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10 Recording-Tipps und Tricks, die eure Aufnahme besser machen – Teil 2

Bessere Aufnahmen mit den richtigen Mikrofonen, den richtigen Abständen und der richtigen Einstellung

Nachdem wir euch die ersten fünf typischen Fehler beim Mischen einer Audio-Produktion mitgeteilt hatten, folgen nun weitere Fallen, in die man beim Mixdown tappen kann. Und natürlich gibt es Ratschläge, wie man diese vermeiden kann.

Fehler 6: Stereo-Ratespiele veranstalten - Stereo-Mikrofonierung nicht richtig verstehen und einsetzen

Wenn es um die Aufnahme von Stereo-Signalen geht, werden viele unsicher. Das liegt teilweise an der verwirrenden Vielfalt von Methoden, weshalb gern blindlings zu einer der Standard-Mikrofonanordnungen gegriffen wird (z.B. Blumlein oder ORTF) oder einfach gebetet wird, dass der Sound doch passen möge. Die häufigste unerwünschte Folge ist ein überbreites Panorama, das nicht nur zentral angeordnete Signale undeutlich werden lässt, sondern auch zu ernsthaften tonalen Störungen führen kann, wenn der linke und rechte Kanal zusammengemischt werden (z.B. wenn der Mix auf einem Mono-Wiedergabegerät abgespielt wird). Die zweite große Stolperfalle ist, dass dadurch häufig die natürliche Balance eines Ensembles entstellt wird, meistens weil die Klangquellen an den Rändern des Stereobildes subjektiv zu weit weg vom Hörer erscheinen.

Tipps & Tricks:

Nicht zu weit und nicht zu nah mikrofonieren

Für welche Stereo-Mikrofonanordnung du dich auch entscheidest: Platziere sie nicht zu nah an der Klangquelle, weil die Aufnahmewinkel vieler gebräuchlicher Setups in der Praxis nicht besonders breit sind. Zum Beispiel beträgt die nutzbare Zone bei ORTF etwa 110°, während eine 60 cm breite AB-Anordnung nur einen Bereich von etwa 60° abdeckt. Auch die gekreuzten Achtermikrofone der Blumlein-Anordnung haben ihre Tücken, besonders bei der Aufnahme großer Instrumente wie Drumkits und Flügel, weil ihr nutzbarer Aufnahmewinkel nur etwa 70° beträgt.

Wenn du mit Kopfhörern arbeitest, orientiere dich an Referenz-Produktionen

Wegen der Art und Weise, wie das Panorama über einen 180°-Winkel gestreckt wird, ist es mit Kopfhörern beinahe unmöglich, die Stereobreite instinktiv richtig einzuschätzen. Um besser entscheiden zu können sollte man einige geeignete Vergleichsaufnahmen zur Hand haben und zur visuellen Unterstützung ein Goniometer verwenden. Außerdem nicht vergessen: Den Mix gelegentlich in mono anhören, um unerwünschte Effekte zu erkennen!

Bewege die Instrumente

Wenn die Stereobreite der Aufnahme bereits passt, behebt man Ensemble-Ungleichgewichte am besten, indem man die Position der Instrumente zu den Mikrofonen verändert. Wenn die Musiker in einer geraden Linie auf der "Bühne" platziert sind, erscheinen die Signale in der Mitte etwa 3 dB kräftiger als jene bei ±30°, weshalb dieses Szenario möglichst vermieden werden sollte. Wenn es nicht anders geht, brauchst du eventuell zusätzliche "Außenmikrofone" zur Unterstützung der Instrumente an den Seiten.

Richtcharakteristiken verstehen

Durch in einem rechten Winkel angeordnete Nierenmikrofone eines XY-Systems werden die zentralen Klangquellen übermäßig betont, weshalb ich den Öffnungswinkel für eine Ensembleaufnahme auf mindestens 110° verbreitern würde, was einen Aufnahmewinkel von etwa 160° bedeutet. Ein Mitte/Seite-Setup (M/S) mit einem Nieren-Mittenmikrofon liefert die natürlichste Balance, wenn man als Aufnahmewinkel etwa 130° annimmt. Verwendet man ein Achtermikro als Mittenmikrofon, so schrumpft dieser Winkel auf etwa 90°.

