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EBS Valvedrive DI Test

Als die schwedische Firma die erste Generation des Valvedrive vor vielen Jahren vorstellte, entwickelte sich der Class-A Röhrenverzerrer mit 3-Band EQ unmittelbar zum Geheimtipp. Vielfach wurde jedoch der Wunsch geäußert, EBS möge das Pedal doch bitte zusätzlich um einen symmetrischen XLR DI-Ausgang erweitern, damit man es auch als Standalone-Gerät im Studio oder auch auf der Bühne einsetzen kann – unabhängig von separatem Verstärker oder externer DI-Box. Mit diesem Wunsch zollten die User dem phänomenalen Grundsound des Valvedrive Respekt, der in der Tat dem eines Vollröhrenverstärkers gefährlich nahe kommt. In Wahrheit handelt es sich bei dem kleinen Treter nämlich eher um einen vollwertigen Röhrenpreamp im Pedalformat, als nur um ein weiteres Verzerrer-Pedal.

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Mittlerweile hat EBS die Rufe seiner Jünger erhört und präsentiert das Valvedrive DI-Pedal als zweite Generation des beliebten Gerätes. Rein äußerlich ist es von der Urversion kaum zu unterscheiden, solange man nicht auf die Rückseite blickt, an der nun der lang ersehnte DI-Ausgang platziert wurde. Hören wir also mal hinein, was das Generationsupdate mit sich bringt.

Details

Das EBS Valvedrive DI-Pedal besitzt exakt das gleiche schwarze Gehäuse wie sein Vorgänger, wobei die 12AX7-Röhre in einem kleinen verchromten Blechkäfig sitzt, der das Gerät optisch unverwechselbar macht. Zwei Schalter sitzen auf der leicht angeschrägten Frontplatte. Der linke dient der Auswahl zwischen zwei Soundcharakteren, die mit “modern” und “vintage” bezeichnet werden. Leuchtet die darüber liegende LED rot auf, ist der Modus “modern” aktiviert – leuchtet die LED gelb, ist der “vintage”-Sound aktiviert. Der rechte Schalter trägt die Beschriftung “bypass” und wurde ebenfalls mit einer LED ausgestattet. Dieser Schalter wirkt sich unterschiedlich auf die beiden Ausgänge auf der Rückseite des Pedals aus, was einer Erklärung bedarf:
Das Valvedrive-Pedal der ersten Generation war noch als reines Effektpedal konzipiert, das in erster Linie vor einen Verstärker geschaltet wurde. Der rechte Schalter trug damals die Aufschrift “active” und nicht “bypass”. Auf der Rückseite existierte ein kleiner Druckschalter, mit dem man zwei Funktionen dieses Schalters bestimmen konnte:
1. Die erste Funktion war “bypass”. Hier wurde der Effekt ausgeschaltet, so dass nur das trockene Basssignal zu hören war.
2. Die zweite Funktion war “mute”, in welcher das Signal komplett unterbrochen (also stumm geschaltet) werden konnte.
Beim neuen EBS Valvedrive DI-Pedal existiert diese Schaltoption nicht mehr, sondern die Schaltungsvarianten wurden wie folgt fest auf die beiden Ausgänge auf der Rückseite verteilt:
1. Ausgang 6,3 mm Klinke: Hier fungiert der “bypass”-Schalter tatsächlich als Bypass, das heißt man hat die Möglichkeit, zwischen dem unbearbeiteten und dem Effektsignal hin- und herzuschalten (Effekt an = LED leuchtet rot / Effekt aus = LED aus).
2. Ausgang XLR/DI: Hier hat der “bypass”-Schalter eine Mute-Funktion inne, schaltet das Signal also stumm. Am DI-Ausgang ist somit das Schalten zwischen unbearbeitetem und Effektsignal nicht möglich (Signal an = LED leuchtet rot / Signal stumm = LED aus).
Über die Gründe dieser Schaltungsvarianten kann man nur spekulieren. So dürfte das Pedal bei der Verwendung des DI-Ausgangs eher als Preamp dienen, denn als reines Effektgerät. In diesem Fall könnte man beispielsweise einen Tuner an den Klinkenausgang anschließen. Betätigt man nun den “bypass”-Schalter, so ist das Signal am DI-Ausgang stummgeschaltet und das Signal am Klinkenausgang (bzw. am Tuner) unbearbeitet. Somit lässt sich ggf. besser stimmen, als wäre das Signal noch auf Effektmodus geschaltet.

