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Die 10 größten Fehler bei der Kompressor-Einstellung

…und Tipps, wie man den Audio-Compressor richtig bedient.

Das Kompressor-Kompendium

Warum knallt eure Snare nicht so, wie ihr es von aktuellen Chartproduktionen gewöhnt seid? Die Vocals setzen sich nicht richtig durch, obwohl ihr stundenlang am Sound herumgeschraubt habt, Bassdrum und Bass grummeln vor sich hin und das Klangbild wirkt matschig und unausgeglichen?

Häufig ist die Kompression der Einzelsignale und der Stereosumme eine gute Möglichkeit, die Signale präsenter zu bekommen und den Mix zu einer homogenen Einheit zusammenzufügen. Doch leider kann man beim Einsatz von Kompressor, Limiter und Leveler recht viel verkehrt machen. Fehler bei der Kompressor-Einstellung sind in der Mischung dann eventuell deutlich hörbar und bewirken das Gegenteil von dem, was ihr eigentlich wolltet. So kann es sein, dass die Lautstärke der Leadvocals bei zu harter Kompression unnatürlich stark schwankt - je nachdem, wie Threshold, Attack, Release, Ratio usw. eingestellt wurden. Oder ihr komprimiert die Stereosumme, um eurem Song so richtig Schubkraft zu verleihen, aber die lauten Instrumente, wie Bassdrum und Snare stoßen den Kompressionsvorgang an und der gesamte Track wird im Rhythmus lauter und leiser. Dieser Effekt wird "Pumpen" genannt und ist häufig unerwünscht - kann bei passender Anwendung und Dosierung aber auch den Rhythmus unterstützen. Damit euch die Einstellung des Kompressors möglichst leicht von der Hand geht, schauen wir uns die 10 größten Fehler, die ihr vermeiden solltet, einmal näher an.

Fehler 1: Unpassende Einbindung des Kompressors in den Signalfluss

 

Bei Analogpulten und in Audioprogrammen der Standard: Kompressor im Insert

Um den Kompressor richtig nutzen zu können, solltet ihr euch Gedanken darüber machen, wie ihr den Effekt in den Signalweg einbindet. In der Regel wird der Kompressor in einen Kanalzug insertiert - mit anderen Worten: Das Signal wird aus dem Kanalzug herausgeführt und über die Insert-Send-Schnittstelle in den Eingang des Kompressors geroutet. Das Ausgangssignal des Kompressors gelangt wieder zurück über die Insert-Return-Buchse des gleichen Kanals. Bei der Arbeit mit DAWs wie Logic, Cubase oder ProTools wird das Plug-In einfach im Kanalzug aktiviert. Auf diese Weise wird das gesamte Signal des Kanalzugs komprimiert, wodurch der Kompressionseffekt eine sehr hohe Wirkung erzielt.

Macht manchmal mehr Sinn: Parallelkompression mit Send-Abgriff

Im Unterschied zu Send-Effekten wie Hall, Delay und Chorus wird der Kompressor in der klassischen Signalfluss-Variante also nicht über einen Aux-Weg angesteuert. Bei den Send-Effekten wird ein Teil des Signals abgezweigt und dem Effekt zugeführt - das Effektsignal wird dann dem trockenen Signal nach Belieben hinzugemischt. Auch den Kompressor könnt ihr mit einem solchen Routing ansteuern, um den komprimierten Teil des Signals mit dem unkomprimierten Signalanteil zu mischen. Diese Art der Kompression wird Parallelkompression oder auch New York-Kompression genannt. Insbesondere bei den Vocals macht Parallelkompression häufig Sinn, weil die Stimme so ihre Natürlichkeit behält, aber trotzdem einen Schub nach vorn bekommt. Bei der Ansteuerung des Kompressors müsst ihr einen Bus Send in dem Kanalzug einfügen, dessen Signal ihr komprimieren wollt. Dann insertiert ihr den Kompressor in den Buskanal und mischt das trockene und das komprimierte Signal über die Kanalfader zusammen (siehe Abbildung 1). Manche neuere Hardware-Kompressoren und Plug-Ins besitzen auch ganz einfach einen Dry-/Wet-Regler, so dass man das Verhältnis auch einstellen kann, wenn der Effekt als Insert verwendet wird.

