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Test
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07.10.2012
Test

Sonivox Wobble & Twist Test

Spectral Morphing Synthesizer

Mit moderater Preisgestaltung, der Absicht, einen einfachen aber effektiven Zugriff auf alle wesentlichen Klangparameter zu liefern, und der nicht unspannenden Spektralsynthese klingt die Feature-Liste der beiden Software-Synthesizer Sonivox Wobble & Twist – zumindest auf dem Papier – relativ vielversprechend.

Da die beiden Klangerzeuger in ihrer Konzeption recht wesensgleich sind, haben wir direkt beide Plugins auf den Test-Rechner geschaufelt und gehört, was passiert.

Details

Konzept

Spektralsynthese per se ist ja keine völlig neue Erfindung: So bot bereits die erste Version von NIs Absynth die Möglichkeit, die Tonhöhe von Samples nicht nur durch die Auslesegeschwindigkeit zu ändern, sondern durch Formanttransposition – also das Verschieben des spezifischen Frequenzspektrums über die Zeitachse. Bei der Arbeit mit Samples liegt der Vorteil des Verfahrens darin, dass so der unnatürliche Effekt, dass Tonhöhe und Obertonspektrum nicht mehr zusammen passen (Stichwort: Micky Maus-Effekt), recht wirkungsvoll minimiert wird. Arbeitet man in entgegengesetzter Richtung, verschiebt, streckt oder staucht man somit das Obertonspektrum bewusst entgegen dem zugrundeliegenden Basisklang, lassen sich entsprechend ziemlich ungewöhnliche, artifizielle Klangepisoden generieren. Im Fall von Wobble und Twist bekommt der Anwender davon zum Glück (oder leider – wie man’s nimmt) wenig mit. Nur zwei Regler im GUI wirken pro Oszillator auf die Spreizung des Frequenzspektrums (im Fall von Twist zusätzlich auf die Polarität).

Im Ergebnis reicht der Grundklang dadurch von eher resonanzlastig und tonal (Frequenzmoden liegen eng beieinander) bis hin zu vollspektral und atonal (Frequenzmoden weit auseinander). Beide Synthesizer greifen dazu auf einen kodierten Wellenvorrat im WAV-Format zurück, der während der Installation auf der Festplatte landet. Das Modifizieren oder Einbinden eigener Obertonkreationen ist leider nicht möglich. In Bezug auf ihre Grundkonzeption sind sich beide Plugins recht ähnlich: Klänge werden in zwei Spektral-Oszillatoren generiert, wobei sich das Obertonspektrum mit dem Width-Regler modifizieren lässt. Danach wandern die Sounds durch ein semiparametrisches Lowpass-Filter (0 – 18 dB/Oktave Flankensteilheit), das sich der Befehlsgewalt eines zuschaltbaren LFOs unterwerfen lässt, der wahlweise frei oder host-temposynchron und mit einstellbarer Amplitude arbeitet. Wobble – sich als Dubstep-Synthesizer verstehend – kann hier zusätzlich mit wählbarer Wellenform (Sinus, Rechteck, Dreieck, Sägezahn) aufwarten. Ergänzt wird die Sache durch einen integrierten Pattern-Sequenzer und eine Noten-Quantisierungs-Funktion. Zur weitergehenden Klangveredlung kann die interne Effektsektion herangezogen werden, die mit den Klassikern Delay (temposynchronisierbar), Chorus und Reverb bestückt ist. Installation Beide PlugIns sind als Download erhältlich und sowohl auf Windows-PCs (Standalone, VST und RTAS) als auch auf Apple-Rechnern (Standalone, AU, VST und RTAS) lauffähig. Die Installationsarchive sind mit 151 (Twist) und 149 (Wobble) MB nicht sonderlich schwergewichtig. Nach dem Start und dem Absegnen der Lizenzbedingungen wird erfreulicherweise abgefragt, welche Komponenten auf dem Rechner landen sollen. Wählt man hier die gängige VST-Schnittstelle aus, wird zusätzlich der Standard-Plugin-Pfad abgefragt. Die weitere, automatisch ablaufende Installation ging in unserem Test problemlos vonstatten. Nachdem der Installer die Binärdaten auf die Platte geschoben hat und man die Plugins erstmalig aufruft, folgt die Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Benutzung. Hier hat man die Wahl zwischen Online- und Offline-Registrierung. Ich entscheide mich für die (in der Regel aufwändigere) Offline-Methode. Diese läuft über ein Challenge-/Response-Code-Verfahren ab, bei dem man zunächst die Seriennummer eingibt, dann eine Datei generiert wird, die man via E-Mail an eine Registrierungsadresse senden muss und kurz darauf eine Freischaltungs-Datei erhält, die man dann dem PlugIn zur Befriedigung seiner Rechtsansprüche unterbreiten muss. In meinem Fall hatte ich das Problem, dass der Dialog zur Registrierung NUR beim ersten Programmstart erscheint und danach nicht mehr. DAW starten, Challenge-Code generieren und beim nächsten Hochfahren der DAW eingeben klappt also nicht. Ich war folglich gezwungen, die Installation noch einmal durchlaufen zu lassen und dann – beim ersten Programmstart – die bereits vorhande Response-Datei aufzurufen. Kein unlösbares Problem – dennoch etwas hakelig und ein halber Punkt Abzug dafür.

