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24.10.2012
Test

Dave Smith Instruments Mopho x4 Test

Analoger Polysynth

Gib mir vier!

Über Dave Smith wurde schon viel gesagt und geschrieben, und das zu Recht. Unter dem Markennamen „Sequential Circuits“ erschuf er in den 70er-Jahren mit dem Polysynth „Prophet 5“ und dem monophonen „Pro-One“ zwei echte Legenden der Synthesizer-Geschichte. In den Achtzigern war er maßgeblich an der Entwicklung des MIDI-Standards und der nicht minder bahnbrechenden Korg Wavestation beteiligt. Schließlich erdachte er in den 90er-Jahren den „Reality“, den ersten Software-Synthesizer überhaupt. Heutzutage veröffentlicht Dave Smith seine Kreationen unter eigenem Namen. Als da wären: Prophet ’08 (Keyboard und Desktop), Evolver (Poly- und Mono Keyboard, sowie Desktop), Mopho (Keyboard und Desktop) und nun auch der polyphone Performance Synthesizer Mopho x4. Allesamt Synthesizer mit analoger Klangerzeugung.

Die „neuen“ Instrumente von Dave Smith waren vor ein paar Jahren noch ein Geheimtipp in der Keyboarder-Szene. Leider hatten die ersten Modelle schlecht funktionierende Encoder – eine ernsthafte Kinderkrankheit, die aber mittlerweile auskuriert ist. Fast alle DSI-Synthesizer werden inzwischen mit neuen, verlässlich arbeitenden Potis ausgeliefert. Prophet, Mopho und Evolver sieht man in zunehmendem Maße auf Live-Bühnen und in vielen Studios, und die Künstler-Liste auf der Firmen-Website kann sich ebenfalls sehen lassen. Hier tut sich was. Aber kommen wir zur Sache: Vorhang auf für den neuen Mopho x4.

Details

Der Mopho x4 kommt in einem typischen Pappkarton - das Paket ist leicht und klein genug, um es gerade noch so unter den Arm zu klemmen. Mit im Karton sind ein ausführliches, 60 Seiten starkes Handbuch in Englisch und ein externes Netzteil. Beim Einschalten begrüßt mich der Mopho x4 mit einem leisen Knacken (das übrigens auch auftritt, wenn man ihn ausschaltet).

Der Mopho x4 dürfte Keyboardern, die schon mal auf dem gelben, einstimmigen Mopho-Keyboard gespielt haben, grundsätzlich vertraut vorkommen. Die Oberfläche ist ähnlich strukturiert und ermöglicht dank der vielen Potis sofortigen Zugriff auf die wichtigen Parameter. Ein zweizeiliges, beleuchtetes Display zeigt den Namen des jeweils aufgerufenen Sounds an und informiert über gespeicherte und veränderte Parameterwerte gleichzeitig. Sehr praktisch. Die hölzernen Seitenteile verleihen diesem doch eher gedrungen wirkenden Synthesizer etwas Edles.

Die Tastatur des Mopho x4 verfügt über 44 normal große und leicht gewichtete Tasten. Der damit abgedeckte Tonbereich ist also nicht riesig, sodass man die Taster zum Umschalten der Oktavlagen am linken oberen Rand des Öfteren bemüht. So ist das halt bei kleinen Synthesizern. Aftertouch ist integriert und spricht bei erhöhtem Tastendruck verlässlich an. Mit dem DSI-typischen „Push It“-Knopf lassen sich einzelne (festgelegte) Töne und Arpeggios spielen oder Sequenzen des internen Step Sequenzers starten und stoppen.