Fehler 2: Zu niedriger Threshold

Nachdem ihr den Kompressor entsprechend euren Wünschen im Signalfluss habt, kommen wir nun zur richtigen Einstellung der Parameter. Mit dem Threshold bestimmt ihr, ab welchem Pegel der Kompressor zu arbeiten anfängt. Übersteigt das Steuersignal den Threshold (auch passend "Schwellwert") genannt, dann regelt der Kompressor das Eingangssignal zurück. Wenn der Schwellwert zu niedrig eingestellt ist, dann komprimiert der Kompressor nicht nur die Signalspitzen, sondern das gesamte Programmmaterial - er ist also sozusagen im Dauerbetrieb. Das hat zur Folge, dass ihr eine sehr hohe Gain Reduction bekommt - diese wird bei den meisten Kompressoren durch eine LED-Kette angezeigt und sollte sich im mittleren Anzeigebereich bewegen. In der Abbildung ist der Logic Compressor dargestellt, der als bordeigenes Plug-In in der DAW-Software Logic Audio integriert ist. Ihr seht, dass der Threshold auf einen Wert von -50 dB eingestellt ist und die Gain Reduction bei satten -35 dB liegt. Für die meisten Kompressor-Anwendungen ist ein solcher Wert viel zu hoch, da die Regelvorgänge des Kompressors dann deutlich hörbar werden. Insbesondere wenn ihr neben der niedrigen Threshold auch noch eine hohe Kompressionsrate eingestellt habt, wird das Signal "totkomprimiert" und verliert unter Umständen seine gesamte Dynamik.

Im ersten Hörbeispiel hört ihr eine Gesangspassage ohne Kompression. Der zweite Track demonstriert eine Kompression, bei der ein extrem niedriger Threshold in Kombination mit einer hohen Ratio und sehr kurzer Releasetime eingestellt wurde. Dadurch werden Atmer und Störgeräusche sehr auffällig und der Regelvorgang des Kompressors deutlich hörbar. Für die Experten unter euch habe ich die genauen Einstellungswerte des Logic Kompressors aufgeführt und rechts daneben ist ein Sreenshot der Plug-In-Einstellungen zu sehen.

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 2

Kompressor-Typ: PlatinumRatio: 6.1:1
Threshold: -50 dBCharakteristik: Hard Knee
Attack: 1.5 msRelease: 7.1 ms
Gain: 23.0 dBAuto Gain: Off
Peak-Modus: OnLimiter: Off

Um die oben beschriebenen Fehler zu vermeiden, könnt ihr bei der Threshold-Einstellung nach folgendem Fahrplan vorgehen:

  1. Ihr wählt eine mittelstarke Ratio von 2:1 bis 4:1.
  2. Ihr stellt die Attack- und Releasezeiten auf mittlere Werte ein, z.B. Attack auf 30 ms und Release auf 150 ms.
  3. Nun stellt ihr den Threshold-Regler so ein, dass die Gain Reduction-Anzeige ein Drittel bis maximal zur Hälfte aufleuchtet. Meist habt ihr dann -10 dB bis -15 dB Gain Reduction.
  4. Schließlich regelt ihr mit dem Output Gain die Verstärkung des Kompressors so weit nach, dass der Lautstärke-Eindruck von komprimiertem und unkomprimiertem Signal ungefähr identisch ist. Durch mehrmaliges Umschalten zwischen Kompression und Bypass-Modus könnt ihr vergleichen, wie der Kompressor arbeitet und was er mit dem Signal macht.

Wenn ihr den Kompressor auf diese Weise einstellt, dann reduziert er zwar die Pegelspitzen, aber lässt die leiseren Anteile des Signals unkomprimiert durch. Mit dieser Basis-Einstellung könnt ihr nun an das "Feintuning" des Kompressors herangehen.

