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Hughes & Kettner Tubemeister 5 Head und 110 Cabinet Test

Es gibt sie immer noch, die Menschen, die einen Großteil der neueren Geschichte verschlafen haben und das Saarland mit seinen Bewohnern kurzerhand dem Nachbarland Frankreich zuordnen. Per se ist das nicht unbedingt verwerflich, und die Saarländer haben es in ihrer wechselvollen Geschichte durchaus verstanden, das Beste aus beiden Welten mitzunehmen und zu ihrer Wesensart zu machen. So schlägt zweifellos die französische Seele durch, wenn es um Essen, um Trinken und alles das geht, was das Leben lebenswert macht. Und auch bei Hughes & Kettner ist der Bezug zum Nachbarland nicht zu übersehen – die Firmenzentrale hat ihren Sitz in einem Gebäude der ehemaligen französischen Garnison in Sankt Wendel. Die Produkte wie Tubermeister 5 Head und 110 Cabinet,  die von dort in alle Welt exportiert werden, verdienen allesamt den Stempel Deutsche Wertarbeit.

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Bei einem Rundgang durch die heiligen Hallen konnte ich mich von der Akkuratesse überzeugen, mit der man hier an die Entwicklung und Konstruktion neuer Produkte herangeht. In unterschiedlichen Abteilungen und Testlaboratorien werden Schaltungen perfektioniert und wird an Neuentwicklungen gefeilt, und diverse Produktionsschritte am Standort kommen nicht nur der Region zugute, sondern sichern auch den hohen Qualitätsstandart.

DETAILS

Konzept
Mit dem Tubemeister 5 präsentiert Hughes und Kettner einen weiteren Röhrenamp im Niederwattsektor. Im heimischen Wohnzimmer mit amtlichem Röhrensound abrocken, das ist nicht nur der Wunsch von Cleanfetischisten und Hank Marvin Fans, auch Blueser und beinharte Rocker wissen das zu schätzen. Bis ein ausgewachsener Röhrenamp die Lautstärke erreicht, bei der er sich klanglich voll entfaltet, haben in der Regel die Nachbarn dafür gesorgt, dass ein Sondereinsatzkommando mit Gehörschutz bereits vor der Wohnungstür wartet. Wer schon einmal versucht hat, einen AC 30 in die Endstufensättigung zu fahren, der weiß, wovon ich rede. Statt eines runden, fetten Röhrensounds geben ausgewachsene Röhrenamps bei Zimmerlautstärke oft nur ein sirziges Brizzeln von sich, bei dem wirklich keine Freude aufkommen will. Was unseren Testkandidaten anbelangt, liefert der nicht nur bei Zimmerlautstärke einen authentischen Röhrensound, sondern eignet sich auch zum Aufnehmen. Zwar bewerkstelligt das nahezu jeder Amp, aber hier hat man speziell zu diesem Zweck eine Red Box eingebaut, eine Speakersimulation also. Mit deren Hilfe kann man auch um Mitternacht recorden, ohne eine Box anschließen zu müssen. Ein Zugeständnis auch für die unter uns, die keine Lust auf digitale Gleichmachersounds haben. Mit dem Tubemaster 5 lässt es sich nach Herzenslust ausprobieren und mit diversen Vorschaltgeräten experimentieren, bis der individuelle Sound stimmt, genau so wie bei „großen“ Röhrenamps.

Aufbau und Bedienelemente
Der Tubemeister 5 wird in einem Softcase geliefert, das mich irgendwie an eine Kulturtasche erinnert. Die äußerst handliche Form und seine läppischen 3,5 Kilo machen den Transport zu einem absoluten Kinderspiel. Das Softcase besitzt einen seitlichen Reißverschluss, der den Weg zum kleinen Topteil öffnet, das man dann an einem der beiden Griffe herausziehen kann. Der Amp selbst ist sozusagen der kleine Bruder des Tubemeister 18. Im Gegensatz zu diesem ist er nur als reinrassiger Einkanaler erhältlich, bietet aber eine zusätzliche Zerrstufe. Diese wird mit dem Driveschalter aktiviert und spendiert dem Amp quasi einen halben Kanal zusätzlich.

