen Posten übernahm Daryll Jones, der zwar auf allen Platten und Konzerten spielte, aber kein richtiges Stones Mitglied ist. Das offizielle Band Line-Up besteht heute aus Jagger, Richards, Watts und Wood. In dieser Besetzung plus einiger Gastmusiker sind die Herren in den Stadien dieser Welt unterwegs, und wenn sie nicht gestorben sind, dann werden sie auch noch die nächsten zwanzig Jahre so weitermachen.

 

Keith Richards hat auf die Frage, wer von ihnen - Wood oder Richards - der bessere Gitarrist sei, geantwortet: „Wir sind beide keine tollen Gitarristen, aber zusammen sind wir besser als alle anderen“. Dem Geheimnis dieses Sounds und Spielphänomens werden wir in diesem bonedo-Workshop auf den Grund gehen.

DIE AUFNAHMEN

Von den Rolling Stones gibt es mehr als dreißig Studio-Alben und unzählige Live-, Bootleg- und Best Of Platten. Hier ein Auszug davon:

Alben/CDs

1964     The Rolling Stones The Rolling Stones: England's Newest Hit Makers

1965     The Rolling Stones No. 2 

1965     Out of Our Heads

1966     Aftermath 

1967     Between the Buttons

1967     Their Satanic Majesties Request

1968     Beggars Banquet

1969     Let It Bleed

1970     Get Yer Ya-Ya’s Out (Live)

1971     Sticky Fingers

1972     Exile on Main Street

1973     Goats Head Soup

1974     It’s Only Rock ’n’ Roll

1975     Made in the Shade

1975     Metamorphosis

1976     Black and Blue

1977     Love You Live (Live)

1978     Some Girls

1980     Emotional Rescue

1981     Sucking in the Seventies

1981     Tattoo You

1983     Undercover

1984     Rewind

1986     Dirty Work

1989     Steel Wheels

1994     Voodoo Lounge

1995     Stripped (live)

1997     Bridges to Babylon 

2004     Live Licks (Live)

2005     A Bigger Bang

2008     Shine a Light (Live)

 

DVDs

1968     Sympathy for the Devil von Jean-Luc Godard (Dokumentation zur Aufnahme)

1970     Gimme Shelter (Konzertfilm des Altomont Free Concerts)

1995     Voodoo Lounge Live

1996     Rock and Roll Circus (Konzertfilm von 1968)

1998     Bridges To Babylon Tour '97-98 

2003     Four Flicks

2007     The Biggest Bang

2008     Shine a Light von Martin Scorsese (Konzert im Beacon Theater, New York)

Das Equipment

Die Herren Richards und Wood haben keine Finanzprobleme und stammen aus einer Zeit, in der man eine 54er Telecaster noch für relativ kleines Geld im Musikladen um die Ecke kaufen konnte. Daher ist der Gitarrenfuhrpark selbstverständlich vom Feinsten und hat alles, was vintagemäßig aufzubieten ist. Angeblich nehmen die Stones um die 80 Gitarren mit auf Tour, manche sehen nur den Backstagebereich, weil Keith sich eben gerne auf seiner ES-335 aus den Sechzigern warmspielt. Es sei dem König gegönnt …

 

 

Auf der Bühne kommt bei ihm aber primär die Telecaster zum Einsatz. Dieses Instrument hört auf den Namen `Micawber` und ist Keiths Hauptgitarre. Bei dieser ist die E-Saite demontiert, weil er sie bei vielen Songs einfach nicht benötigt. Und bevor er sich mit dem Abdämpfen dieser Saite herumplagen muss, wird sie einfach weggelassen. Konsequent! Die restlichen Saiten sind in der Open G-Stimmung (GDGBD), damit er sich nicht auch noch mit komplizierten Griffen herumschlagen muss. Aber so kann er auch die Stones-typischen Akkorde und Riffs greifen, die mit Standard-Tuning einfach nicht klingen oder erst gar nicht zu realisieren sind. Ron Woods Hauptgitarre ist eine 55er Sunburst Strat, die ganz normal gestimmt und gespielt wird. Auch ESP- und Zemaitis-Gitarren sind bei ihm am Start. Der typische Stones-Sound entsteht durch die Kombination von unterschiedlichen Gitarren und zum Teil verschiedenen Tunings, der Rest kommt mal wieder aus den Fingern.