Fehler 3: Falsche Ratio/Kompressionsrate

Mit der Kompressionsrate bestimmt ihr, wie stark der Kompressor bei Überschreiten des Threshold den Eingangspegel zurückregelt. Ist die Kompressionsrate, auch einfach "Ratio" genannt, zu hoch, dann packt der Kompressor sehr hart zu und regelt das Eingangssignal massiv zurück. In diesem Fall hört man die Arbeitsweise des Kompressors meist recht deutlich und das ist nicht immer erwünscht. Generell gilt: Bei der Kompression der Vocals oder der Stereosumme solltet ihr eine eher weiche Kompression mit einer Ratio von 2:1 bis 4:1 fahren. Bassdrum, Snare, Toms sowie Percussion und den E-Bass könnt ihr ruhig etwas härter komprimieren, damit diese Signale knackig klingen. Hier sind Kompressionsraten von 4:1 bis 8:1 üblich, wobei es bei der Kompression der Schlagzeuginstrumente darauf ankommt, dass der erste Anschlag der Trommel noch unkomprimiert durchkommt. Dafür ist dann jedoch die richtige Einstellung der Attacktime zuständig, und die schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.

In den Hörbeispielen habe ich die Gesangspassage, die ihr aus den ersten beiden Beispiel-Tracks kennt, wieder mit dem Logic Compressor bearbeitet. Inm ersten Hörbeispiel ist eine viel zu hohe Ratio von 26:1 angewählt. Ihr hört deutlich die Arbeitsweise des Kompressors: Atmer, Schmatzer und Klicks zum Silbenanfang werden besonders stark betont und die Dynamik des Gesangstracks ist auf ein Minimum reduziert. In nachfolgenden Hörbeispiel habe ich eine Kompressionsrate gewählt, die eine relativ unauffällige Kompression der Vocals bewirkt. Auch hier sind die Einstellungswerte und der Screenshot für diese Kompressor-Einstellung unten aufgeführt.

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 3

Kompressor-Typ: PlatinumRatio: 26.0:1
Threshold: -44.5 dBCharakteristik: Hard Knee
Attack: 12.5 msRelease: 68.0 ms
Gain: 26.0 dBAuto Gain: Off
Peak-Modus: OnLimiter: Off

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 4

Kompressor-Typ: PlatinumRatio: 4.4:1
Threshold: -36.0 dBCharakteristik: Hard Knee
Attack: 12.5 msRelease: 97.0 ms
Gain: 15.5 dBAuto Gain: Off
Peak-Modus: OnLimiter: Off

Fehler 4: Falsche Attacktime beim Kompressor

Mit der Attacktime stellt ihr die Einschwingzeit des Kompressors ein und somit die Zeit, die der Kompressor braucht, bis er das Signal nach Überschreiten des Schwellwertes zurückgeregelt hat. Ist die Attacktime zu klein, dann wird die Einschwingphase des Signals mitkomprimiert. In diesem Fall packt der Kompressor schon zu, obwohl sich der Ton noch gar nicht richtig entwickelt hat. Bei sehr kurzer Attacktime unter einer Millisekunde kann es sein, dass der Wellenverlauf tieffrequenter Instrumente wie Bass oder Bassdrum so schnell zurückgeregelt wird, dass das Signal einen Sprung bekommt - es kommt zu einem knackenden Geräusch und der Bass klingt dann verzerrt. Im Falle von perkussiven Instrumenten wie Snare oder Bassdrum solltet ihr eine etwas größere Attacktime wählen, z.B. 20 bis 50 ms. So kommt der erste Anschlag der Bassdrum noch unkomprimiert durch, bevor das Volumen des Instruments durch Kompression verdichtet wird. Eine zu kurze Attacktime bei Schlaginstrumenten bewirkt, dass die wichtigen ersten Transienten nicht durchkommen und die Bassdrum dann klingt wie ein nasser Sack. Eine zu lange Attacktime wiederum bewirkt, dass sich das Instrument schon in der Ausklingphase befindet, bevor der Kompressor richtig zupackt. Dann ist es natürlich zu spät und der Kompressor ist so zusagen unwirksam - ihr fahrt also mehr oder weniger im Bypass-Modus.