Aufgebaut ist unser Probant recht simpel, und dazu kinderleicht zu bedienen. Rechts steckt man die Gitarre ein, deren Signal zuerst einmal über den Gainregler mit der gewünschten Verzerrung angereichert wird. Je weiter man diesen aufdreht, um so böser wird der Sound. Hier lassen sich auch alle Nuancen fein einstellen. Selbst Cleanfetischisten wissen heutzutage, dass ein leicht gesättigter Amp dem Sound schimmernde Obertöne hinzufügt und den Gesamtklang organischer und lebendiger erscheinen lässt. Der Driveschalter wirft eine volle Schippe Verzerrung in die Waagschale, mit der man, je nach Stellung des Gainreglers, locker in Heavy Rock Regionen vorstoßen kann. Direkt neben dem Gainregler liegt das Mastervolumen. Da wir uns in tatsächlich erträglichen Lautstärkenregionen aufhalten, kann man durchaus auch die Endstufe zum Verzerren auffordern. Dazu sollte man den Gainregler nicht zu weit aufdrehen, sonst erhält man einen sumpfigen Matschsound. Interessant wird es dabei ab der 15-Uhr-Stellung, weil sich dort die Verzerrung etwas anders gefärbt präsentiert und die Endstufe dem Sound eine spezielle Kompression hinzufügt. Der Amp besitzt eine effektive 3-Band-Klangregelung, bestehend aus Treble, Mid und Bass. Mit Vollgaseinstellungen sollte man an dieser Stelle vorsichtig sein und lieber von der 12-Uhr-Position aus an die Sache herangehen. Zuguterletzt wartet am linken Rand des Bedienfeldes der obligatorische ON/OFF-Schalter.
Rückseite
Auf der Rückseite befinden sich neben dem Netzanschluss noch zwei weitere Buchsen. Dabei handelt es sich um den Lautsprecheranschluss für 8 – 16 Ohm Boxen und eine XLR-Buchse, an der das frequenzkorrigierte Signal der Red Box abgegriffen wird. Ist kein Speaker angeschlossen, schaltet sich übrigens automatisch der integrierte Lastwiderstand ein. So kann man über Kopfhörer auch mitten in der Nacht in der Etagenwohnung Gitarrenspuren aufnehmen.

110 Cabinet
Als Ergänzung zum Tubemeister 5 Head bietet Hughes & Kettner eine passende Box an, die man auch als kleine Schwester der 112 Box bezeichnen könnte. Im Inneren des kompakten Gehäuses arbeitet ein 10 Zoll Celestion TEN 30 Speaker mit einer Leistung von 30 Watt an 16 Ohm. Damit bietet der Lautsprecher genügend Reserven und sollte der Ausgangsleistung des Verstärkers in jeder Situation gewachsen sein. Die Box ist sehr handlich und angenehm leicht. Trotz der geringen Größe produziert sie ein erstaunliches Fundament. Großen Anteil daran hat die Bassreflexöffnung, die dem Sound zusätzlichen Schub verleiht.

Klanglich bietet der 10 Zöller einen etwas anders gearteten Sound, eher wie ein 12 Zoll Speaker, denn hier kommen die oberen Mitten stärker zum Vorschein. Besser oder schlechter gibt es nicht, denn der Unterschied zwischen den beiden Lautsprechertypen ist reine Geschmackssache. Ich habe in meinen Fender Princeton vor vielen Jahren den 10 Zöller gegen einen 12 Zoll Speaker (Jensen) getauscht, was sich im Grunde nicht wirklich gelohnt hat. Der Sound wurde zwar etwas anders, aber nicht besser oder schlechter. Wenn man sich nicht sicher ist, welchen Speakertyp man bevorzugt, würde ich im Laden die beiden Tubemeister Cabinets 110 und 112 abwechselnd mit dem Topteil spielen und dann entscheiden, welcher Klang mir besser gefällt.

