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Drum Play-Alike – AC/DC Workshop

Die legendären Schlagzeug Grooves des Thunder from Down Under

Mit Audio- und Notenbeispielen zum Nachspielen

AC/DC sind der Prototyp einer Rockband: raue Musik von rauen Typen, ohne Netz und doppelten Boden. Unbeeindruckt von jeglichen Genre-Strömungen bleiben die fünf Australier seit den Siebzigern stilsicher auf ihrer Spur, was vielleicht ihr größtes Erfolgsrezept ist. Das bewiesen auch die weltweit ausverkauften Stadien der Tournee zur 2014er Platte „Rock Or Bust“, die natürlich wieder zu hundert Prozent nach AC/DC klingt.

AC/DCs Karriere beginnt bereits im Jahre 1973 mit der Bandgründung durch die Brüder Angus und Malcom Young. Besetzungswechsel aufgrund von Streitigkeiten, der Tod des ersten Sängers Bon Scott, sowie das krankheitsbedingte Ausscheiden von Gitarrist Malcolm Young hinterlassen im Laufe der Jahrzehnte tiefe Gräben, die den „Rock’N’Roll Train“ jedoch bis heute nicht stoppen konnten. Das mag unter anderem am typischen AC/DC Beat liegen, der von manchen als triviales „BummTschak“ abgetan wird, vor allem für Fans und erfahrene Musiker aber schlichtweg als heiliger Gral des Rock Drummings gilt. Vor diesem Hintergrund schauen wir uns in diesem bonedo Workshop einige Drumparts von AC/DC Klassikern wie „T.N.T.“ oder „Back In Black“ an. 

Sound & Stil

Das Sound-Konzept von AC/DC ist so einfach wie genial. Während viele Rockbands ihre Songs mittlerweile im Schichtverfahren produzieren, also jedes Instrument nacheinander einspielen, vertrauen AC/DC im Studio auf die gute alte Magie des Zusammenspiels - lediglich die Gitarrensoli und die Vocals werden im Nachhinein beigesteuert. Diese Herangehensweise bildet neben dem bewussten Verzicht auf jegliche Special Effects den Grundpfeiler des klassischen AC/DC Sounds: zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug und ein Frontmann – fertig! So ungekünstelt der Sound der fünf Australier ist, so schnörkellos sind ihre Arrangements gestrickt, die immer auf einem markanten Gitarrenriff basieren, das von einem kongenialen Fundament aus Drums und Bassgitarre unterstützt und ergänzt wird.

Erdiger Drumsound, der vor allem durch seine Songdienlichkeit beeindruckt

Logischerweise fällt der Drumsound bei AC/DC bis auf wenige Ausnahmen trocken und erdig aus. Das gilt sowohl für „den“ AC/DC Drummer Phil Rudd, als auch für Chris Slade, der aktuell wieder die Stöcke bei AC/DC schwingt. Beide schwören auf große Trommeln und mächtige Becken (der Firma Paiste). Das klassische AC/DC Drumming setzt sich aus einer kräftigen Spielweise, wenigen bis keinen Ghostnotes und rundum Groove-orientierten Parts zusammen. Ein weiteres Merkmal ist das „elastische Timing“ innerhalb vieler Songs! Bei genauerem Hinhören lässt sich etwa bei Klassikern wie „Highway To Hell“ oder „Thunderstruck“ ein deutlicher Tempoanstieg im Verlauf des Songs oder im Übergang zum Refrain („You Shook Me All Night Long“) feststellen. Dabei heißt es doch, AC/DC spielen immer unfassbar „laid back“?! Natürlich tun sie das, denn das eine hat mit dem anderen im Grunde nichts zu tun! AC/DC sind der lebende Beweis dafür, dass man getrost innerhalb eines Taktes total entspannt klingen kann, während man gleichzeitig über mehrere Takte hinweg, oder aber für einzelne Songparts, das Tempo steigert. „Mikrotiming“ heißt hier das Zauberwort. Und dass ein paar bpm (beats per minute) mehr einen Refrain manchmal erst so richtig zünden lassen, weiß mittlerweile vielleicht nicht jedes Kind, aber immerhin jeder Producer.