 

 

Zur Verstärkung stehen Fender Twins, Vox AC30 und Fender Bassman Amps auf der Bühne, deren Signal zugunsten von mehr Druck zusätzlich über 4 x 12 Boxen von Mesa Boogie geschickt wird. Effekte sind kaum im Einsatz, mal ein Wah Wah Pedal oder auch ein Phaser, aber absolut sparsam eingesetzt. Hier eine Auflistung des Equipments, das in der letzten Zeit zum Einsatz kam. Selbstverständlich ist die Liste nur ein Auszug.

 

KEITH RICHARDS

 

Gitarren:

52er Fender Telecaster „Micawber“ (Butterscotch Blonde)50er Fender Telecaster (Natural Finish)58er Fender Stratocaster72er Fender Telecaster DeluxeGibson ES-335Gibson Les Paul Custom (häufig in den 60er und 70ern eingesetzt)Gibson Les Paul JuniorGibson und Martin Akustikgitarren

 

Verstärker:

57er Fender Twin Amp (Tweed)Fender BassmanVox AC 30 Fender Champ (im Studio)Mesa Boogie 4 x 12 Boxen 

 

Effektgeräte:

Maestro Fuzz (in den 60ern, der Satisfaction Sound)
MXR Phase 90

RON WOOD

 

Gitarren:

55er Fender Stratocaster (Sunburst)56er Fender Stratocaster (Sunburst)52er Fender TelecasterZemaitis Metal FrontGibson FirebirdDuesenberg Starplayer TV Pearl TopESP Ron Wood Signature Tele (mit B-Bender)Weissenborn Akustik (für Slide Playing)Fender Lap SteelEmmons Pedal Steel GuitarSitar Guitar (Hersteller unbekannt)Ampeg Dan Armstrong Plexi GuitarGibson L5 SGibson Acoustic Gitarren

 

Verstärker:

Fender BassmanVox AC 30Mesa Boogie Mark II C ComboFender Vibro King Combo

                       

Effektgeräte:

Dunlop Cry Baby Wah Pedal

Mick Thompson

Gitarren:

  • Ibanez Mick Thompson Signature Gitarre MTM1 in verschiedenen Farben

Verstärker:

  • Rivera KR-7 MT Mick Thompson Signature Topteil   
  • Rivera 4x12 Boxen

Effektgeräte:

  • Boss GT-Pro
  • Dunlop Cry Baby (19“ Rack Version)
  • Boss Noise Suppressor
  • Electro Harmonix Bass Balls
  • Dunlop Octave Fuzz
  • Line 6 DL4
  • Line 6 MM4
  • Ibanez Tube Screamer
  • Boss Super Overdrive

James Root

Gitarren:

  • Fender Jim Root Telecaster Custom (mit EMG Pickups)


Verstärker:

  • Rivera Knucklehead Reverb Top
  • Rivera K412 Boxen (mit G12T75 Speakern)
  • Orange Rockerverb 100 Top mit Orange 4x12 Boxen


Effektgeräte:

  • DigiTech Whammy 4 Pedal
  • DigiTech Tone Driver Pedal
  • Dunlop Crybaby 530Q
  • DigiTech Synth Wah Pedal
  • DigiTech Multi Chorus
  • DigiTech Digidelay
  • Dunlop Auto QE Pedal
  • Maxon AF-9 Audio Filter
  • Dunlop JH3S Jimi Hendrix Octave Fuzz
  • DigiTech SynthWah
  • OD-9 Overdrive
  • Electro-Harmonix Small Stone

Sound nachbauen

Eine Sache muss immer klar bedacht werden: Die aufgeführten Gerätschaften, egal ob Originalequipment oder ähnlich klingende Amps und Effekte, sind lediglich das Werkzeug zum Erzeugen des Sounds und der Musik. Die Musik kommt letztendlich vom Gitarristen, aus dessen Fingern und von dessen Fähigkeiten, die Töne zu erzeugen und den Klang zu formen. Daher macht das Equipment lediglich 50% des Sounds aus, der Rest kommt (zum Glück) vom Gitarristen. Um den Sound der Rolling Stones zu erzeugen, ist eigentlich wenig Werkzeug nötig, da beide Gitarristen mit absolut wenig Effektgeräten arbeiten. Hier ist die Übersicht für das Standard-Setup:

Gitarre

Der Basis-Sound wird geprägt durch Keiths Riffs, und die kommen zu 80 Prozent aus der Telecaster. Die zweite Gitarre für den Ron Wood Part ist die Strat als weich klingende Ergänzung zur hellen und harten Tele.