Fehler 7: Das Pferd wird von hinten aufgezäumt und die Grundlage einer guten Musikproduktion vergessen

Eine der wichtigsten Regeln des Recordings hat der Engineer und Autor Mike Stavrou schön zusammengefasst: "Vergiss nie, dass der Musiker den schwierigeren Job hat als wir. Wenn unser Recording-Setup seine Fähigkeit zur Darbietung ruiniert, sind wir nicht hilfreich." Obwohl das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, höre ich viel zu viele Horrorgeschichten von Musikern über Engineers, die das Pferd von hinten aufzäumen, einseitig ihre Arbeitsweise durchziehen und damit alle daran hindern gut zu performen. Es gibt keine bessere Methode eine Session zu verderben, als sich die Künstler auf diese Weise zu Feinden zu machen. Dass das auch nicht gerade geschäftsfördernd für den Engineer ist, brauche ich wohl kaum zu erwähnen.

Tipps & Tricks:

Wenn Musiker zusammen spielen wollen, mach es möglich

Viele Musiker in Bands hassen es, Produktionen Stück für Stück aus Overdubs aufzubauen. Es dauert ewig und bedeutet viel Warterei, während jemand anderes gerade aufnimmt. Es ist viel schwieriger, tight zu spielen und die natürlichen, musikalischen Beziehungen zwischen Parts zu erzeugen, wenn man nicht als Gruppe zusammen spielt. Auch das Mischen ist eine mühsame Angelegenheit, weil es keinen natürlichen, akustischen Zusammenhalt gibt. Natürlich ist es für den Engineer eine Herausforderung, mehrere Musiker gleichzeitig aufzunehmen, besonders in einem kleinen Studio, aber das kann keine Ausrede sein. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.

Geh' zur Probe

Bevor du eine junge Band aufnimmst, besuch sie im Proberaum. Notiere dir, wo sich die Instrumente im Raum befinden und was jeder von seinem Platz aus sieht und hört. Wenn du das Studio-Setup planst, weiche nur nach reiflicher Überlegung von dieser Anordnung ab. Wenn eine sonst vielversprechende Anordnung die Sichtlinien stört, kann man sich manchmal mit Spiegeln behelfen. Ich benutze dafür gern universelle LKW-Außenspiegel, weil sie günstig und ausreichend groß sind und sich mit ihren Haltebügeln leicht an ungenutzten Mikrofonständern befestigen lassen.

Isoliere Musiker nicht voneinander

Wenn du ein Ensemble aufnimmst, entferne die Musiker/innen nur so weit voneinander, wie es unbedingt nötig ist. Es ist schwierig, gut zu spielen, wenn man sich physisch vom Geschehen ausgeschlossen fühlt. Lege dich nicht auf ein Setup fest ohne die Musiker gefragt zu haben, wie es sich für sie anfühlt. Es gibt viele Wege, um Übersprechungen in den Griff zu bekommen, aber für eine wackelige Performance gibt es kein Heilmittel. "Egal ob es Klassik ist oder Rock oder Country," sagt zum Beispiel der Produzent Eddie Kramer, "du musst die Performance einfangen. Scheiß' auf die verdammten Übersprechungen!"

Sorge für gute Kommunikation

Bei Overdub-Sessions ist die Kommunikation mit dem Künstler viel leichter, wenn ihr euch beide im gleichen Raum befindet. Bei verstärkten elektrischen Instrumenten reicht dafür ein langes Kabel vom Instrument zum Amp (oder, noch besser, vom Amp zum Speaker Cabinet). Das ermöglicht es dem Spieler auch, sich über die Monitorboxen im Regieraum zu hören. Bei akustischen Instrumenten und Vocals kann man einen trockenen Sound mit Hilfe von ein paar Decken oft auch im Regieraum hinbekommen. Wenn ein offenerer Sound gefragt ist, sollte auch die Idee nicht außer Acht gelassen werden, das Aufnahmesystem (oder nur Tastatur, Maus und Monitor eines Computers über eine KVM-Verlängerung) im Aufnahmeraum aufzubauen.

