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12.11.2012
Test

Sabian AAX Omni Test

Crashride Becken

Aller guten Dinge sind zwei!

Eine kleine Anekdote zum heutigen Test der Sabian AAX Omni Becken: Tony Williams war kein Freund des Schubladendenkens. Als der große Jazz-Schlagzeuger einmal gefragt wurde, ob eines seiner K. Zildjian-Becken nun ein Crash oder Ride sei, antwortete er lapidar: „Hey man, that's a cymbal.“ Eine Kategorisierung erschien ihm überflüssig, denn er vertrat die Meinung, dass man jedes Becken als Crash oder Ride benutzen kann, je nachdem wie man es anspielt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Vielfalt an Beckenmodellen mag es vielleicht schwer vorstellbar erscheinen, einem vier Kilogramm schweren 24“ Power-Ride Klänge zu entlocken, die auch nur entfernt an einen Crash-Effekt erinnern, aber in früheren Zeiten verfolgten die Beckenhersteller eine andere Strategie. Typenbezeichnungen gab es damals nicht, die Sets beschränkten sich meist auf ein Paar Hi-Hats und zwei Becken – gewöhnlich in den Größen 18 und 20 Zoll, die beide sowohl Ride- als auch Crash-Funktionen übernehmen mussten. Gerade in der Rockmusik der 1960er Jahre sucht man vergeblich nach „echten“ Ride-Sounds, stattdessen ist meistens eher ein rauschender Klangteppich zu hören. Die Kategorisierung in unterschiedliche Gewichtsklassen und Anwendungsbereiche erfolgte erst im folgenden Jahrzehnt, und zum typisch trockenen 70s-Drumsound boten schwere Ping Rides und schnell verklingende Thin Crashes die ideale Ergänzung. Nachdem die „Zwitter“ jahrelang ein Schattendasein fristeten, zeichnet sich seit einiger Zeit ein Retro-Trend ab. Rides sollen idealerweise auch „crashable“ sein, und Hersteller wie Paiste betonen bei ihrer wiederauferstandenen „Giant Beat“-Serie die Multifunktionalität der erhältlichen Modelle. Da aber klassische Crash-Rides häufig in keinem der beiden zugedachten Anwendungsbereiche vollkommen überzeugen können, zerbrachen sich die Sabian-Produktentwickler zusammen mit Meisterdrummer Jojo Mayer die Köpfe und hoben schließlich die AAX Omni-Becken aus der Taufe, deren innovatives Konstruktionsprinzip eine Lösung des Problems verspricht.

Details

Die Sabian AAX Omni-Becken werden aus der der klassischen B20-Legierung gefertigt, maschinell gehämmert und sind in den Größen 18“ und 22“ erhältlich. Auf der Oberseite ist die Modellbezeichnung aufgedruckt, während die Unterseite mit dem Firmenlogo sowie der Signatur von Jojo Mayer versehen ist: Der Schweizer Ausnahmedrummer lieferte schließlich die Idee und den kreativen Input für diese beiden Modelle.

Obwohl die Omnis der AAX-Familie angehören, weisen sie im Unterschied zu den anderen Becken dieser Serie eine grundlegend andere Konstruktion auf. Auffälligstes optisches Merkmal ist die in zwei Zonen aufgeteilte Oberfläche. Der Randbereich, acht Zentimeter breit beim 18“- und knapp über zehn beim 22“-Becken, ist sauber abgedreht, mit feinen Tonal Grooves versehen und verfügt über eine äußerst dezente, kaum sichtbare Hämmerung. Im mittleren, nicht abgedrehten Bereich sind zahlreiche kreisrunde, sich überlagernde Hammerschläge zu sehen, die eine so geringe Einschlagtiefe haben, dass man sie auf der Unterseite des Beckens kaum noch fühlen kann. Die Materialverfärbungen und Bearbeitungsspuren in Form von Kratzern in dieser Zone sind als Teil des Fertigungsprozesses durchaus beabsichtigt und tragen zur interessanten Optik der Becken bei. Die ebenfalls nicht abgedrehte, verhältnismäßig große Kuppe ist ungehämmert.

Das Gewicht des 18“-Beckens liegt mit 1550 Gramm im mittleren Bereich, während das 22“ mit 2480 Gramm für seine Größe verhältnismäßig leicht ausfällt. Das wirklich Besondere an den Omni-Becken ist das, was im Fachjargon als „Taper“ bezeichnet wird. Dieser Faktor beschreibt die Gewichtsverteilung vom Rand bis zu der Kuppe und trägt mindestens ebenso viel zum Klangcharakter eines Beckens bei wie das Gewicht selbst. Im Normalfall ist jedes Becken im Kuppenbereich dicker als am Rand, wobei der Verlauf im allgemeinen sehr gleichmäßig ist. Bei den Omnis allerdings gibt es am Übergang vom äußeren zum mittleren Bereich einen fühlbaren Sprung, das heißt, die Materialstärke nimmt an dieser Stelle deutlich zu. Durch diese Maßnahme sollen sich die optisch unterschiedlich gestalteten Bereiche auch klanglich klar voneinander unterscheiden. Der extrem dünne Rand dient zur Optimierung der Crash-Eigenschaften, während der stärkere mittlere Bereich den Ride-Charakter der Becken betonen soll. Ich bin gespannt, ob das Zwei-Zonen-Konzept auch in der Praxis funktioniert.

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