Auf der Rückseite findet man zunächst die Powerbuchse für das externe Netzteil und den Netzschalter. Daneben liegen die Anschlüsse USB-MIDI (In&Out), MIDI In, MIDI Out/Thru und Poly Chain. Dahinter verbirgt sich ein spezieller MIDI-Anschluss, der das Kaskadieren mehrerer DSI-Synths erlaubt. Auf bis zu 16 Stimmen kann die Polyphonie des Mopho x4 auf diese Weise erweitert werden, beispielsweise mit drei in Reihe geschalteten Tetras. Oder einem Tetra und einem Prophet ’08. Rechts daneben sind Klinkenbuchsen für einen Sustain-Fußtaster und ein Expression-Pedal platziert. Letztere kann auch CV-Spannungen von 0 – 3,3 Volt aufnehmen. Zwei Audioausgänge (L-R) sowie ein Stereo-Kopfhörerweg vervollständigen die Anschlüsse. Einen Audio-Eingang, wie ihn die einstimmigen Mopho-Modelle haben, gibt es hier leider nicht.

Kommen wir zur Klangerzeugung. Das zu Grunde liegende Prinzip ist die subtraktive Synthese. Am Anfang der Klangschöpfungskette stehen zwei DCOs mit Suboszillatoren. DCOs sind digital „überwachte“ analoge Oszillatoren. Diese Bauart, die eine hohe Stimmstabilität garantiert, findet man seit den 80er-Jahren in vielen analogen Synthesizern. Die Oszillatoren des Mopho x4 können im Bereich von zehn Oktaven gestimmt werden und bieten die Wellenformen Sägezahn, Dreieck, Dreieck-Sägezahn und Puls mit variabler Pulsbreite. Die Suboszillatoren verwenden eine Pulswelle und klingen beim Osc1 unveränderbar immer eine Oktave tiefer, beim Osc2 sind es zwei Oktaven. Die weiteren Features der DCO-Sektion sind Oszillator Sync, Unison und Slop. Im Unison-Betrieb arbeitet der Mopho x4 wie ein monophoner Synthesizer und nutzt alle vier verfügbaren Stimmen gleichzeitig. Verschiedene Unison-Modi stehen bereit: Im Modus „All Voices“ erhält man einen schneidenden, metallischen Klang, während sich mit den Varianten Detune 1, 2 und 3 durch leichte Verstimmungen der einzelnen Stimmen typische, fette, monophone Klänge erreichen lassen. Sogar die Reduzierung auf einen monophonen Betrieb à la „Mopho Gelb“ ist möglich. „Slop“ ist ein Feature, das die Oszillatoren subtil unsauberer arbeiten lässt. Die Sounds klingen damit noch einen Tick wärmer. Insgesamt ist Slop aber eher aber ein homöopathischer Effekt. Schade, dass man ihn nur bis zu Stufe 5 ausreizen kann.

Das Lowpass-Filter des Mopho x4 kann mit 12dB oder 24dB Flankensteilheit arbeiten und bietet regelbare Filterresonanz. Im 24dB-Modus lässt es sich auch zur Selbstoszillation bringen. „Audio Mod“ ist eine Filtermodulation per Oszillator 1. Man kann damit durch Modulation der Filtereckfrequenz pfeifende bis Glocken-ähnliche Klänge hinbekommen: Klänge der Kategorie „Filter FM“. Das Filter kann auf Keyboard-Velocity oder Aftertouch reagieren, ein Keyboard Tracking ist ebenfalls aktivierbar. 

Der im Signalfluss folgende VCA gestaltet gemäß den Parametern der ADSR-Hüllkurve die Dynamik der Klänge. Auch die Velocity-Werte der Tastatur kann er verarbeiten, anschlagdynamisches Spiel ist also möglich. Die Möglichkeit, die Lautstärke eines jeden Sounds zu regeln und abzuspeichern, ist gegeben, worüber sich besonders die Live-Musiker freuen dürften. Sehr schick ist auch das Feature „Panorama Spread“. Es verteilt die vier Stimmen im Stereopanorama, je nach Intensität des Effekts mehr oder weniger hart links/rechts. Damit bekommt man sehr räumliche Klänge hin.