Fehler 8: Angst vor Übersprechungen

Wenn man mehrere Instrumente in einem Raum aufnimmt, kann es während der Aufbauphase und beim Mixdown zu Komplikationen aufgrund von Übersprechungen kommen. Deshalb versuchen viele, Übersprechungen um jeden Preis zu vermeiden - oftmals, indem sie Musiker mit Gobos oder Kabinen voneinander isolieren und die Mikrofone extrem nah an den Instrumenten platzieren, was die Klangfarbe drastisch verfälschen kann. Andere wagen sich gar nicht erst an die Aufnahme eines Ensembles und arbeiten ausschließlich mit Overdubs. Das ist nicht nur zeitaufwändig, sondern verhindert auch die natürliche, musikalische Interaktion und den Groove zwischen den Musikern. Beim Abmischen erweisen sich solche Taktiken oft als Eigentor, weil Übersprechungen einen sehr natürlichen Zusammenhalt zwischen den Parts bewirken können. Aufnahmen, bei denen sie fehlen, bedürfen oft viel umfangreicherer Nachbehandlung mit Effekten, um einen zusammenhängenden Ensemble-Sound wiederherzustellen.

Tipps & Tricks:

Dreh' die Instrumente woanders hin

Einige Klangquellen, wie etwa Gitarrenverstärker und Blechblasinstrumente, strahlen den Klang von Natur aus recht gerichtet ab. Das kann man sich beim Setup zum Vorteil machen. Zum Beispiel kann es schon drastische Auswirkungen auf die Übersprechungen der Trompete auf andere Mikrofone haben, wenn man den Trompeter um 30° zur Seite dreht - ohne dass man ihn dabei stark einschränkt.

Balance ist alles

Der Trick dabei, eine angemessene Trennung der Signale auf den Mikrofonen zu erreichen, ist es, die Instrumente schon im Aufnahmeraum auszubalancieren. Wenn auf den Drums zu viel Gitarre zu hören ist, dreh den Gitarrenverstärker leiser, oder sende die Drums durch eine PA im Aufnahmeraum. Wenn sich die Akustikgitarre oder der Kontrabass nicht durchsetzen können, geh' auf Nummer sicher und nimm zusätzlich ein DI-Signal auf, das es dir im Mix ermöglicht, mehr trockenes Signal hinzuzufügen. Diesen Trick verwendete Frank Filipetti auf seinen mit einem Grammy ausgezeichneten Aufnahmen für "Hourglass" von James Taylor, also muss man sich dafür nicht schämen. Allerdings wird es umso natürlicher klingen, umso weniger DI-Signal letztlich verwendet wird.

Vermeide reflektierte Übersprechungen

Von den Wänden reflektierte und dann aufgenommene Übersprechungen sind im Mixdown zumeist problematischer als der direkte Klang der Instrumente. Wenn du Absorber verwendest, um Übersprechungen zu reduzieren, ist es meistens besser, sie um die Musiker herum zu platzieren als zwischen ihnen.

Überprüfe die Phase

Während du in der Aufnahmesession deinen eigenen Monitormix machst, prüfe für jedes neu hinzugefügte Mikrofon- und DI-Signal die Polarität. Das kann einen enormen klanglichen Unterschied machen. Es gibt dafür keine "richtige" Einstellung - nimm das, was besser klingt.

Baue auf die Übersprechungen auf

Merke dir, wie ein Instrument in deinem Tracking-Roughmix klingt, bevor du das entsprechende Mikrofon hochziehst und variiere die Auswahl des Mikrofons entsprechend. Wenn die Hi-Hat auf dem Snare-Mikrofon sehr höhenlastig klingt, ist vielleicht ein kernigeres, dynamisches Mikro die bessere Wahl für die Hi-Hat. Wegen dieser Zusammenhänge macht es Sinn, den Roughmix mit jenen Signalen zu beginnen, die die meisten Übersprechungen enthalten, weil sie im Verlauf der gesamten Session den größten Einfluss auf die Mikrofontechnik haben werden.

Fehler 9: Der Nieren-Reflex - dabei gibt es auch andere Richtcharakteristiken

Benutzt du ausschließlich Nieren-Mikrofone? Wenn ja, bist du nicht allein! Bei Sessions in kleinen Studios habe ich es nur selten erlebt, dass Kugel- und Achter-Mikros verwendet wurden, obwohl sowohl Bändchenmikrofone (die fast immer Achter sind) als auch umschaltbare Kondensatormikrofone inzwischen erschwinglich sind. Das ist schade, denn gerade bei einem kleinen Budget können Nicht-Nieren-Charakteristiken nützlicher sein, als oftmals angenommen wird.