Generell glänzt das Drumming bei AC/DC also eher durch Songdienlichkeit als durch Virtuosität. Genauer gesagt ist das Spannende an den Drumtracks von Phil Rudd oder Chris Slade das, was „zwischen den Noten“ passiert: Wie wirkt sich beispielsweise die Hi-Hat-Akzentuierung auf das Groove-Gefühl aus? Wo liegen Bass Drum und Snare im Vergleich zur Bassgitarre? Inwiefern verzahnt sich der Drumbeat mit dem Gitarrenriff? Hört man sich nun mit diesen Fragen im Hinterkopf einen beliebigen AC/DC Song an, wird man feststellen, dass es sich beim typischen AC/DC „BummTschak Beat“ also wohlgemerkt um absolut charmantes und geschmackvolles Musizieren handelt. Das beweisen auch die neun Song-Beispiele, denen wir uns nun widmen wollen. Auf geht’s!

Die Bon Scott-Ära

T.N.T. (1976)

Beginnen wir mit dem Song „T.N.T.“, der 1976 auf AC/DCs Debüt „High Voltage“ erschien und bis heute als absoluter Klassiker gilt. Der Bandsound auf „High Voltage“ ist im Vergleich zu späteren Platten noch stärker dem Blues und weniger dem Hard Rock verschrieben. „T.N.T.“ legt mit prägnanten Gitarrenriffs und stampfenden Achtel-Beats von Phil Rudd  jedoch den Grundstein für den explosiven AC/DC-Sound. Der Song beginnt mit einem lauten Abschlag auf dem Crash-Becken, auf den ein dreitaktiges Achtel-Crescendo mit den Toms folgt, bevor eine einfache Viertel-Bassdrum die Grundlage für das charismatische „T.N.T“ Gitarrenriff legt.

Als dezente Steigerung spielt Phil ab der zweiten Hälfte der ersten Strophe alle zwei Takte einen Snare-Akzent auf der Zählzeit „2“.

Der Refrain wird kollektiv durch eine vorgezogene „1“ angekündigt, auf die eine zweitaktige Pause folgt, in der lediglich die Gitarren und die Becken ausklingen. Mit einem eingeschobenen Zweivierteltakt startet daraufhin der Refrain durch fette Crash-Akzente, die den explosiven Songtext „T – N – T“ markieren. Phil spielt jetzt erstmalig einen Hi-Hat Beat. Nach einem kurzen Fill-In und einer weiteren vorgezogenen „1“ fällt der Song in die Strophe zurück, die Phil wieder zunächst mit einer Viertel-Bassdrum begleitet.

Mit erneutem Gesangeinsatz spielt Phil in der zweiten Strophe daraufhin die Snare auf „2“ und „4“.

Dirty Deeds Done Dirt Cheap (1976)

Noch im selben Jahr folgt AC/DCs zweite Platte „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“. Der Titelsong, dessen Name übrigens der Comicserie „Beany and Cecil“ entsprungen ist, erinnert vom Sound und Feeling stark an „T.N.T.“, besitzt jedoch seine ganz eigenen Highlights. Der Song startet mit einem stampfenden Achtel-Beat, den Phil statt auf der Hi-Hat auf dem Floor Tom spielt.

In der Strophe rutschen die Snare-Akzente auf die Zählzeiten „1“ und „3+“, wodurch ein prägnantes Pattern entsteht.

Gegen Ende der Strophe verdichtet sich der Beat durch eine deutliche Betonung des Viertelpulses, ehe fünf Achtel-Hits auf den Toms und ein „geflamter“ Snare-Abschlag auf „4“ in den Refrain überleiten.

Den Refrain selbst treibt Phil daraufhin wieder mit einem Hi-Hat Beat voran, der aus heutiger Sicht für AC/DC eine auffällig dichte Bassdrum-Stimme besitzt. Ähnlich wie im Beispiel „T.N.T.“ werden hier die Wörter „DONE – DIRT – CHEAP“ mit lauten Crash-Akzenten unterstrichen.

Gegen Ende des Songs startet nach einem ruhigen Teil ein brachiales Outro, das durch viele vorgezogene Akzente und einige Fill-Ins sicherlich bis heute zu den ambitioniertesten Drumming-Momenten in AC/DCs Diskographie zählt.

Whole Lotta Rosie (1977)

„Whole Lotta Rosie“ ist auf dem 1977er Album „Let There Be Rock“ zu finden und gehört zu AC/DCs Uptempo-Repertoire. Sofort bleibt das markante Intro-Riff im Ohr, das Phil  rhythmisch Eins zu Eins auf das Drum Set überträgt.