Kommentieren
Profilbild von Rainer

Rainer sagt:

#1 - 14.09.2014 um 19:34 Uhr

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Nettes Review! Ich frage mich nur, wo denn der Reverb im Clean-Soundbeispiel herkommt, wo der Amp doch weder einen digitalen, geschweige denn einen Federhall besitzt...?!?Sind die Crunch- und Higain-Samples genauso 'authentisch' aufgenommen worden...?

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Markus sagt:

#2 - 22.12.2014 um 19:05 Uhr

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Der Reverb wird wohl aus Mixer oder DAW kommen :-) Bei Aufnahmen des DI-Ausgangs oder auch dann, wenn das Mikro nah an der Box steht (close micing), gehört Raumklang einfach dazu, damit es nicht unnatürlich zweidimensional klingt.

Profilbild von Christian

Christian sagt:

#3 - 08.04.2015 um 17:22 Uhr

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Der Reverb mag dir zwar gefallen, macht es aber schwieriger die tatsächliche Klangqualität zu beurteilen. Und damit andere das können hast du doch diesen Testbericht geschrieben, oder nicht? Bitte lass in Zukunft alle Effekte oder Kompression/EQ/irgendwas weg, außer sie befinden sich direkt im Gerät welches du vorstellst. Sonst kannst du die Soundbeispiele genausogut sein lassen.
Dazu erwähnst du nichtmal welcher Reverb mit welchen Einstellungen.. was hast du dir dabei nur gedacht??Wenn du auf meine Kritik auch kommentierst so mach dies bitte mit Direktlinks zu Klangbeispielen von dem was du hier vorstellst ohne irgendwelche Effekte oder dynamische "Anpassungen". Alles andere hilft hierbei nicht gerade weiter, auch wenn du das anders siehst nicht. Klingt es ohne Effekte suboptimal brauchst du eventuell was besseres um den Amp aufzunehmen, oder eine bessere Abhöre. Oder der Amp klingt einfach so, und dann will ich genau dies auch bitte hören!

    Profilbild von J.F. Sebastian

    J.F. Sebastian sagt:

    #3.1 - 14.11.2015 um 10:48 Uhr

    1

    @ Christian: Genau das ist der Punkt !!! Besser hätte ich es selber nicht ausdrücken können.
    Da hier ja sehr oft auch von sehr "wohlwollenden" Produkt-Beurteilungen deutscher Hersteller (H&K, Engl, etc.) gesprochen wird, sollten diese Bedenken nicht noch zusätzlich durch eine absolut unnötige Effekt-Schönfärberei bestärkt werden...

    Antwort auf #3 von Christian

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Profilbild von Christian

Christian sagt:

#4 - 08.04.2015 um 17:26 Uhr

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Ich selbst wohne in keiner Kirche und verwende keinen Reverb Effekt. Weiß nun also nach deinem Bericht nicht was für ein Sound mich erwartet.

Profilbild von Uwe50

Uwe50 sagt:

#5 - 21.04.2015 um 15:50 Uhr

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Wieder so ein 5 Watt Mist, den eigentlich niemand so recht gebrauchen kann, der aber dennoch Hochstilisiert wird, weil niemand der ihn gekauft hat, zugeben will/kann, dass es ein Fehlkauf war, wie so oft bei diesen dümmlichen 1 & 5 Watt Amps. Auf diese Wattzahlen sollten sich reine ÜBUNGSCOMBOS für Anfänger beschränken,auf keinen Fall ein Topteil das an eine Box angeschlossen wird. Denn diese gaukelt gerade Anfängern und Unwissenden vor, das es sich um einen Vollwertigen Amp handelt. Für Livegigs, oder im Proberaum sind diese Dinger jedenfalls NICHT tauglich. Für zum Üben zu hause gibt es weitaus billigere Combos die ihren Zweck mehr als erfüllen.

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