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16.11.2012
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Aphex Exciter EX-BB 500 Test

Aural Exciter und Big Bottom im API 500er-Format

Das Oben-und-unten-Sättigungstool

Das Angebot an Effektprozessoren für das API 500 vergrößert sich zunehmend. Mit dem Aphex Exciter betritt nun ein Gerät die Bühne, das auf eine recht kuriose Geschichte zurückblicken kann. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Als Aphex in den 1970ern seinen originalen Exciter auf den Markt brachte, konnte man diese Teile für kein Geld der Welt käuflich erwerben. Vielmehr gelang es dem Hersteller, solch einen Hype um sein Gerät zu erzeugen, dass Anwender es für ihre Produktionen mieten mussten – und davon auch eifrig Gebrauch machten: Die Liste der Anwender liest sich wie ein Who-is-Who der Chartstürmer der späten 70er und frühen 80er-Jahre.

Vermutlich war dieses Geschäftsmodell jedoch kein ausgefeilter Marketing-Trick der künstlichen Verknappung: Aphex mit dem Exciter eine gänzlich neue Gerätegattung begründet und wollte wohl durch das Miet-Modell verhindern, dass Nachahmer dem neuartigen Teil allzu schnell auf die Schliche kämen. Schließlich dämmerte Aphex aber, dass mit dem Verkauf von Geräten wohl doch ein besseres Geschäft zu machen sei. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Das Funktionsprinzip, welches dem Exciter zugrunde liegt, ist altbekannt: Es werden zusätzliche Obertöne generiert, und das Wort dafür ist in aller Munde: Sättigung. In den 70er-Jahren waren Sättigungseffekte an allen Stellen der Audioverarbeitung Alltag, arbeitete man doch so gut wie ausschließlich mit analoger Technik, die selbstverständlich nichtlinear zu Werke geht – im Gegensatz zu unseren heutigen DAWs. Sättigungsprodukte enstanden, wenn man laut in ein Mikrofon sang, den Mischpultkanalzug heiß fuhr oder mit ordentlich Pegel aufs Band ging. Was also ist der Trick, der alle Welt verrückt nach dem Aphex Exciter machte? Das Gerät des amerikanischen Herstellers arbeitet(e) in einer speziellen Weise pegelabhängig, und das nicht nur die Sättingungsprodukte (also die zusätzlichen Obertöne) betreffend, sondern es nahm auch Einfluss auf die Phasenlage bestimmter Frequenzanteile, auch dies abhängig von der Signalamplitude. Im Ergebnis wurden Signale, die mit dem Exciter bearbeitet wurden, durchsetzungsfähiger und auch breiter im Panorama, ohne dass die Bearbeitung den Pegel signifikant anhob – schon im Zeitalter vor dem Loudness War ein Effekt, der gern gesehen war. Zudem lag der höhenreiche, „crispe“ bis aggressive Klang ganz im Zeitgeist der 80er-Jahre.

Details

Seit kurzem ist Aphex mit einer wahren Produktoffensive wieder voll am Start. Dazu zählt auch eine ganze Palette von 500-Modulen, darunter Preamps, EQs, Kompressoren, und eben der hauseigene Klassiker, der Exciter. Ergänzt wird der Funktionsumfang der Mono-Kassette mit einer Slotbreite um einen sogenannten „Big Bottom“-Prozessor, einen weiteren psychoakustischen Klassiker des Herstellers.

Direkt hinter dem Eingang des Moduls wird das Signal in drei Wege aufgesplittet: das Direktsignal sowie die Exciter- und Big-Botteom-Zweige, die ersterem hinzugemischt werden können. Drei Bedienlemente kontrollieren den Exciter: „Harmonics“ bestimmt die Anzahl der Harmonischen, die vom Exciter generiert werden, „Freq“ ist ein Hochpassfilter, welches die Frequenz anwählt, oberhalb derer der Exciter eingreift (600 Hz – 5 kHz). Schließlich gibt es noch ein „Amount“-Poti, mit welchem der Pegel einstellt wird, mit dem das Excitersignal dem Ausgangsmaterial hinzugemischt wird. Im Vergleich zur Ur-Version hat Aphex das Tracking etwas verändert: Der Prozessor kann nun auch auf Transienten reagieren, die pegelmäßig nicht herausstechen.