Tipps & Tricks:

Verwende Kugelmikrofone aus der Nähe

Um in einem Home-Studio mit einem Nieren-Mikrofon einen trockenen Sound zu erreichen, wird oft dazu geraten, eine dicke Decke seitlich und hinter dem Musiker aufzuhängen. Damit sollen Raum-Reflexionen abgefangen werden, bevor sie die empfindliche Seite des Mikrofons erreichen. Würde man dieses Prinzip auf Achter- und Kugelmikros erweitern, bräuchte man eine weitere Decke zur "Verteidigung" der Rückseite des Achters, und eine Abschirmung nach allen Seiten für ein Kugelmikrofon. Da Kugelmikrofone fast keinen Nahbesprechungseffekt aufweisen und relativ unempfindlich gegenüber Luftströmungen wie zum Beispiel Plosivlauten sind, kann man sie auch in geringer Entfernung einsetzen, um einen trockeneren Klang zu erzielen.

Die Richtcharakteristik kann den Klang beeinflussen

Wenn man die Richtcharakteristik eines Großmembran-Kondensatormikrofons umschaltet, verändert das nicht nur die Richtwirkung. Vor allem bei preiswerten Mikrofonen kann es auch einen ausgeprägten Einfluss auf das Klangbild haben. Zum Beispiel half ich letztens einem Sound-On-Sound-Leser bei der Aufnahme einer Akustikgitarre mit einem Røde NT2A aus geringer Entfernung, und die Nierencharakteristik klang unter diesen Bedingungen ziemlich aufdringlich. Im Gegensatz dazu hätte die Kugelcharakteristik auch ein völlig anderes Mikrofon sein können, so viel runder klang sie.

Wähle eine übersprechungsfreundliche Charakteristik

Wenn der Raumklang oder Übersprechungen in deiner Aufnahme eine Rolle spielen, sei vorsichtig mit Großmembran-Kondensatormikrofonen im Nieren-Modus. Das wird oft die am wenigsten gut klingende Option sein, weil bei dieser Charakteristik die von hinten und von der Seite eintreffenden Sounds oft vergleichsweise unangenehm klingen. Kugel- und Achter-Charakteristiken liefern für gewöhnlich einen angenehmeren Klang aus allen Richtungen.

Wenn sich der Musiker bewegt, probiere es mit einem Kugelmikrofon

Der größere Ansprachewinkel, der gleichmäßigere Frequenzgang über diesen größeren Winkel und der vernachlässigbare Nahbesprechungseffekt eines Kugelmikros machen es zu einer guten Wahl für einen gleichmäßigen Klang, wenn Musiker oder Sänger sich während der Aufnahme viel bewegen, wie es Top-Producer wie Phil Ramone, Al Schmitt, Bruce Swedien und Michael Tarsia in Interviews bestätigt haben. Aus ähnlichen Gründen eignet sich ein Kugelmikrofon auch gut zur Aufnahme großer Instrumente (wie Klavier oder Akustikgitarre) aus geringer Entfernung.

Unerwünschte Signalanteile durch die Wahl des Mikrofons abschwächen

Wenn unliebsame Nebengeräusche ausgeblendet werden sollen, wie etwa der Lüfter eines Computers, das Slap-Back-Echo einer nahen Wand oder Übersprechungen von einem Monitorlautsprecher oder einem anderen Instrument, dann ist die seitliche Off-Axis eines Achter-Mikrofons dem rückseitigen "toten Winkel" eines Nierenmikros meist überlegen. Zum Beispiel kann man mit einem Pärchen aus Achtermikros bei der Aufnahme von singenden Akustikgitarristen oder Gesangsduetten eine erstaunliche Trennung erzielen. Für den Chor in einem großen Orchesterwerk kann ein "Vorhang" aus Achter-Mikrofonen nützlich sein, weil sich die Mikros so anwinkeln lassen, dass sie die direkt vor dem Chor platzierten Blechblasinstrumente ausblenden - ein Trick, den Andy Payne für seine Aufnahmen des BBC-Proms-Konzertes verwendete.