Weiter geht es mit einem Achtel-Beat mit Hi-Hat, Snare und Bass Drum, der als Grundlage der Strophe dient. Phil betont den Viertelpuls sehr stark mit der Hi-Hat, wodurch der Songpart trotz des hohen Tempos die nötige Schwere bekommt:

Etwas wilder geht es dann im Refrain zu, indem Phil die punktierten Akzente der Gitarren in den Spielfluss des Grooves integriert. Der Refrain endet mit einem zweitaktigen Akzent-Pattern, das Phil mit fetten Abschlägen auf den Crash-Becken unterstützt.

Highway To Hell (1979)

Mit dem Album „Highway To Hell“ gelang AC/DC im Jahr 1979, ein Jahr bevor Frontmann Bon Scott verstarb und Brian Johnson seinen Platz einnahm, der große Durchbruch. Der Titeltrack ist wohl der meistgecoverte und vielleicht bekannteste AC/DC Song überhaupt. Nach einem viertaktigen Gitarrenintro setzen die Drums ein. Auch auf dieser Autobahn zur Hölle ist eine starke Viertelbetonung der Hi-Hat essentiell für das gelassene Feeling des Songs. Um diesen Effekt zu erahnen, könnt ihr euch hier den Beat mit und ohne Viertel-Betonung der Hi-Hat anhören:

Den Übergang zum Refrain spielt Phil mit einem zweitaktigen Achtel-Crescendo auf dem Floor Tom und der Snare, während er den Viertelpuls mit der Bass Drum weiterführt.

Ein lauter Snare-Abschlag auf der „4“, und schon startet einer der berühmtesten Refrains der Rockgeschichte! Ihr seht hier den ersten Refrain notiert, der zum Ende hin nach einer zweitaktigen Pause mit einer vorgezogenen „1“ in die zweite Strophe überleitet.

Nach dem zweiten Refrain folgt ein kurzer Zwischenpart mit fetten Abschlägen auf dem Crash-Becken. Bei diesen Akzenten handelt es sich um punktierte Achtel, die Phil mit je zwei Bassdrum-Schlägen auffüllt.

Die Brian Johnson-Ära

Back In Black (1980)

Mit dem neuen Frontmann Brian Johnson an Bord gelingt AC/DC im Jahr 1980 mit „Back In Black“ ein Album, das bis heute zu den meistverkauften Tonträgern überhaupt zählt. Der Titeltrack startet mit einem besonders interessanten viertaktigen Gitarrenriff. In gewohnter AC/DC Manier spielt Phil zunächst ergänzend dazu einen deftigen Achtel-Beat mit Bassdrum-Schlägen auf „1“ und „3“, sowie Snare-Schlägen auf „2“ und „4“. Im vierten Takt des Gitarrenriffs startet auf der Zählzeit „2“ eine synkopische Figur aus Dreiergruppen, die Phil unisono mit der Snare und der Hi-Hat/Bass Drum mitspielt.

Im Refrain unterstützt Phil die jetzt deutlich dichtere Gitarrenarbeit der Gebrüder Young zwar weiterhin mit demselben „BummTschak“-Beat, markiert dabei jedoch jede „1“ mit einem Schlag auf dem Crash-Becken. Am Ende des Refrains folgen daraufhin drei fette Beckenabschläge in Form von punktierten Achtelnoten, sowie ein geflamter Akzent auf der Snare auf Zählzeit „4“.

Nach dem Gitarrensolo, das auf einer Variation der Strophe basiert, folgt ein fulminanter Instrumentalpart, der aus einem windigen Gitarrenriff besteht, das Phil nun mit einem dichteren Drumbeat begleitet. Er spielt die Snare jetzt in Vierteln, während er dem Ganzen durch viele Beckenschläge die nötige Portion „Alarm“ verleiht. Das Notenbeispiel zeigt zu Anschauungszwecken eine verkürzte Version dieses Instrumentalparts:

Hells Bells (1980)

Ein weiterer Klassiker auf „Back In Black“ ist der Song „Hells Bells“. Nach einer atmosphärischen Melange aus Gitarre und Becken im Intro kommt der Song mit einem straighten Achtel-Beat plötzlich in Fahrt. Interessant ist hier, dass Phil zunächst alle Snare-Schläge mit einem Schlag auf dem Crash-Becken kombiniert, bis ein zweites Gitarrenriff folgt, das die Strophe einleitet.

Dasselbe Phänomen finden wir auch im Refrain wieder. Spannend ist hier der Übergang aus dem ersten Vers heraus, den Phil mit einem kurzen Fill-In zwischen Snare und Bass Drum spielt, wobei er daraufhin die „1“ zu Beginn des Refrains nicht sonderlich betont, also quasi „überspielt“.

