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Snare Geheimtipp #3 - Oriollo Mangana 65

Custom-Stahlsnare aus Ferromangan

„From Serbia with Love“

Bis jetzt haben wir euch in unseren Geheimtipp-Folgen vor allem günstige ältere Modelle vorgestellt, in dieser Episode möchte ich mich einem neuzeitlichen Hersteller widmen. Vukan Karadzic aus Serbien fertigt mit seiner Firma Oriollo Drums gegossene und nahtlos gezogene Metallkessel aus Ferromangan Stahl, Aluminium, Glockenbronze und Kupfer. Moment, Ferromangan? Das ist doch in der deutschen Trommelbaugeschichte ein nicht unbekanntes Material, schließlich verwendete Sonor diesen Werkstoff über mehrere Jahrzehnte zur Herstellung seiner Metallsnares. 

Der Snarekessel: Oriphonic im Raw Finish

Die Mangana Snare besteht aus einem 1,5 Millimeter starken, nahtlos gezogenen Ferromangan Kessel im Raw Finish. Oben ist der Kessel klassisch gebördelt, auf der Unterseite gibt es eine Besonderheit: auf die Bördelung wurde hier verzichtet, dafür findet sich kurz darüber eine Innensicke, die für den eigenständigen Look der Oriollo Kessel sorgt. Die 6,5er Tiefe findet sich auch im Namen wieder: Mangana 65. Alle Modelle von Oriollo haben ein hauseigenes Böckchen-Design, es sind immer acht dieser „Kounelli“ Böckchen pro Trommel verbaut. Diese werden, genau wie der Kessel auch, vor Ort vom Meister selbst hergestellt. Neben den Standardtiefen 5,5 und 6,5 Zoll können die Kesselmaße, ebenso wie das Finish, nach Kundenwunsch variiert werden. Bezüglich der Verarbeitung ist die Handarbeit klar zu erkennen, wobei diese aber mit äußerster Sorgfalt ausgeführt wurde, alles in allem also ein erfrischender Gegenentwurf zu den in Massenfertigung produzierten Kesseln der üblichen Verdächtigen.

Wie klingt er denn nun, der Oriphonic Kessel?

Gewisse Parallelen zu den alten Sonor Ferromangan Modellen sind nicht zu verleugnen. Die Mangana 65 hat ebenfalls diesen knusprigen, einzigartigen Rimclick Sound den ich von meiner D454 kenne und schätze, allerdings klingen die Rimshots je nach Stimmung und Dämpfung sehr knallig, man könnte auch sagen harsch, mit präsenten Obertönen. Wenn man jetzt den Vergleich zu den monumental aussehenden und seinerzeit technisch wegweisenden Sonor Signatures Snares bemüht, die allerdings mit ihren 24 Böckchen und den fetten Gussreifen in meinen Ohren oft behäbig und eindimensional klingen, ist die Oriollo durch den insgesamt offeneren Sound formbarer und hat mehr Charakter. Sie entwickelt eine gute Portion Bauch und stimmt sich leicht in viele Richtungen, trotzdem bleibt sie im Vergleich zu schwingungsintensiven Bronze- und Kupfermodellen stets sehr ortbar im Gesamtsound und integriert sich somit optimal ins Setup. 

Also die perfekte Allround-Waffe? Nein. Ich würde sie weniger als ultimatives Workhorse, sondern eher als Snare für gewisse Sounds betrachten. Im Vergleich zu zwei anderen metallischen Workhorse Snares, die ich hier stehen habe, einer Ludwig LM402 und einer Tama Starphonic Brass, überzeugt die Oriollo Mangana mich eher durch ihren charakterstarken Sound als durch ihre Allrounder-Qualitäten, welche die anderen beiden Modelle jeweils auf ihre Art auszeichnen. Meine Favoriten der Oriollo sind die sehr hohe und die tiefe Stimmung, aber hört und seht doch am besten selbst:

Die Oriollo Mangana ist mein Tipp für alle Trommler, die auf der Suche nach einem charakterstarken Sound abseits des Mainstreams sind, der aber trotzdem mit klassischen Klanganleihen begeistern kann. Die Trommel ist individuell in Handarbeit gefertigt und kostet dabei vergleichsweise günstige 465 Euro inklusive weltweitem Versand. Dazu kommen noch die Einfuhrzölle, da Serbien nicht Teil der EU ist.

Weblink: http://oriollo.com

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