Test

AKG C 214

Vaterschaftstest anerkannt?

Das berühmte Vorbild C 414 gibt es bereits seit 1971 und bescherte AKG einen fulminanten Erfolg in unzähligen Studios und auf den größten Bühnen der Welt. Natürlich erfuhr auch dieser Klassiker im Laufe der Jahre die eine oder andere Frischzellenkur. Ein Komplett-Lifting mit anschließender Neu-Aufspritzung an allen erdenklichen Stellen war jedoch nie vonnöten, denn das Grundkonzept dieses Mikrofons ist einfach absolut stimmig. Entsprechend gespannt waren wir natürlich, als mit dem C 214 das C 414-Downgrade unser Teststudio erreichte.

Die Beschreibung des Mikrofons liest sich sehr vielversprechend – als Kapselkonstruktion greift AKG beim C 214 auf die bewährte C 414 Doppelmembrankapsel zurück, bestückt diese jedoch nur mit einer Membran, wodurch sich eine feste Nierencharakteristik ergibt.  

Ein Mikrofon, das sich mit seinem Namen ganz klar zu seiner berühmten und lange Zeit bewährten Verwandtschaft bekennt, sollte schon über eine gehörige Portion Selbstbewusstsein verfügen. Die Fußstapfen, in die man hier treten möchte, sind ja nicht gerade klein. Größenwahn oder gerechtfertigt? Genau das wollen wir hier klären.

Details

Wie der große Bruder (oder Schwester ... oder Mama ... oder Papa ...) kommt auch das C 214 im transportfreundlichen Alu-Köfferchen daher. Neben dem Mikrofon finden in den entsprechenden Schaumstoffaussparungen noch eine elastische Spinnenhalterung und ein Windschutz Platz – beides wird übrigens mitgeliefert, was ja auch nicht immer selbstverständlich ist. Bei der Spinne handelt es sich übrigens um das identische Modell wie beim C 414 – sie ist zwar komplett aus Kunststoff gefertigt, aber absolut solide und widerstandsfähig. Über einen großen Drehring wird das Mikrofon arretiert - und hält auch problemlos in Über-Kopf-Positionen. Ein Vorteil der Kunststoff-Spinne ist natürlich das Gewicht, das durch den leichten Werkstoff nicht unnötig in die Höhe getrieben wird – das Stativ dankt es mit einem bombenfesten Halt. Kommen wir nun zum eigentlichen Hauptdarsteller, dem Mikrofon. Die Ähnlichkeit zum C 414 lässt sich nicht verleugnen – zwar nimmt der Mikrofonkorb des C 214 im Vergleich zum „Restkörper“ wesentlich mehr Platz ein als beim großen Verwandten, das Grunddesign ist aber schon sehr ähnlich. Der größere Körper des C 414 resultiert natürlich auch daraus, dass hier aufgrund der einstellbaren Richtcharakteristik mehr Elektronik unterzubringen ist. Mit seinen Maßen von 54x43x160 mm und einem Gewicht von 290 g lässt sich für das C 214 jedoch fast der gleiche BMI (Fitness-Fachchinesisch für „Body-Mass-Index“) ermitteln, wie für das C 414.

Das Mikrofon-Gehäuse ist komplett aus Metall gefertigt und mit einer dunkelgrauen Lackierung versehen, die einen absolut roadtauglichen Eindruck vermittelt. Auch das Drahtgeflecht des Mikrofonkorbs wird die Kapselkonstruktion über lange Zeit sicher vor der einen oder anderen Backpfeife schützen. Auf der linken Gehäuseseite findet sich ein kleiner Schalter zur Aktivierung einer -20 dB Pad-Vordämpfung, rechts wurde ein Schalter für das zuschaltbare Hochpass-Filter eingelassen, das seinen Einsatzpunkt bei 160 Hz hat und mit 6dB/Oktave absenkt. Der XLR-Anschluss an der Unterseite ist fest mit dem Schaft verschraubt – hier wackelt nichts.