Fotostrecke: 3 Bilder Die verchromte Haube, unter der sich die 12AX7-Röhre versteckt, prägt das Äußere des Valvedrive

Verwendet man das Pedal hingegen ausschließlich als Effekt, so wird es sicherlich vor einem Verstärker oder einer Vorstufe innerhalb einer Effektkette liegen, und eine Mute-Funktion wäre auf dem Klinkenausgang eher unwichtig. Die “bypass”-Funktion hingegen wäre in diesem Falle durchaus sinnvoll.
Im dritten Szenario, bei dem man das Pedal als reine Vorstufe in Verbindung mit einer externen Endstufe verwendet, wird man den “bypass”-Schalter eher gänzlich unberührt lassen. Das Bypass-Signal wäre viel zu leise im Vergleich zum potenten Effektsignal, weil man sehr wahrscheinlich den Volumenregler weiter aufdrehen wird, als im reinen Effektmodus. Man würde sich also für einen festen Grundsound entscheiden. Somit ergibt die Zuordnung der Schaltungsfunktionen auf die beiden Ausgänge durchaus Sinn.
Allerdings muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass es bei der gleichzeitigen Verwendung der beiden Ausgänge (6,3 mm Klinke und XLR DI Out) generell nicht möglich ist, beide mit der gleichen Schaltfunktion des “bypass”-Schalters zu belegen. Hat man das Pedal also via Klinkenausgang vor seinen Verstärker geschaltet und möchte zwischen angezerrtem und “bypass”-Sound hin und her schalten, hat parallel dazu jedoch auch den XLR DI-Ausgang mit dem Mischpult im Saal verbunden, dann wird in dem Moment im Saal bzw. am Pult kein Signal mehr anliegen, denn der XLR-Ausgang wird simultan stumm geschaltet. Das ist sicher ein Szenario, welches eher selten in der Realität Anwendung finden wird. Sollte man allerdings genau diese Verwendung anstreben, so sei hier eine Warnung ausgesprochen! Zwar hätte EBS sicherlich auch beiden Ausgängen individuelle Schaltungsoptionen spendieren können, die alle Varianten ermöglichen. Doch das hätte natürlich zwangsläufig den Preis erhöht und viele User eher verwirrt, als unterstützt.

Durch das leicht angewinkelte Gehäuse sind die Regler geschützt
Durch das leicht angewinkelte Gehäuse sind die Regler geschützt

In der Mitte des Valvedrive-Pedals befindet sich (versenkt und geschützt angebracht) die Preampsektion mit Volumen- und Gainregler und einem 3-Band EQ. Alle Regler wurden mit schwarzen Bakelitknöpfen ausgestattet. Während der Volumenregler die Grundlautstärke regelt, bestimmt der Gainregler den Grad der Verzerrung bzw. die Röhrensättigung. Für einen kurzen Moment muss man sich allerdings erst einmal daran gewöhnen, dass der Volumenregler links außen und der Gainregler rechts außen sitzt. Diese Anordnung ist ja im Grunde seitenverkehrt, denn im typischen Aufbau eines (Pre-)Amps sitzt der Gainregler ja bekanntlich links, der Masterregler aber auf der rechten Seite.
Die Regler Treble, Middle und Bass bilden gemeinsam eine passive Klangregelung, bei der die Frequenzen ausschließlich abgesenkt werden können. Die Centerfrequenzen der einzelnen Filter wurden wie folgt gewählt:
– Höhen: 5000 Hz, 0 bis -6 dB, Kuhschwanzfilter (Shelve)
– Mitten: 400 Hz, 0 bis -12 dB, Notchfilter (also Filterglocke mit enger Frequenzweite bzw. kleinem Q-Faktor und hoher Flankensteilheit)
– Bässe: 80 Hz, 0 bis -15 dB, Glockenfilter Da sich die Regler gegenseitig beeinflussen, ist hier ein wenig Experimentieren erforderlich, um sich an ihre Wirkungsweise zu gewöhnen. Ein verhältnismäßig lineares Klangbild erhält man mit dem Bass- und Treble-Regler auf Minimum und dem Mittenregler auf Maximum.

Fotostrecke: 2 Bilder Volume, 3-fach EQ und Gain – mehr braucht es ja auch nicht

Auf der Rückseite befinden sich die bereits erwähnten zwei Ausgänge, ein 6,3mm-Klinkenausgang und ein XLR DI-Ausgang mit Groundlift-Schalter. Der Klinkeneingang für das Instrument verfügt über eine anwählbare 10dB-Absenkung – praktisch z.B. bei der Verwendung pegelstarker Aktivbässe. Mittig auf der Rückseite befindet sich der Anschluss für das mitgelieferte 9V-Netzteil. Auch hier liegt eine entscheidende Veränderung zum Vorgängermodell, das noch mit 12 Volt gespeist werden musste. Mit diesem Schritt wollte man eine bessere Kompatibilität mit gängigen Netzteilen erreichen. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass das Valvedrive DI-Pedal mindestens 700mA benötigt, viele gängige 9V-Netzteile aber beispielsweise nur 200mA liefern. Die Kompatibilität bleibt also immer noch etwas beschränkt.

Auf der Rückseite liegen die Anschlüsse, inkl. DI-Ausgang
Auf der Rückseite liegen die Anschlüsse, inkl. DI-Ausgang
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