Oszillatoren

Wie eingangs beschrieben, verfügen beide Plugins über jeweils zwei Spectral-Morphing-Oszillatoren pro Stimme, wobei beide getrennt aktivierbar sind. Welche Spektral-Wellenform in den Oszillatoren zum Einsatz kommt, bestimmt das geladene Preset und wird weder explizit angezeigt, noch ist es – abgesehen von den beiden Parametern ‚Width’ und ‚Polarity’ – modifizierbar. Über einen Tune-Regler kann in Wobble zusätzlich die Stimmung der beiden Oszillatoren im Bereich von +/- 50 Cent gegeneinander verschoben werden.

Filter

Beide Plugins operieren mit einem Lowpass-Filter mit 18dB Flankensteilheit pro Oktave. Wobble besitzt derer zwei, die pro Oszillator wirksam werden können, Twist hingegen nur eines, welches die Summe der beiden Klangeinheiten filtert.

LFO

Zur Steuerung der Filterfrequenz kann in beiden Synths ein LFO (in Wobble zwei) herangezogen werden, der wahlweise frei oder im metrischen Teiler (Twist: 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/16, 1/32, 1/64-Note / Wobble: 1, 1/2, 1/2T, 1/4, 1/4T, 1/8T, 1/16, 1/32-Note) temposynchron zur BPM-Zahl der gastgebendenden Host-Software schwingt. Dass nur in Wobble triolische Werte aufrufbar sind, mag dem „dubbigen“ Einsatzbereich geschuldet sein, hätte aber auch in Twist sicherlich nicht geschadet. Denn seien wir ehrlich: Wann moduliert man schon mal eine Fläche mit 1/64-tel? Ich hätte es folglich lieber gesehen, wenn hier statt geraden 32-teln und 64-teln triolische Viertel- und Achtelnoten zur Auswahl stehen würden.

Step-Sequenzer

Wechselt man über den in der unteren rechten Ecke angesiedelten Modus-Taster in den Bereich Pattern (bei Twist: Rhythm), wird ein 32-segmentiges Grid-Fenster sichtbar, das zur beatsychronen Steuerung verschiedener Parameter dient. In Twist fungiert das Fenster lediglich zur Note-Gate- und Transpositions-Automation.

In Wobble hingegen ist die Sache wesentlich komplexer: Hier können in insgesamt zehn Tabs die Parameter Width, Filter, LFO Rate, LFO Sync und LFO Depth in bis zu 32 Schritten ryhthmisch automatisiert werden. Flankiert wird die Sektion von einer so genannten ‚Intelligent Rhythm Control’, was im Kern nichts anderes ist als ein Input-Quantisierungs-Filter, welches die live eintreffenden MIDI-Noten auf den nächsten (einstellbaren) metrischen Wert (1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/16, 1/32, 1/64-Note) rückt. Komplette Parametersätze des Step-Sequencers lassen sich unabhängig vom aktuellen Sound laden – ein kluges Feature und einen halben Stern Bonus dafür.

Hier einmal ein Beispiel, wie sich das gleiche Modulations-Pattern, auf unterschiedliche Presets angewendet, anhören kann:

Was allerdings die Bedienung der Sektion angeht, geht es direkt im Anschluss zwei volle Sterne nach unten - doch dazu mehr im Praxisteil.

Effekte

Am Ende können Sounds mit der integrierten Effektsektion veredelt werden. Als Zutaten stehen hier die drei Klassiker Delay, Chorus und Reverb zur Auswahl, die einzeln oder zusammen auf den Klangrohling einwirken können. Das Parameterangebot entspricht hier dem allgemeinen Standard. Auch klanglich bekommt man hier solide Hausmannskost geliefert, allein das Fehlen triolischer Delay-Werte nehme ich, als eingefleischter Dub-Head, den Entwicklern übel und ziehe einen halben Stern ab.

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