Das ein Zoll-Großmembrankapselsystem ist in einer elastischen Konstruktion aufgehängt, wodurch Körperschall zusätzlich eliminiert wird. Dadurch, dass man beim C 214 die Backplate-Technologie (Gegenelektrode) eingesetzt hat, kommt das Mikro bereits mit Speisespannungen ab 12 Volt aus (natürlich sind auch 48 Volt nicht verboten, und 52 Volt werden ebenfalls noch verdaut). Der Übertragungsbereich wird vom Hersteller mit der gerne genommenen Range 20Hz – 20 kHz angegeben, der äquivalente Eigengeräuschpegel mit 13 dB(A), der Leerlauf-Übertragungsfaktor mit 20 mV/Pa (-34d BV) und der Grenzschalldruckpegel (k=0,5%) mit 136 dB(SPL) (mit PAD-Dämpfung erhöht sich dieser Wert sogar auf 156). Der Frequenzgang stellt sich relativ linear dar, mit einem leichten Abfall ab 60 Hz, einer leichten „Hochnase“ bei ca. 3-4 kHz und einem Präsenzanstieg ab ca. 8 kHz. Manchmal sagt ein Bild ja mehr als tausend Worte, bei Mikrofonen ist für mich allerdings ein gesprochenes oder gesungenes Wort ins Mikro tausendmal mehr wert als ein (Frequenz-)Bild. Also dann, liebe Sängerin, lieber Sänger, Stimmen ölen, tief Luft holen und ab geht´s.

Ok, liebe Vocaleros, haltet noch kurz inne, ich möchte noch eben etwas zum Handling sagen. Handling, bei Mikrofonen? Ja, so ähnlich halt. Dass sich das Mikro sehr einfach in die Spinne setzen und bombenfest arretieren lässt, hatte ich ja bereits anfangs erwähnt. Sitzt das C 214 aber einmal in der Halterung, lassen sich die beiden Schalter für PAD und Filter nicht mehr wirklich komfortabel bedienen, es ist zwar möglich, aber eben nicht mehr bequem. Da man aber kein endloses Gewinde lösen muss, um das Mikro aus der Halterung zu nehmen, sondern eben nur eine kleine Drehung am unteren großen Ring, lässt sich über dieses kleine Manko quasi hinwegsehen.

So, jetzt können wir dem AKG-Logo endlich die angestaute Luft entgegenschmettern. Und was sich da aus den Monitoren im Regieraum auf den Weg zu meinen kleinen Öhrchen macht, zaubert mir doch glatt ein entspanntes Lächeln ins Gesicht. Wollt ihr´s kurz? Ok. „Das Mikro klingt wirklich gut.“ Zu kurz? Na gut, es geht auch detaillierter – beschwert euch aber nachher nicht.

Um das ständige „Sänger/Sängerin“-Spiel abzukürzen, eines vorweg: Das C 214 harmonierte in unserem Test gleichermaßen gut mit männlicher wie weiblicher Stimme. Die Vocals wurden klar und deutlich übertragen, kein Frequenzbereich fiel dermaßen aus der Reihe, als dass er das Signal vermatscht oder undifferenziert gemacht hätte. Es fällt sofort auf, wie neutral und positiv unauffällig dieses Mikro klingt. In den unteren Mitten würde man sich vielleicht hier und da etwas „mehr“ wünschen, da es hier teilweise ein wenig verhalten klingt, aber es wird immer noch genügend übertragen, um in diesem Frequenzbereich später beim Mix vernünftig „klangregeln“ (ihr könnt auch „EQen“ sagen) zu können. Ansonsten werden die Mitten sehr gut aufgelöst, sodass alle Nuancen des Stimm-Signals gut nachvollziehbar sind. Für meine letzte Sicherheit habe ich mir dann auch noch mal eine Akustikgitarre genommen und die Membran des C 214 in Schwingung versetzt – mein Eindruck der Vocal-Session wurde bestätigt. Auch bei der Akustikgitarre wurden alle Feinheiten des Signals sehr gut übertragen.

