Test
8
Test

Sonible ml:1 Missing Link :1 Test

USB-Audiointerface / DI-Box

Das Bindeglied

Das ml:1 von Sonible wird mit dem langen Titel “USB-Interface, DI-Box und Testton-Generator” untertitelt – und hat seinen ersten Test hier bei bonedo absolviert. Sonible aus Österreich ist dabei nicht nur selbst eine blutjunge Firma, sogar die Produktgattung des ml:1 ist neu: Bislang mussten sich Laptopmusiker und Kollegen mit recht friemeligen Lösungen aus meist mehreren Geräten zufrieden geben, namentlich einem Studio-Audiointerface (samt Zusätzen, die man live einfach nicht benötigt!) und einer DI-Box. Ganz folgerichtig lautet der volle Name des ml:1 auch “Missing Link 1”, auch wenn sich hinter diesem Begriff ursprünglich eine noch zu identifizierende Übergangsart vom Affen zum Menschen verbirgt (Diesen Umstand als Coverstory für diesen Test zu missbrauchen, das habe ich mir mal verkniffen.).

Die Lorbeeren, der erste Hersteller zu sein, der ein USB/DA-Interface mit einer DI-Box zusammen in ein livetaugliches Gehäuse gesetzt hat, kann Sonible aber nicht für sich beanspruchen, da war beispielsweise das Audiowerkzeug CoDI ein wenig flotter – im Fotofinish allerdings, denn es handelt sich hier nur um Wochen! Allerdings ist da doch etwas, was das ml:1 zum Unikum macht (und somit natürlich dann eben doch zum ersten seiner Art): Es ist ein kleiner Testtongenerator eingebaut! Und auch sonst geizt es nicht mit Ausstattungemerkmalen, sodass es ein wirklich praktisches, alltagstaugliches Helferlein für Techniker wie Musiker zu sein scheint.

Details

“Rugged”

Den Begriff “Live” muss man im Zusammenhang mit dem ml:1 eigentlich nicht nennen – es reicht ein Foto. Das offensichtlich stabile Metallgehäuse ist zudem matt pulverbeschichtet – ein Umstand, der im Livebetrieb ein Segen ist. Wie bei ähnlichen Oberflächen etwa an Schoeps-Kleinmembranmikrofonen und K&M-Mikrofonstativen werden Lichtreflexionen dadurch unterbunden. Live will man oft keine quietschbunten, um Aufmerksamkeit buhlende Geräte, sondern verlangt ein optisches “Blending-In”. Mitgedacht, Sonible! Klein und leicht ist die Kiste aber nicht: Die lange Kante misst gut 18 Zentimeter, die Breite 93 und die Höhe 40 Millimeter. Das Gewicht entspricht etwa dem eines Liters Wasser. Die kleine Box kann bei Bedarf auch auf dem “Buchrücken” liegend hochkant betrieben werden.

It's not a trick – it's Neutrik!

Der etwas genauere Blick auf die Anschlüsse zeigt mir vertraute Bauteile eines für seine Zuverlässigkeit bekannten Herstellers aus Luxemburg. Alle Buchsen sind von Neutrik! Yeah, Baby! Und als hätten Sonible über die amerikanischen Alleswisser NSA Zugang zu meinen Notizen beim Test des Audiowerkzeug CoDI bekommen (oder ganz banal: rechtzeitig meinen Testbericht gelesen), ist sogar die Neutrik-USB-Buchse verbaut, von der ich im angegeben Testbericht so geschwärmt hatte – und die ich dort durchaus etwas vermisst hatte. Sonible legen sogar ein passendes Typ-A/B-Kabel bei (und die sind nicht billig…). Wer es nicht weiß: Neutrik-Buchsen und -Stecker sind vor allem für ihre hohe Anzahl Steckvorgänge bekannt. Was für einige User eher unwichtig zu sein scheint, ist für manche Anwendungen eine Grundvoraussetzung. Schließlich will man bei vielleicht täglichem Aufbau nicht ständig befürchten, dass sich ein Wackelkontakt einschleicht und dem Publikum hochpegliges Brummen (oder im Falle der Digitalverbindung fieses Digital Noise!) beschert.