Nach dem zweiten Refrain folgt das klassische Gitarrensolo von Angus Young, das nach vier Takten von einem dichten Akzentpattern der Rhythmusfraktion begleitet wird. Die besagten Akzente liegen dabei allesamt auf den Achtel-Offbeats, die durch die Drums jeweils mit fetten Crash-Beckenschlägen unterstützt werden.

You Shook Me All Night Long (1980)

Dieser Song ist ein vergleichsweise flotterer Vertreter auf „Back In Black“. Im Vers spielt Phil einen Achtel-Beat, der durch Bass Drum auf „1“ und „3 +“ dezent von der klassischen AC/DC-like Viertelbetonung abweicht.

Daraufhin leiten zwei vorgezogene Akzente den Refrain ein.

For Those About To Rock (We Salute You) (1981)

Der Titeltrack der 1981er Platte „For Those About To Rock (We Salute You)“ ist eine waschechte Rockhymne, die ein anständiges Arrangement aus mehreren verschiedenen Parts beinhaltet. Das Intro ziert zunächst ein klirrendes Gitarrenpattern, das Phil über mehrere Takte behutsam in seiner Intensität steigert. Daraufhin startet das Hauptriff des Songs und zeitgleich ein schwerer Halftime Beat, den Phil mit vielen Bassdrum-Schlägen ausschmückt.

In der Strophe spielt Phil daraufhin die Hi-Hat in Vierteln, wodurch ein starker Kontrast zur vorgezogenen „1“ in Takt Nr.  3 entsteht.

Das Gitarrensolo startet nach dem zweiten Refrain. Phil spielt hier weiterhin den besagten Halftime Beat, gibt diesem aber durch stärkeres Öffnen der Hi-Hat etwas mehr Power. In der zweiten Hälfte des Soloparts spielt die Rhythmusgruppe mehr Akzente, die Phil wieder gekonnt in den Spielfluss des Beats einbaut.

Gegen Ende nimmt der Song noch einmal richtig Fahrt auf. Nach einigen Beckenabschlägen startet ein donnerndes Outro, wobei Phil nun keinen Halftime Beat, sondern einen Fulltime Beat (Snare-Akzente auf „2“ und „4“) spielt. Das Tempo fühlt sich jetzt also doppelt so schnell an.

Zum Schluss des Songs werden die Beckenabschläge vom Anfang des Outros wiederholt und mit kurzen Snare Fills aufgefüllt.

Thunderstruck (1990)

„Thunderstruck“ vom 1990er Album „The Razors Edge“ zählt zu den wenigen Songs, für die Chris Slade im Studio die Stöcke schwingen durfte. Das berühmte Gitarrenintro zieht sich eine ganze Weile hin, während es durch einen grölenden Männerchor und fette Schläge auf die Toms („Thun-der“) unterstützt wird. Nach knapp zwei Minuten startet Chris mit einem interessanten Fill-In, bei dem er, auf  Zählzeit „1 +“ beginnend, punktierte Achtelnoten auf den Toms und der Snare spielt. Daraufhin beginnt er einen straighten Achtel-Groove zu spielen. Dieser Beat unterscheidet sich im Detail wohlgemerkt vom Stil des vormaligen Drummers Phil Rudd. Chris spielt die Hi-Hat wesentlich linearer und „kleiner“ als man es von Phil kennt, wodurch der Beat eine etwas treibendere und weniger schwere Note bekommt.

Bevor der erste richtige Refrain von „Thunderstruck“ losgeht, spielt die gesamte Band knackige Stops auf den ersten drei Zählzeiten, sowie in einem weiteren Takt auf der Zählzeit „4“. Chris verteilt diese Stops auf die Toms und die Bass Drum. Die zweitaktige Phrase wird insgesamt viermal wiederholt, wobei der allerletzte Stop durch einen kleinen Pick-Up in Form von zwei Sechzehnteln auf der Snare ersetzt wird. Im Refrain geht Phil wieder zurück in den Beat der Strophe, wobei er jeden Taktanfang mit einem kräftigen Schlag auf das Crash-Becken markiert.

Nach dem Gitarrensolo fällt die Dynamik des Songs während des Re-Intros kurz ab, bevor Chris mit einem eintaktigen Fill-In das tobende Outro einleitet. Er markiert dabei überwiegend die Achtel-Offbeats, was einen interessanten Effekt bewirkt. Für meine Ohren klingt diese Stelle ähnlich einem rückwärts abgespielten Beat. Hört und schaut selbst:

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren der Notenbeispiele.

Bis zum nächsten Mal!

Jonas

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