Erinnert ihr euch an den Präsenzanstieg im Frequenzgang ab ca. 8 kHz, den ich am Ende der Details erwähnt hatte? Diese Präsenzanhebung ist definitiv hörbar, und zwar meistens im positiven Sinne. Das Signal erhält dadurch eine gewisse Leichtigkeit und einen edleren Charakter in den Höhen, was natürlich auch der Durchsetzungskraft im Mix zugute kommt. Etwas Vorsicht ist dadurch aber auch bei Zischlauten (S-Laute, etc.) geboten, hier kann es auch schnell zu scharf oder spitz klingen – dies merkt man natürlich besonders bei einem sehr geringen Abstand zum Mikrofon. Und wo wir gerade beim Thema Abstand sind, kümmern wir uns doch gleich um den Nahbesprechungseffekt. Dieser ist beim C 214 definitiv ausgeprägt vorhanden, liegt aber frequenzmäßig eher etwas höher, sodass Popp-Laute nicht übermäßig übertragen werden. Verstanden...? Gut, ich versuche es noch mal zu verdeutlichen. Ist euer Abstand zum Mikro (Druckgradientenempfänger) ca. 10 cm oder weniger, werden die unteren Mitten und Bässe verstärkt übertragen. Beim C 214 betrifft dies die Bässe aber nicht so stark, sondern eher die unteren Mitten, und da diese ja vom Grundcharakter her etwas verhaltener sind, ergibt sich kein unnatürlicher „Ich klebe vor deinem Ohr und bin gleich drin“-Sound. In Sachen Dynamik kann ich dem AKG-Mic ebenfalls gute Noten geben – auch mit lauten Signalen geht das C 214 genügsam um und fährt nicht zu sehr in die Kompression, der Sound bleibt offen. Das Hochpass-Filter verrichtet seinen Job so, wie man es sich wünscht – es senkt den Pegel ab der Einsatzfrequenz (in diesem Fall 160 Hz) ab, lässt den restlichen Sound aber unberührt. Schlechte Filter ziehen häufig gleich ganze Frequenz-Familien in den Abgrund und der Gesamtklang ist dann schnell total verbogen und löchrig – hier nicht.
Ich möchte mal dort enden, wo ich begonnen habe, nämlich bei der Klärung des Verwandtschaftsverhältnisses vom C 214 zum C 414. Sind die beiden nun blutsverwandt oder hat sich ein „Kuckucks-Ei“ eingeschlichen? Nein, keine Panik, das C 414 hat gute Gene, die das 214er definitiv geerbt hat. Ganz deutlich wird das bei der erwähnten „positiven Unauffälligkeit“ und der Präsenzanhebung in den Höhen. Das sind beides Charaktereigenschaften, die man schon seit vielen Jahren vom C 414 kennt. Oder um es mit den Worten von Hans Meisers und Bärbel Schäfers Erben (also diesen mittaglichen Intelligenz-Allergiker-Dompteuren) zu sagen: „Nach Auswertung der DNA-Proben gilt die Vaterschaft somit zu 99,995% als erwiesen.“ Danke, Anke, und bis zum nächsten Lügendetektortest auf diesem Sender ... sorry, ich meinte, bis zum nächsten Mikrofontest auf bonedo.de.

AKGs x14er-Konzept ist ein weiteres Mal aufgegangen, ob nun eine „4“ oder eine „2“ die erste Ziffer der Typenbezeichnung ist. Mit dem C 214 hat man definitiv ein professionelles Großmembran-Kondensatormikro geschaffen, das über viele positive Eigenschaften verfügt: Neutraler Sound, gut aufgelöste Mitten, präsente Höhen, gute Dynamik, gute Verarbeitung, etc. Hält man sich dann noch vor Augen, dass dieses Mikro für 459 EUR (UVP) den Besitzer wechselt, sollten eigentlich keine Fragen mehr offen sein.

  • Pro
  • sehr solide Verarbeitung
  • positiv neutral klingend
  • gut aufgelöste Mitten
  • Dynamik
  • Hochpass-Filter
  • Contra
  • teilweise etwas spitz bei Zischlauten
  • Technische Daten
  • 1'' Großmembranmikrofon basierend auf legendärer C 414 Kapsel
  • Roadtaugliches Ganzmetallgehäuse, schlag- und kratzfeste Lackierung
  • Reduziert Griff- und Kabelgeräusche durch elastische Wandler-Lagerung
  • Schaltbare 20 dB Vorabschwächung und Bassabschwächungsfilter
  • Inklusive elastischer Spinnenhalterung, Windschutz und Alukoffer
  • Richtcharakteristik: Niere
  • Frequenzgang: 20 Hz - 20 kHz
  • Leerlauf-Übertragungsfaktor: 20 mV/Pa
  • Grenzschalldruckpegel: 147 / 156 dB(SPL)
  • Vordämpfung: -20 dB
  • Bassfilter: 6 dB/Oktave bei 160 Hz, schaltbar
  • Phantomspeisung: 12 - 52 V
  • Anschluss: 3-poliger XLR-Stecker
  • Abmessungen: 54x43x160mm
  • Gewicht: 290 g
  • Preis: 459,- Euro UVP
User Kommentare

Christof schrieb:09:17 | 25.09.2011

Welches Mic wurde für als Referenz für die Vocalaufnahmen verwendet? Mir gefallen die Referenz-Tracks sehr gut!

Autor

Guido Metzen

Guido Metzen hat Tontechnik studiert und war viele Jahre bei einem Audio-Fachmagazin als Journalist, Produktfotograf sowie Chefredakteur tätig. Sowohl im Studio als auch im Live-Bereich hat er bereits bei vielen großen Produktionen mitgearbeitet.

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Bewertung

Audiobeispiele

Pro + Contra

  • Pro
  • sehr solide Verarbeitung
  • positiv neutral klingend
  • gut aufgelöste Mitten
  • Dynamik
  • Hochpass-Filter

  • Contra
  • teilweise etwas spitz bei Zischlauten

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