Ins und Outs

Habe ich gerade Digitalverbindung geschrieben? Ja, ich habe Digitalverbindung geschrieben: Es gibt einen Digital-Out in Form einer AES3-Verbindung. Neben der AES/EBU-Formatierung funktioniert auch eine Adaptierung auf elektrisch S/PDIF, da sich beide Formate vom Aufbau der Daten auch nur unwesentlich unterscheiden. Dass hier das professionellere der beiden Formate gewählt wurde, unterstreicht den Anspruch des ml:1. Nicht ganz so fruchtig finde ich aber, dass der DAC mit 44,1 oder 48 kHz Samplerate und 16 Bit Quantisierung läuft. Das ist zwar technisch kein wirkliches Problem, doch hier muss sich der Sonible-Converter die mangelnde Aktualität mit dem CoDI teilen. Gerade bei der Wortbreite sind 24 Bit doch nun einmal ein (sinnvoller) Standard. Wenn man auf die angegeben Werte achtet, scheinen die Österreicher die Einbettung des eigentlichen Wandlers vernünftig realisiert zu haben: Es wird eine Signal-to-Noise-Ratio von 96 dB erreicht. Und die Spannungsversorgung erfolgt ausschließlich über den USB, die Stromstärke beträgt 40 mA.

Ist übrigens keine Spannungsversorgung vorhanden, tut die Kiste trotzdem ihren Dienst, denn dann wird aus ihr eine einfache, passive Stereo-DI-Box. Dazu sind natürlich unsymmetrische Eingänge nötig, welche in Gestalt von Neutrik-Klinkenbuchsen vorkommen. Und klar: Die beiden DI-Outs sind männliche XLR-Buchsen. Damit wären die Connections abgefrühstückt. Schaltfunktionen gibt es genau drei Stück, genauer ein Ground-Lift, um Brummproblemen zu begegnen, ein Pad mit dem hohen Wert von 18 dB sowie den eingangs angemerkten Testton-Generator, welcher einen Pegel von –22 dBu ausgibt.

Start-Up

Vielleicht ein paar Worte zum Hersteller und dem Herstellungsprozeß: Sonible ist ein Start-Up-Unternehmen aus Graz. Die drei Gründer haben einen tontechnischen Studiengang der Universität Graz und der Kunstuniversität Graz absolviert. Auf dem Zettel der Produktveröffentlichungen der nächsten Zeit stehen mit dem d:24 übrigens noch eine 24-Kanal Class-D-Endstufe in 19”/2HE sowie eine De-Reverberator-Sofware (!). Es ist also ganz offensichtlich nicht so, dass sich Sonible zunächst auf einen engen Produktkreis beschränkt. In Deutschland wird die Platine des ml:1 hergestellt und bestückt, das Gehäuse in Graz gefertigt – wo auch die Endkontrolle stattfindet. Ein Vertriebsnetz gibt es noch nicht, wer eine der grauen Kisten erstehen möchte, bestellt unter sonible.com (und kann momentan noch das Einführungsangebot wahrnehmen und 10% weniger zahlen). Der Versand aus Österreich nach Deutschland dauert wenige Tage. ­

USB-Connection

Der System Profiler unter Mac OS X weist Sonibles ml:1 als Gerät mit einer Brutto-Datenrate von 12 Mbit/s aus, also mit USB 1.1-Niveau. Für die Datenübermittlung an den D/A-Converter ist das dicke ausreichend, man sollte sich jedoch bewusst sein, dass das langsamste Mitglied der Verbindung die Geschwindigkeit eines Busses vorgibt. Gut: Das Gerät ist wirklich Plug'n'Play, Treiber oder Control-Software ist nicht nötig – es gibt ja schließlich auch nichts einzustellen. Fein ist, dass beispielsweise über das Camera-Connection-Kit die Missing-Link-Box auch an einem iPad betrieben werden kann!

Verwandte Inhalte

Audiowerkzeug CoDI Test

Was bitte ist an einem Audiointerface fast ohne Ausstattungsmerkmale sinnvoll? Im Falle des Audiowerkzeug CoDI eine ganze Menge!

Basics - Ratgeber Audio-Interfaces

Klar: Audio muß in den Computer hinein und wieder raus. Doch der Markt ist etwa so übersichtlich wie die Altstadt von Kairo. Wir sagen euch, worauf ihr beim Kauf achten solltet!

Cymatic Audio Live Player LP-16 Test

Der Live Player LP-16 von Cymatic Audio ist eine Kombination aus MIDI-, Audio- und Mehrspur-Player für externe USB-Datenspeicher und verfügt zudem über ein integriertes USB-Audiointerface. Wir haben für euch getestet, was die kleine schwarze Box drauf hat und für wen sie interessant sein könnte.

RME Fireface UC

RME hat in einer einjährigen Entwicklungsphase eine mit dem Fireface 400 identische Hardware entwickelt, die latenzfrei mit der USB 2.0 Schnittstelle kommuniziert. Wir haben das "Plug&Sound"-Gerät getestet.

Alesis MultiMix 16 USB FX Test

Alesis MultiMix 16 USB FX – 16-Kanal-Mischer, Effektgerät und Audio-Interface, und alles in einem Gerät und für unter 500 Euro – klingt nach einem echten Preiswunder oder wurde vielleicht an anderer Stelle gespart? Hier erfahrt ihr mehr...

User Kommentare