Im Hörbeispiel ist eine Bassdrum zu hören, die zwar mit einem Distortion-Effekt, aber noch nicht mit einem Kompressor bearbeitet worden ist. In Hörbeispiel danach gibt's dieselbe Bassdrum mit dem Logic-Kompressor bearbeitet, wobei ich eine sehr kurze Attacktime von 2 Millisekunden eingestellt habe. Ihr hört, dass die Bassdrum totkomprimiert und der Anschlag bedämpft wird, wodurch der Kick und der Biss fehlen. Im letzten Hörbeispiel habe ich lediglich die Attacktime auf 44 ms hochgedreht und schon bekommt die Bassdrum wieder Biss und Körper.

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 6

Kompressor-Typ: Studio FETRatio: 3.3:1
Threshold: -15.0 dBCharakteristik: -
Attack: 2.5 msRelease: 81.0 ms
Gain: -8.5 dBAuto Gain: 0dB
Peak-Modus: OnLimiter: Off

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 7

Kompressor-Typ: Studio FETRatio: 3.3:1
Threshold: -15.0 dBCharakteristik: -
Attack: 44.0 msRelease: 81.0 ms
Gain: -10.0 dBAuto Gain: 0dB
Peak-Modus: OnLimiter: Off

Fehler 5: Kompressor-Releasetime zu kurz gewählt

Mit der Releasetime stellt ihr ein, wie lange der Kompressor braucht, um die Kompression nach Absinken des Steuersignals wieder zurückzunehmen. Ist die Releasetime zu kurz, dann wird die Kompression sehr schnell wieder aufgehoben und die Bedämpfung des Eingangssignals wieder zurückgenommen. Der Kompressor hebt nun die unkomprimierte Ausklingphase des Klanges an, was zum Beispiel bei der Kompression der Schlagzeugsumme dazu führt, dass Sustain und Hallfahne der Snare angehoben werden. Das kann durchaus einen schönen Effekt ergeben, aber ingesamt wird das Klangbild der Drums dadurch unruhig und weniger natürlich. Meist liegt ihr bei der Releasetime einigermaßen richtig, wenn ihr eine grobe Voreinstellung im Bereich 100 bis 200 ms vornehmt.

Fehler 6: Zu hoher Output nach der Kompression

Mit dem Output-Regler bestimmt ihr die Verstärkung des Ausgangssignals. Wenn ihr eine hohe Ausgangsverstärkung wählt, dann klingt das komprimierte natürlich lauter als das unkomprimierte Signal. Da das Gehör entsprechend der Empfindung "lauter gleich besser" reagiert, werdet ihr das Gefühl haben, dass der Kompressor nun ordentlich zupackt. Doch dieser zusätzliche "Druck" entsteht nicht durch die Wirkungsweise des Kompressors, sondern dadurch, dass der Kompressor das Signal wie ein Verstärker im Pegel anhebt. Ihr könnt in diesem Fall die Wirkungsweise des Kompressors - also die Signalverdichtung - nicht richtig beurteilen. Aus diesem Grund solltet ihr bei der Einstellung des Kompressors mehrfach zwischen Kompression und Bypass umschalten und den Output-Regler so einstellen, dass ihr das komprimierte und das unkomprimierte Signal als ungefähr gleichlaut empfindet.