Big Bottom arbeitet mit einem opto-elektronischen Gain-Element. Während der Exciter die Höhen bearbeitet, setzt dieser Schaltkreis im Tiefbasskeller an. Auch hier soll für mehr Dichte und Energie gesorgt werden, ohne dass der Spitzenpegel signifikant ansteigt. Dies wird unter anderem durch eine Verlängerung des Sustains der Bass-Events erreicht. Da dies ein dynamischer Prozess ist, stellt man den Prozessor zunächst mit dem „Drive“-Poti, einer Art Threshold-Kontrolle, auf das Ausgangssignal ein. Eine LED zeigt an, welche Bass-Peaks in den Prozessor hineinlaufen. Auch hier kann wieder der Frequenzbereich definiert werden, in dem der Prozessor seine Wirkung entfalten soll. Geschehen tut dies mittels eines Tiefpassfilters, das zwischen 50 und 200 Hz stufenlos durchgestimmt werden kann. Bearbeitet wird dann immer der gesamte Bereich unterhalb der eingestellten Frequenz. Schließlich verfügt auch diese Prozessoreinheit wieder über ein „Amount“-Poti, das den Pegel des Effektsignals kontrolliert.

Beide Prozessoreinheiten verfügen jeweils über einen hintergrundbeleuchteten Aktivitätsschalter. Dieses Wort wurde mit Absicht gewählt, denn die Kassette verfügt nicht über einen Hardwire-Bypass. Mit den Schaltern werden lediglich die beiden Sidechain-Zweige aus dem Signalweg genommen.

Auch wenn das alles ganz schön viel Funktionalität in einer kleinen Kassette darstellt, kommen die Aphex-Schaltungen – wie auf den Fotos zu sehen – mit erstaunlich wenig (überwiegend IC-basierten) Bedienlementen aus. Ein- und Ausgänge sind übertragerfrei elektronisch symmetriert, ansonsten wuchert das Modul nicht gerade mit den Insignien ehrwürdiger Vintage-Technik.

Die gesamte Konstruktion der Kassette ist durchaus ungewöhnlich. Während Hersteller wie API oder Great River wahre ingenieurtechnische Schaustücke im Programm haben, also Kassetten, die massiv und aufwendig mit hohem Materialeinsatz gefertigt werden, geht Aphex hier bewusst einen anderen Weg. Beim EX-BB 500 handelt es sich um die mit Abstand leichteste 500-Kassette, die ich jemals in den Händen gehalten habe. Das hat einen simplen Grund: Hinter die Aluminium-Frontplatte ist ein Sandwichkonstrukt aus mehreren Platinen montiert, von denen allerdings nur die mittlere nennenswert bestückt ist, die beiden äußeren dienen lediglich der Stabilität des Einschubs. Dazu gesellen sich Potenziometer mit Plastikachsen und -kappen. Kurzum: Das vorherrschende Material dieser Konstruktion ist nicht etwa Metall, sondern eben Kunstoff. Das fühlt sich weniger wertig an als beispielsweise die aus massivem Material gefrästen Alu-Knöpfe der API-Kassetten, bietet aber einen ganz handfesten Vorteil: Der geringe Materialeinsatz kann direkt an den Kunden weitergegeben werden. Premium-Hersteller wie API lassen sich ihren Herstellungsaufwand nämlich in barer Münze bezahlen.

Die Aphex-Kassetten hingegen rangieren am unteren Ende der 500-Preisskala, und das ist erst einmal eine gute Nachricht, wenn denn die Qualität stimmt. Was die Hardware betrifft muss man sagen: Auch wenn die Aphex-Teile alles andere als opulent designt wurden, so verstehen die verantwortlichen Ingenieure doch ihr Handwerk. Der EX-BB 500 fühlt sich nicht so edel an wie eine Highend-Kassette, aber sie ist dennoch ungemein solide konstruiert, ein Billigfabrikat ist sie keineswegs! Insofern ist das auch kein Kritikpunkt, sondern durchaus als Plus zu verstehen: Nicht alle Anwender sind bereit, für aufwendige Hardware-Features, die am Ende kein Mensch hört, einen Aufpreis hinzulegen.

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