In der Mixersektion bestimmt man das Mischungsverhältnis der Oszillatoren 1 und 2. Die Suboszillatoren behalten aber stets ihren Pegel, den man ihnen mit ihrem dezidierten Levelregler zuweist. Mit Feedback kann das Signal aus dem VCA noch einmal zurückgeleitet werden. Höhere Werte führen hier zu einem knalligeren bis verzerrten Klang.

Drei ADSR-Hüllkurven sind an Bord: eine für das Filter, eine für den VCA und eine dritte, die man zu Modulationszwecken frei einsetzen und sogar im Loop arbeiten lassen kann! Die Regelzeiten sind schnell – knackige bis perkussive Klänge sind also kein Problem für den Mopho x4. Erfreulich ist auch, dass für alle Hüllkurven der Parameter „Einsatzverzögerung“ bereitsteht. Dadurch kann man gut Klänge programmieren, bei denen auch im späteren Verlauf oder im Ausklang noch etwas passiert.

Vier LFOs mit den Wellenformen Dreieck, umgekehrter Sägezahn, Sägezahn, Rechteck und Sample&Hold mit Geschwindigkeiten von 30 Sekunden bis 261 Hz stehen zur Beeinflussung sämtlicher Modulationsziele bereit. Die LFOs können frei laufen oder auch zu einer externen MIDI-Clock synchronisiert werden - im „Key Sync“-Mode werden sie bei jedem Tastenanschlag neu gestartet.

Darüber hinaus bietet die Sektion „Modulators“ vier Slots zum Verknüpfen von weiteren Modulationsquellen und -zielen. Zum Beispiel können die Sequenzen des internen Step-Sequenzers Ziele wie Audio Mod, Output Pan oder LFO-Geschwindigkeit steuern. Andere Quellen könnten auch die vier LFOs, Keyboard Velocity, Aftertouch, MIDI Fußpedal, Note Number und viele andere sein. Auch das Modulationsrad kann zur Steuerung sämtlicher Parameter eingesetzt werden, bis zu vier Ziele kann man damit gleichzeitig steuern.

Auch ein Arpeggiator und ein vierfacher Gated Step-Sequenzer mit maximal 16 Steps verbergen sich unter der Oberfläche des Mopho x4. Der Arpeggiator beherrscht die klassischen Modi Up, Down, Up&Down sowie Random und Assign (in zeitlicher Reihenfolge der gespielten Töne) - das Ganze dann wahlweise auch über zwei oder drei Oktaven. Der Sequenzer bietet vier Sequenzen mit jeweils maximal 16 Schritten und ist als reine Modulationsquelle zu verstehen, nicht als Player für Tonfolgen oder ähnliches. Seine Schritte können sämtliche Parameter der Klangerzeugung modulieren - ein vielseitiges und sehr präzises Werkzeug! MIDI Daten gibt er leider nicht heraus. Das Tempo von Arpeggiator und Sequenzer kann zu einer externen MIDI-Clock synchronisiert werden, und der Parameter „Clock Divide“ ermöglicht gemäß musikalischer Zeiteinheiten Verlangsamungen oder Beschleunigungen. Die Latch-Funktion lässt sich per Fußpedal steuern.

Effekte gibt es im Mopho x4 - wie bei den meisten DSI-Produkten - nicht.

Zu guter Letzt soll noch der kostenlose Software-Editor genannt werden, den man sich bei www.soundtower.com herunterladen kann. Er bietet eine gute grafische Übersicht über die Klangerzeugung. Einige Editier-Vorgänge lassen sich damit noch leichter gestalten, beispielsweise das Programmieren des Step-Sequenzers oder das Umsortieren des User-Speichers.

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Was kommt eigentlich dabei heraus, wenn Dave Smith seine geballte analoge Erfahrung in ein kleines, gelbes Kästchen stopft? Richtig, ein MoPho! Unser furchtloser Tester ist diesem Kleinlebewesen etwas näher auf den Pelz gerückt.

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