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Alto Zephyr ZMX244FX USB Test

24-Kanal-Mischpult mit Effektgerät und USB-Interface

Kampfpreis für die Live-Beschallung

Mit ihrer neuen 24-Kanal-Konsole ZMX244FX USB (Serienname: Zephyr) bringt die hierzulande noch relativ unbekannte Audioschmiede Alto einen echten Preishammer im Segment der Veranstaltungsmischpulte. Denn für lediglich 599 Euro UVP gibt es hier nicht nur Kanäle satt, sondern obendrein noch ein integriertes USB-Audiointerface und eine On-Board-Effekteinheit.

Ob sich der günstige Preis negativ auf die Qualität des taiwanesischen Audiostellwerks auswirkt oder ob es optimierte Fertigungsprozesse und kluges Schaltungsdesign zulassen, eine solide Live-Konsole für einen halben Tausender zu produzieren, haben wir uns angeschaut und -gehört.

Details

Der Alto ZMX224FX USB ist der derzeit größte Abkömmling der ZMX-Baureihe. Wer es eine Nummer kleiner braucht, kann auch zur sechzehn- oder zwölfkanaligen Variante greifen. Bei meinem Testmodell handelt es sich, mal abgesehen vom USB-Interface und der Effekteinheit, um eine klassische 24-in-4 Live-Konsole. Alle Eingangskanäle verfügen dabei über einen phantomgespeisten XLR-Eingang und einen symmetrischen Monoklinkeneingang nebst einer Insert-Buchse. Die ersten sechzehn Eingangskanäle sind als Monokanalzüge ausgelegt, die mit jeweils einem Festfrequenz-Hoch- und Tiefband (12 kHz, 80 Hz) sowie einem semiparametrischen Mittenband (100 Hz – 8 kHz bei +/- 15 dB) ausgestattet sind. Die Ports 17 bis 24 dagegen sind als Stereokanäle ausgeführt. Hier steht pro Zug ein vierbändiger Festfrequenz-EQ (12 kHz, 3 kHz, 500 Hz, 80 Hz) zur Bearbeitung des Audiomaterials bereit. Über vier Aux-Wege (1/2 Pre/Post-Fader schaltbar) beschickt man externe Klangverbieger oder Monitore, wobei der vierte Aux-Kanal fest auf das interne Effektgerät geroutet ist, welches übrigens mit einem DSP und Algorithmen von Alesis ausgestattet ist. Mit dem optionalen Anschließen einer externen Hardware wird die interne Effektschleife überbrückt. Neben den Funktionen Mute und Solo gibt es pro Kanal drei Taster, mit denen das Signal wahlweise auf die Subgruppen (Sub 1-2, Sub 3-4) oder den Master adressiert wird (Main L-R). In der Summe mischt sich auf Wunsch ein grafischer Equalizer mit neun Bändern in die Klangformung ein. Im Master/Monitor-Bereich warten dann noch verschiedene Zuspielmöglichkeiten und Routing-Optionen auf ihren Einsatz, auf die ich später noch zu sprechen komme. Alle Kanäle (auch die Subgruppen) können rückseitig als Direct-Out abgegriffen werden.

Auspacken

Dank der am Gehäuserand angebrachten Griffmulden wuchte ich die zehn Kilo schwere Konsole problemlos aus ihrer Verpackung und vergebe für dieses praxistaugliche Konstruktions-Detail direkt mal einen halben Pluspunkt. Überhaupt ist das Gerät mit seinen Abmessungen von 765 x 400 x 115 Millimetern (B x T x H) für ein 24-Kanal-Pult bemerkenswert schlank geraten.