 

 

Overdrive

Der Sound der beiden Gitarristen ist leicht angezerrt und hat einen crispen Klangcharakter, der im Original von leicht übersteuerten Fender-Amps erzeugt wird. Man benötigt ein Overdrivepedal mit guter Dynamik und einem eher höhenbetonten Verzerrungs-Charakter. Gut geeignet sind hierfür der Ibanez Tube Screamer, Boss OD-3,  BD-3, Fulltone OCD oder Maxon OD-808.

 

 

Verstärker

Der Verstärker wird auf clean gestellt, die Verzerrung erledigt das Overdrivepedal, der Presence-Regler kann etwas höher stehen. Probiert einfach mit eurem Setup aus, was besser klingt: Presence am Amp anheben oder den Tonregler am Overdrivepedal. Bei manchen Kombinationen muss man beide aufdrehen.

 

 

Weitere Pedale:

Die Stones nehmen es nicht so genau mit den originalen Soundnachbildungen der Studioaufnahmen von damals wie zum Beispiel The Edge von U2. Für den Satisfaction Fuzz-Sound nimmt Keith Richards nicht extra sein altes Maestro Fuzz mit auf Tour - wahrscheinlich hat er es gar nicht mehr. Wenn ihr aber die Original-Studiosounds nachbauen möchtet, dann solltet ihr euch noch einen Fuzz-Zerrer wie den Electro Harmonix Big Muff oder den Boss FZ-5 und ein Reverb wie beispielsweise das Boss RV-5 zulegen. Besonders bei den älteren Aufnahmen sind große Raumanteile oder Plate-Reverbs zu hören. Allerdings sollte man sehr vorsichtig mit diesen Halleffekten auf der Bühne umgehen, denn man hat schließlich einen Raum, den Club oder Konzertsaal und benötigt keinen zusätzlichen Extra-Hall im großen Stil. Für Aufnahmen ist das in Ordnung, aber live wird das Gitarrensignal sehr indirekt und der Sound wird matschig, wenn man zuviel Hall hinzufügt. Ich habe bei den Songbeispielen mehrmals ein Hallpedal eingesetzt, aber nur, um den Sound der Aufnahme zu imitieren. Für den Bühneneinsatz würde ich das Pedal nicht benutzen oder nur ganz schwach einstellen.

(I Can´t Get No) Satisfaction

Keith hat behauptet, dass ihm das Riff im Schlaf einfiel, er mitten in der Nacht aufwachte und es zusammen mit der Textzeile „I Can´t Get No Satisfaction“ auf ein Tonband aufnahm und dann ohne auf Stopp zu drücken direkt wieder einschlief. Auf dem Band hörte man angeblich zwanzig Sekunden Riff und den Rest nur noch Keith schnarchen. Im Hotel wurde der Song von Jagger und Richards dann komplett fertiggeschrieben und wenige Tage später mit der Band im Studio aufgenommen.

 

Bei dieser Aufnahme kam zum ersten Mal das Maestro Fuzz zum Einsatz, einer der ersten Transistorverzerrer in Pedalform. Ein etwas sägender Ton mit starkem Anteil von hohen Frequenzen. Auf den Gitarrensound wurde noch eine ordentliche Packung Plate Reverb (Nachhall von einer Hall-Platte im Studio) gepackt. Um den Sound nachzustellen, habe ich hinter das Fuzz (Electro Harmonix Big Muff) ein Hallpedal (Boss RV-5) geschaltet, das einen Plate-Reverb simuliert. Wie bereits erwähnt, sollte der Hall-Effekt für den Bühneneinsatz etwas abgeschwächt oder sogar ganz ausgeschaltet werden.