Fehler 7: Hardknee/Softknee am Kompressor unpassend eingestellt

Mit dem Hardknee- Softknee-Regler bestimmt ihr, wie hart die Kompression einsetzt, nachdem das Steuersignal den Threshold überschritten hat. Wenn ihr "Hardknee" wählt, dann setzt die Kompression abrupt ein - der Kompressor reagiert also mit minimaler Verzögerungszeit und regelt die Pegelspitzen mit der durch die Attacktime angewählten Ansprechzeit ab. Die Hardknee-Einstellung ist immer dann gut geeignet, wenn ihr perkussiven Signalen, wie Drums oder Percussion den richtigen Kick verpassen wollt. Im Unterschied dazu wird die Softknee-Charakteristik häufig verwendet, um eine möglichst unhörbare Kompression zu erhalten, zum Beispiel bei den Vocals. In der Softknee-Charakteristik fährt der Kompressor weich in die Kompression hinein, indem er schon vor Erreichen des Thresholds mit einer leichten Kompression einsetzt und die volle Ratio erst nach einem gewissen Pegel über dem Threshold erreicht.

Fehler 8: VCA, Opto... Wahl des falschen Kompressor-Typs

Jeder Kompressortyp hat seinen eigenen Sound. Wenn ihr einen VCA-Kompressor wählt, dann wird die Regelfunktion durch eine Transistorschaltung gesteuert. Bei einer solchen Schaltung lassen sich die Parameter sehr exakt einstellen und somit die Wirkungsweise des Kompressors sehr genau dosieren. Auf der anderen Seite klingt die Kompression eines VCA-Kompressors häufig ein wenig hart und eignet sich somit eher für perkussive Signale. Ein häufig benutzter VCA-Kompressor ist zum Beispiel der dbx 1066, der gerade im Live-Bereich häufig eingesetzt wird. Ein ganz anderes Regelverhalten hat der Optokompressor: Als Regelelement wird hier eine Kombination aus Leuchtdiode und Fotowiderstand verwendet und dieser Regelprozess geht eher träge vonstatten. Optokompressoren weisen also etwas längere Attack- und Releasezeiten auf als ihre VCA-Kollegen, was aber von unserem Ohr als musikalisch empfunden wird. Deshalb eignet sich der Optokompressor besonders gut für die Kompression von Bass, Gitarre und Vocals. Ein Beispiel für einen Optokompressor ist der legendäre LA-2A von Universal Audio.

Viele Software-Kompressoren, wie zum Beispiel der Kompressor in der DAW-Software Logic Audio, bieten die Anwahlmöglichkeit unterschiedlicher Kompressortypen. Macht von diesen Möglichkeiten Gebrauch und probiert aus, welcher Kompressortyp für euren Zweck am besten geeignet ist. Hardware-Kompressoren lassen sich nicht so ohne weiteres von Opto- auf VCA-Charakteristik umschalten, da das Schaltungsprinzip logischerweise festliegt. Auf der anderen Seite eignet sich ein guter Hardware-Kompressor bestens dazu, dem Signal eine eigene Note mit auf den Weg zu geben. Aus diesem Grund schleifen viele Toningenieure schon bei der Aufnahme einen Hardware-Kompressor, wie zum Beispiel den Universal Audio 1176 in den Signalweg ein. Wenn ihr euch jedoch nicht sicher seid, wo die Reise für euren Song hin gehen soll, dann ist es besser, das Signal trocken aufzunehmen und die Kompression erst im Rechner mit einem Software-Kompressor durchzuführen. Die typische warme Klangfärbung eines Hardware-Kompressors werdet ihr dann zwar meist nicht bekommen, aber dafür könnt ihr bei der Mischung und Nachbearbeitung solange herumprobieren, bis der Sound passt.

In Hörbeispiel 8 hört ihr zunächst die Vocals mit dem Logic-Kompressor, Typ "Vintage Opto" komprimiert. Der Kompressor gibt der Stimme eine schöne weiche Note und holt sie trotzdem nach vorn. In Beispiel darauf gibt's die gleiche Passage mit dem Kompressor-Typ "Vintage FET" - sonst wurde kein Parameter verändert. Ihr könnt hören, dass die Stimme etwas härter klingt, aber auch der Hauch der Stimme etwas mehr betont wird. Im letzten Hörbeispiel schließlich kommt der VCA-Kompressortyp zum Zuge und ihr hört den relativ harten Klang dieses Kompressors - für die Stimme nicht das ideale Klangbild.

