Bass
Workshop

Play-Alike #34 - Bass-Edition

Flea

Rockslapjazzfunkpopbass

Flea braucht man dem am Bass-Spiel interessierten Musiker wohl kaum noch vorzustellen. Michael Peter Balzary, so sein bürgerlicher Name, erblickte 1962 in einem Vorort von Melbourne in Australien das Licht der Welt, zog allerdings schon als kleiner Junge mit seiner Mutter nach New York. Seinen Ruhm verdankt er dem raschen Aufstieg der inzwischen zum Kult gewordenen Band Red Hot Chili Peppers, die er als Gründungsmitglied durch die gesamte Karriere begleitete und mit seinem markanten Bassspiel bereichert.

Fleas erstes Instrument war allerdings nicht der Bass, sondern die Trompete. Tatsächlich war er während seiner Highschoolzeit, die er in Los Angeles absolvierte, eher an Jazz und Soul interessiert als an Rock. Das sollte sich ändern, als er in die Punkband „Fear“ seiner Freunde Hilles Slovak und Anthony Kiedis einstieg, um dort den Bass zu bedienen. Aus dieser Band gingen über einige Umwege letztendlich auch die Chili Peppers hervor; Flea und Kiedis sind allerdings die einzigen Bandmitglieder, die heute noch in der Band mitrocken. Neben seinem Hauptjob bei den Chili Peppers ist Flea aber auch ein durchaus gefragter Sideman und hat bei Produktionen so namhafter Künstler wie Alanis Morisette, Mars Volta, Mick Jagger oder dem Jazz-Saxophonisten Joshua Redman mitgewirkt.

Stil
Der Stil des charismatischen Ex-Australiers ist nicht einfach zu beschreiben. Er spielt sehr perkussiv mit einem harten Anschlag und fiel bei früheren RCHP Alben sehr häufig durch seine unorthodoxe Slaptechnik auf. Bezüglich des Tonmaterials lehnt er sich für Rockbass-Verhältnisse schon gerne mal weit aus dem Fenster, was zu erfrischenden und eigenwilligen Basslinien führt - insgesamt ein sehr individueller Stil, der sicherlich von seiner autodidaktischen Herangehensweise und seiner Unvoreingenommenheit den verschiedenen Musikstilen gegenüber herrührt.

Equipment
Der Sound des RCHP-Bassisten lässt sich am besten mit einem Music Man Sting Ray-ähnlichen Instrument erzeugen - mit einem Humbucker in der Bridge-Position bekommt man den durchsetzungskräftigen, fetten und mittigen Sound, für den Flea bekannt ist. Er selbst spielte neben einigen StingRays lange Zeit den Modulus Flea Bass, ein Signature-Instrument von Modulus. Für einige Aufnahmen kamen aber auch Fender Jazzbässe zum Einsatz - mit ihnen wurde z. B. das gesamte „Stadium Arcadium“-Album aufgenommen. Auf der Namm Show 2009 stellte Flea schließlich seine eigene Bassmarke „Fleabass“ mit einem Sortiment preisgünstiger, aber qualitativ ansprechender Instrumente vor. Zur Verstärkung verwendet Flea Gallien-Krueger Amps und Boxen, die eine sehr eigene, etwas ungeschliffene Mittenpräsenz haben und ihren Teil zum typischen Flea-Sound beitragen.

Give it Away

Genug Equipment-Talk, kommen wir zu den interessanten Flea-Grooves, die ich für euch ausgewählt habe. Den Anfang macht das Hauptriff von „Give It Away“ vom „Blood Sugar Sex Magik“ Album. Das Tonmaterial des Riffs ist eher übersichtlich, Flea benutzt nur vier Töne aus der A-Moll Pentatonik. Die technische Herausforderung bei diesem Groove liegt im großen Intervallsprung vom A auf der E-Saite zum D auf dem 12. Bund der D-Saite. Ihr könntet das A natürlich auch als Leersaite spielen, ich finde allerdings, dass ein gegriffener Ton bei den meisten Grooves homogener klingt und außerdem kontrollierter gespielt werden kann als eine Leersaite. Dazu kommt, dass Flea sehr gerne große Intervallsprünge benutzt, wie wir später noch sehen werden. Es lohnt sich also, den Sprung erst einmal langsam zu üben, um den Groove dann im Orignaltempo flüssig und vor allem ohne störende Rutschgeräusche spielen zu können. Das H in den Noten über dem hohen E bedeutet „Hammer On“. Soll heißen, dass die Note mit der rechten Hand nicht angeschlagen, sondern mit der Greifhand „erhämmert“ wird. Flea spielt das E sehr schlunzig, es hört sich fast schon wie ein Rutschen von D nach E an - auch damit könnt ihr einmal experimentieren.

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Around The World

Und hier geht’s auch schon weiter mit der nächsten Flea-Intervallsprung-Übung. Beim Verse-Groove von „Around the World“ vom Album „Californication“ geht es in Sachen Lagenwechsel noch mehr ans Eingemachte, allerdings nicht wegen der Größe der Intervalle, sondern wegen der Häufigkeit. Übt also auch hier die Sprünge erst einmal langsam, damit ihr die angesteuerten Töne sicher trefft, und erhöht dann langsam das Tempo. Dabei hilft es sehr, dass Flea den Groove bis auf die Fills im 5. und 8. Takt staccato, also mit sehr kurzen Tönen spielt. Das gibt mehr Zeit für die Lagenwechsel. Wenn ihr im Laufe des Trainings sicher mit dem Groove werdet, könnt ihr die Töne auch etwas länger klingen lassen. Das Riff klingt dann etwas geschmeidiger, wie ihr im zweiten Audiobeispiel hören könnt. Flea benutzt hier fünf verschiedene Töne, die allesamt von G-Moll Dorisch, der zweiten Stufe der „normalen“ Durtonleiter, stammen.