Brown Sugar

Der Song ist von 1971 und wurde auf dem Album „Sticky Fingers“ veröffentlicht. Hier spielt Keith sein typisches Open G-Tuning Akkordlick auf der Telecaster. Der Gitarrenton ist leicht angezerrt und man hört eine gute Portion Raumanteil. Ich vermute, dass der Amp nicht mit Direct Miking, also einem Mikrofon direkt vor dem Speaker, abgenommen wurde. Schätzungsweise hat man das Mikrofon etwas weiter vom Verstärker weggestellt und somit wurde der Raumanteil größer. Um das zu simulieren, wurde beim Reverbpedal der Mode „Room“ eingestellt.

Sympathy For The Devil

Allein der Titel des Songs aus dem 68er Album „Beggar´s Banquet“ löste eine große Skandalwelle aus. Die Stones wurden mal wieder ihrem Bad-Boy-Image gerecht. Musikalisch hat der Song durch seinen Percussion-Groove einen eher Latin angehauchten Touch als die üblichen Blues Rock Grooves. Keith Richards hat hierbei nicht nur auf seiner Les Paul die Gitarrenparts, sondern auch die Basslinie eingespielt. Beim Solo hat er die Fuzz-Säge ausgepackt, diesmal noch etwas penetranter in den Höhen. Es hat auf jeden Fall Wiedererkennungswert und hohes Durchsetzungsvermögen.

Honkytonk Women

Allein der Titel des Songs aus dem 68er Album „Beggar´s Banquet“ löste eine große Skandalwelle aus. Die Stones wurden mal wieder ihrem Bad-Boy-Image gerecht. Musikalisch hat der Song durch seinen Percussion-Groove einen eher Latin angehauchten Touch als die üblichen Blues Rock Grooves. Keith Richards hat hierbei nicht nur auf seiner Les Paul die Gitarrenparts, sondern auch die Basslinie eingespielt. Beim Solo hat er die Fuzz-Säge ausgepackt, diesmal noch etwas penetranter in den Höhen. Es hat auf jeden Fall Wiedererkennungswert und hohes Durchsetzungsvermögen.

Love Is Strong

Wir machen jetzt einen Zeitsprung in die 90er zu einem Song aus dem Album „Voodoo Lounge“ (1994). Viel hat sich soundmäßig allerdings nicht geändert, und das ist auch gut so, denn man muss das Rad ja nicht immer wieder neu erfinden. Keith benutzt seine Open G-Tuning Tele und der Ton hat etwas mehr Verzerrung als die Sounds bei „Honkytonk Women“ oder „Brown Sugar“. Der Gesamtklang der Gitarre ist in den hohen Frequenzen sehr stark und die Bassanteile wurden gecuttet; damit schafft man Raum im Frequenzspektrum und die einzelnen Instrumente sind sehr gut hörbar, ohne dass sie im Mix weit aufgedreht werden müssen.

Start Me Up

Hier kommt eine Abwandlung des Brown-Sugar-Akkordlicks vom 1981 erschienen Album „Tatoo You“. Der Gitarrensound ist fast clean, am Verzerrer wird nur ein Hauch Gain eingestellt, und um den Sound etwas breiter klingen zu lassen, wird ein Chorus mit ebenfalls dezenter Einstellung zusätzlich zwischen Verzerrer und Hall geschaltet. Der Ton hat einen eher warmen Charakter, daher sollte an der Gitarre der Halspickup ausgewählt und beim Overdrive der Tone-Regler etwas zurückgenommen werden.

Jumpin Jack Flash

Der Titel wurde 1968 als Single veröffentlicht.  Angeblich stammt das Riff von Bassist Bill Wyman, der es auf der Orgel spielte und Keith Richards und Brian Jones übertrugen es auf ihre Gitarren. Beide Gitarren werden in unterschiedlichen Tunings gespielt, wobei wegen der unzähligen Versionen der Stones nicht völlig klar ist, in welchem. Mal ist es Open E, dann Open D mit Kapo oder auch Open G. Wahrscheinlich weiß auch von den Gitarristen keiner mehr, welche Stimmung im Original benutzt wurde, aber irgendwie bekommen sie es immer wieder hin.