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 8

Kompressor-Typ: Vintage OptoRatio: 4.4:1
Threshold: -36.0 dBCharakteristik: -
Attack: 12.5 msRelease: 97.0 ms
Gain: 9.5 dBAuto Gain: Off
Peak-Modus: -Limiter: Off

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 9

Kompressor-Typ: Vintage FETRatio: 4.4:1
Threshold: -36.0 dBCharakteristik: -
Attack: 12.5 msRelease: 97.0 ms
Gain: 9.5 dBAuto Gain: Off
Peak-Modus: -Limiter: Off

Logic Compressor-Einstellungen zu Hörbeispiel 10

Kompressor-Typ: Studio VCARatio: 4.4:1
Threshold: -36.0 dBCharakteristik: -
Attack: 12.5 msRelease: 97.0 ms
Gain: 9.5 dBAuto Gain: Off
Peak-Modus: -Limiter: Off

Die Klangcharakteristiken von Hardware- und Software-Kompressoren unterscheiden sich teilweise drastisch. Wie unterschiedlich sich ein Hardware- und ein Software-Kompressor auf eine aufgenommene Bass-Spur auswirken, hört ihr in den nächsten Hörbeispielen. Im ersten Hörbeispiel ist die trocken aufgenommene Bass-Spur zu hören. Im Beispiel danach ist dieselbe Bass-Spur nach der Aufnahme mit dem Logic-Kompressor und der Opto-Charakteristik bearbeitet worden. Im abschließenden Hörbeispiel wurde der Bass bei der Aufnahme mit einem analogen Hardware-Kompressor bearbeitet, einem Alesis 3630. Dabei wurde darauf geachtet, dass ungefähr gleiche Einstellungen von Hardware- und Software-Kompressor vorgenommen wurden. Der analoge Kompressor verleiht dem Bass Wärme und Fülle, die mit dem Logic Compressor so nicht erreicht werden kann.

Fehler 9: Average/Peak-Einstellung falsch – RMS kann helfen, aber auch unpassend sein

Einige Kompressoren bieten die Möglichkeit der Peak/Average-Einstellung. Im Peakmodus reagiert der Kompressor auf kleinste Signalspitzen, die den eingestellten Threshold überschreiten. Um einen Sound "In-Your-Face" zu erzeugen, zum Beispiel bei einer Refrain-Zeile mit Hitpotenzial, könnt ihr mit dem Peakmodus arbeiten. Im Average- (oder "RMS"-)Modus hingegen reagiert der Kompressor auf einen gemittelten Wert und die ursprüngliche Dynamik des Audiosignals bleibt besser erhalten. Wenn die Vocals also etwas natürlicher klingen sollen, dann ist der RMS-Modus besser geeignet.

Fehler 10 : Stereo-Link für die Kanäle des Kompressors nicht eingeschaltet

Falls ihr Stereosignale, wie zum Beispiel die Schlagzeugsumme komprimieren wollt, dann sollte der Kompressor auf beiden Kanälen die selben Regelvorgänge ausführen. Wenn jeder Kanal die Regelung selbständig durchführt, kommt es aufgrund unterschiedlicher Kompression von linkem und rechtem Kanal zu Panoramaverschiebungen und das Stereobild bleibt nicht mehr erhalten. Aus diesem Grund solltet ihr bei der Summenkompression den Stereo-Link Schalter betätigen - wenn diese Funktion aktiviert ist, dann regelt der Master-Kanal des Kompressors den Slave-Kanal. Bei den meisten Software-Kompressoren wird diese Funktion automatisch angewählt, wenn der Kompressor auf eine Stereospur gesetzt wird. Bei einem zweikanaligen Hardware-Kompressor müsst ihr jedoch selbst entscheiden, ob der Kompressor im Stereo-Link- oder im Dual-Mono-Modus arbeiten soll.

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