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Zur Entspannung habe ich euch auch den Outro-Groove von „Around the World“ aufgenommen und aufgeschrieben. Ein legato gespielter Rockgroove in D-Moll ohne Lagenwechsel! Hier müsst ihr allerdings darauf achten, dass die vorgezogenen Sechzehntel exakt gespielt sind. Solche Synkopen verführen gerne zum „Treiben“, was zur Folge hat, dass sich das Riff hektisch anhört. Auch hier gilt wie immer: Erst langsam und mit Blick auf Genauigkeit üben. Wenn ihr dann sicherer seid, könnt ihr das Tempo erhöhen.

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Dani California

Als Nächstes befassen wir uns mit dem RHCP Superhit „Dani California“ vom Album „Stadium Arcadium“. Im Verse-Groove kommen die melodiösen Qualitäten von Mr. Balzary zum Vorschein und man sieht sehr schön, wie man Grooves mit kleinen Veränderungen oder verschiedenen Fills am Ende variieren kann. Flea spielt im 2., 4. und 6. Takt verschiedene Fills mit dem gleichen Tonmaterial und lockert so den „fluffigen“ Groove zusätzlich auf. Beachtet auch hier die Noten mit „H“ für „Hammered On“, diese Phrasierungsfeinheiten sorgen dafür, dass sich euer Spiel weniger statisch anhört. Wie schon bei „Give it away“ rekrutiert sich das Tonmaterial auch hier aus der A-Moll Pentatonik, nur verwendet Flea diesmal alle fünf Töne.

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Der Vollständigkeit halber und vor allem für den Spaß gibt‘s von Dani California auch noch den Chorus-Groove. Ein klassischer Rock- oder Cross-Over-Groove, der einfach zu spielen ist und mächtig Dampf macht. Das langsame Tempo verführt schnell dazu, den Groove zu sehr nach vorne zu spielen und zu hektisch anzugehen. Also auch hier erst einmal tief durchatmen und dann genau auf das Timing achten!

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Charlie

Zum Abschluss unseres Flea-Exkurses habe ich die etwas speziellere Nummer „Charlie“ ausgesucht - ebenfalls vom „Stadium Arcadium“ Album. Der Verse-Groove des Songs präsentiert sich ziemlich soulmäßig im Style der alten Funkmaster aus Detroit. Die Sechzehntel-Note im ersten und dritten Takt mit dem X ist eine sogenannte „Dead“- Note. Der Ton wird mit der linken Hand abgedämpft, sodass nur ein perkussiver Sound und keine definierte Tonhöhe entsteht. Bei Funk-Grooves wird diese Spielweise sehr ausgiebig benützt. Ihr könnt auch ruhig in der  Achtelpause im zweiten und dritten Takt eine Dead Note spielen, das klingt gut und erhöht auch die rhythmische Sicherheit. Das Tonmaterial ist auch hier sehr übersichtlich und stammt aus G-Moll mit einem zusätzlichen C# im letzten Takt als Übergangston.

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Und weil die Flea-Grooves gerade so viel Spaß bringen, schieben wir als Zugabe gleich noch den Chorus von „Charlie“ nach. Flea spielt hier die vier Akkorde C-Moll, Bb-Dur, F-Dur und Eb-Dur im Kreis, in der letzten Runde kommt dann noch ein D-Dur Akkord dazu. Aber keine Angst, die Akkorde bestehen nur aus Grundton und Terz, wobei der Grundton immer auf der E-Saite und die Terz immer auf der G-Saite gegriffen wird. Dadurch entstehen zwar ebenfalls viele Lagenwechsel, man behält aber problemlos den Überblick, weil das Griffbild immer ähnlich ist. Jetzt müsst ihr nur noch darauf achten, dass der Grundton weiter klingt, während ihr die hohe Note, also die Terz anschlagt, sonst erklingt ja logischerweise kein Akkord. Am besten den Daumen also nicht auf der E-Saite,  sondern am Pickup abstützen. Und wie immer, auch wenn ich mich wiederhole: Erst langsam und präzise üben, später im Originaltempo!

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User Kommentare

Tobi schrieb:15:28 | 20.06.2011

sehr anfängerfreundlich und dezent geschrieben, ich hätte mir aber doch ein bisschen tiefgang in fleas technik, stil und auch zusammenspiel mit frusciante und vor allem chad smith gewünscht.. :/

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Autor

Rainer Wind

Rainer Wind ist studierter Musiker, Dozent und professioneller Live- und Studio-Bassist. Neben diversen TV-, Rundfunk- und Theaterproduktionen für RTL, Sat 1, WDR, ZDF kann Rainer auf musikalischer Seite auch Namen wie Joe Cocker, Ronan Keating, Zucchero, Westlife, Matthias Reim, Uli Beckerhoff, Hugo Read, Charly Mariano, Paul Shigihara und viele andere auf seiner Liste verbuchen.

Könnerlevel

Level
 
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