 

Hier hört man den Effekt, wenn zwei unterschiedliche Gitarren (Strat und Tele) mit etwas verändertem Verzerrer-Setting und verschiedenen Tunings nahezu das Gleiche spielen. Ein breiter, druckvoller Crunchsound. Hier erst mal die Einstellungen für Gitarre 1 in normaler Stimmung.

 

Jetzt die zweite Gitarre mit Open E Tuning (E-B-E-G#-B-E).

Anybody Seen My Baby

Beim Song vom 97er Album „Bridges To Babylon“ werfen wir mal einen Blick auf das ausgezeichnete Gitarrenarrangement, effektiv und wirkungsvoll eingesetzt. Im Verse hören wir nur Drums, Bass und Vocals, dann setzt Gitarre 1 in der Bridge ein, zwei Takte vor dem Chorus kommen Gitarre 2 und 3 und im Chorus noch eine vierte dazu. Durch die vier Gitarren klingt das Ganze natürlich richtig fett. Allerdings muss man bei Dopplungen und Arrangements mit mehreren Gitarren gut aufpassen, dass man frequenztechnisch nicht alles dichtmacht. Hier ein paar Tipps anhand dieses Beispiels. 

 

Gitarre 1

Die Gitarre, die in der Bridge einsetzt (Ron Wood´s Part), ist eine Strat mit Cleansound und Chorus. Hier die Einstellungen von Gitarre, Effekt und Amp.

Nachträglich wurden am Mischpult-Equalizer die Mitten bei 1,5 kHz weit herausgedreht und die Höhen bei 12 kHz etwas angehoben. Dadurch klingt die Gitarre schön schlank und „perlig“. Weiterhin wurde ein Stereodelay in den Kanal geschaltet, was noch etwas mehr Klangfläche ergibt. Und so sehen die Einstellungen aus:

Gitarre 2

Hier ist die Hauptlinie von Keith, ein warmer, angezerrter Ton, mit der Tele gespielt.

Etwas nachträglich Klangkosmetik fand ebenfalls statt: Die Mitten wurden bei 1,5 kHz etwas abgesenkt und bei 4 kHz leicht angehoben.

 

Gitarre 3

Diese „additional Guitar“ sorgt für tragende Töne im tiefen Bereich. Etwas mehr Verzerrung ist angesagt, denn es werden ja auch nur lange einzelne Töne auf E- und A-Saite gespielt. Mit der Auswahl der Kombination von Hals- und Steg-Pickup erhalten wir einen schlanken, durchsetzungsfähigen Ton, der vor allem dem Bass nicht in die Quere kommt.

Hier wurden nachträglich nur die Mitten bei 1 kHz ein wenig abgesenkt.

 

Gitarre 4

Die „Dreck-Gitarre“. Wieder die Tele mit Hals- und Steg-Pickup, diesmal aber mit weniger Verzerrung und etwas dumpfer eingestellt. Es werden Akkorde geschrammelt und die Gitarre soll eine dreckige Klangfläche erzeugen, das Gegenstück zur schönen Strat (Gitarre 1).

Auch diese Gitarre wurde schlank gemacht, das heißt, bei 1,5 kHz extrem abgesenkt und bei 12 kHz stark angehoben. Einzeln angehört, klingt sie erst mal recht dünn, aber genau das ist der Punkt! Die Gitarren sollen gemeinsam fett klingen; wenn sie allein schon mächtig sind, dann wird der Gesamtklang zu Brei.

 

Lautstärke und Panorama

Jetzt werden die vier Gitarren noch im Panorama verteilt und alle durchlaufen einen Equalizer, der die Bassfrequenzen abschneidet (Lo Cut), das schafft Platz für den Bass. Hier seht ihr die Lautstärke- und Panorama-Einstellungen.

Und zum Abschluss hören wir uns das Gesamtergebnis an.

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Autor

Thomas Dill

Thomas Dill arbeitet seit vielen Jahren als Profigitarrist, Dozent und Produzent.Er ist Verfasser eines Buches über Gitarreneffekte.

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