In der Verpackung selbst entdecke ich außer einem Stromkabel noch vier anklebbare Gummifüße und ein englischsprachiges Quickstart Manual. Das reicht in Anbetracht der relativ übersichtlichen Konzeption des Mixers zur erfolgreichen Inbetriebnahme völlig aus. Allein der Umstand, dass die Kurzanleitung kein Wort über die Installation der USB-Soundkarte verliert, stimmt mich etwas unzufrieden. Aber nun gut, vielleicht wird das Interface ja auch treiberfrei als klassenkompatibles I/O-Gerät erkannt. Wir werden es im Praxisteil herausfinden.

Äußerlichkeiten

Tatsächlich gibt der Alto ZMX224FX USB, trotz seiner recht schlanken Abmessungen und der daraus resultierenden Enge für die Bedienelemente und deren Beschriftungen, ein recht übersichtliches Bild ab, das sich im abendlichen Schummerlicht positiv auf die Betriebssicherheit auswirken sollte. Wer noch ein bisschen Erleuchtung extra braucht, klemmt eine 12-Volt-Schwanenhalslampe an den frontseitigen BNC-Anschluss. Auch sonst zeigt sich das Pult auskunftsfreudig, denn dem Kanaleingang, Mute, Solo und der Kanalübersteuerung wurden allesamt LEDs spendiert. Allein bei den letzten vier Stereokanalzügen ist die optische Ähnlichkeit zu den Monokanälen etwas problematisch, da sich hier die EQ-Modelle unterscheiden (Festfrequenz, semi-parametrisch), was aber visuell keine Entsprechung findet. Und übersichtliches Layout hin oder her: Die Tatsache, dass der Raum für die Potenziometer nun einmal sehr eng bemessen ist, führt im Ergebnis dazu, dass sich die Drehregler mit mitteleuropäischen Durchschnittsfingern nur von der Seite, nicht aber von Oben greifen lassen.

Die deutlich sichtbaren Gehäuseschrauben an der Vorder- und Rückseite der einzelnen Module könnten Glauben machen, dass es sich hier um auswechselbare Modulgruppen handelt, aber der Schein trügt. Vielmehr sind sie offenbar dem trickreichen Fertigungsprozess geschuldet, denn die einzelnen Segmente entsprechen den unterschiedlichen Modellen (12-, 16-, 24-Kanal). Hier wird also in der Produktion – je nachdem welcher Mischer es am Ende werden soll – einfach „angebaut“. Der Griff zu den Potenziometern liefert eine für die Preisklasse angemessene Haptik. Auch die Taster geben ein entsprechend ordentliches taktiles Feedback. Einen Ticken zu dickschiffig erschien mir das Regelverhalten der 60-Millimeter-Linefader. Obgleich das natürlich definitiv ein Frage des persönlichen Geschmacks ist, denn manch ein Engineer dürfte vielleicht gerade diese Trägheit als besonders angenehm empfinden, da sie das Gefühl vermittelt „etwas“ in den Fingern zu haben.

Konnektivität

Gänzlich "unsubjektiv" geht es dann wieder auf der Rückseite der Konsole zu, wo neben den bereits erwähnten Direktausgängen, Aux-Wegen und Subgruppen-Inserts noch weitere Ports zu finden sind. Allen voran zwei symmetrische Stereoausgänge (XLR, Klinke – umschaltbar +4/-30 dBu), einmal Control Room und einmal Mono-Out (vornehmlich zur Versorgung eines Subwoofers). Eine Besonderheit hier: Die USB-A-Buchse nebst Schiebeschaltern, über die ich festlegen kann, welches Signal über die Schnittstelle herausgeführt (Sub 1/2, Main) und wo es angenommen (Ch. 23/24, Main) wird. Auch im Bereich Routing gibt sich der Alto gut ausgestattet. Das beginnt bei der Möglichkeit die Aux-Sends vorzuhören, geht weiter mit zwei Potis zum Einspeisen der Returns 1 und 2 in den Send 1/2 und führt mich hin zu der lobenswerten Option, den Solo-Modus zwischen PFL und AFL (Pre/After Fader Listen) umzuschalten. Alles keine Selbstverständlichkeiten in dieser Preisklasse.

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