Fehler 10: Sich nicht festlegen wollen und dadurch aussagelose Aufnahmen machen

Unter Heimstudio-Besitzern hält sich hartnäckig der Glaube, es ginge bei der Aufnahme vor allem darum, in der Mischung die größtmögliche Palette klanglicher Optionen zur Verfügung zu haben. Während das in der Theorie vernünftig erscheint, ist es in der Praxis oft außerordentlich ineffektiv. Erstens ist das Offenlassen von Möglichkeiten zumeist eine Ausrede dafür, sich um eine klare Festlegung zu drücken, wie die Produktion klingen soll. Das macht es geradezu unmöglich, sich für eine geeignete Aufnahmetechnik zu entscheiden. Wie kannst du bewerten, ob deine Mikrofonpositionen richtig klingen, wenn du kein klares klangliches Ziel im Kopf hast? Das zweite Problem ist, dass jede offengelassene Option eine Vielzahl weiterer hervorbringt. Sagen wir, du hast zwei Mikrofone und eine DI für den Bassverstärker verwendet, ohne dich auf ein Verhältnis festzulegen. Wie viele Mikrofone wirst du für jeden Gitarren-Overdub brauchen, um sicherzugehen, dass der Sound im Mix mit dem Bass in Einklang gebracht werden kann? Drei? Vier? Was ist mit dem Piano, dem Gesang, dem Shaker...? Kurz gesagt ist klangliche Unentschlossenheit ein Rezept für aufgeblähte Mehrspurprojekte, die du verwünschen wirst, wenn du dich endlich durch den unvermeidlichen Alptraum der Mischung gekämpft hast.

Tipps & Tricks:

Spuren bouncen

Hier kommt eine empfehlenswerte Methode, wie man sich bei der Arbeit mit mehreren Mikrofonen oder einer Kombination aus Mikro und DI-Box eine entschlussfreudigere Haltung aneignen kann: Gewöhne dir an, sofort einen Bounce eines repräsentativen Verhältnisses als Mono- oder Stereospur zu machen. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass es die Spurenzahl gering hält, was das Navigieren durch die Session beschleunigt. Genauso ist es eine gute Idee, das Ausgangssignal von Ampsimulationen und Software-Instrumenten so früh wie möglich zu bouncen, was Rechenleistung spart. In beiden Fällen kannst du die Originalspuren natürlich irgendwo archivieren, für den unwahrscheinlichen Fall, dass du sie wirklich noch einmal anfassen musst. Stelle aber sicher, dass sie nicht das Haupt-Projekt verstopfen.

Editiere, bevor du Overdubs machst

Füge einem Arrangement keine neuen Overdubs hinzu, bevor alle nötigen Bearbeitungen und das Comping der bisherigen Spuren abgeschlossen sind. Dabei geht es nicht nur darum, sich zu Entscheidungen zu bekennen, es führt auch zu besseren Aufnahmen. Wenn du das Timing der Drum- und Bass-Spuren nicht in Ordnung bringst, bevor du Gitarren und Keyboards hinzufügst, wirst du auch das Timing der Gitarren und Keyboards korrigieren müssen - ganz egal, wie gut die Musiker sind. Wenn der Groove von Drums und Bass von vornherein passt, ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass die Gitarren und Keyboards überhaupt keine Nachbearbeitung brauchen werden, und du hast dir ein paar Stunden Arbeit gespart. Aus dem gleichen Grund solltest du einem Musiker für Overdubs keinen Klicktrack geben, wenn es schon genügend andere Parts gibt, die eine Timing-Referenz bilden. Im Endprodukt wird der Klick nicht zu hören sein und es ist wichtiger, dass die einzelnen Parts rhythmisch zueinander passen, als dass alles exakt am Taktraster der DAW anliegt.

Nimm Vocals nicht zuletzt auf

Ziehe in Erwägung, die Lead Vocals so früh wie möglich aufzunehmen, statt sie erst ganz am Ende hinzuzufügen. Du wirst überrascht sein, wie viel einfacher es dadurch wird, passende Sounds für die verbleibenden Backing-Parts auszuwählen und das finale Arrangement abzumischen.

Mische, während du aufnimmst

Ein anderer Weg, um entscheidungsfreudiger zu werden (und um deine Mix-Instinkte zu schärfen) ist es, bei jedem neu hinzugefügten Part einen neuen Fünf-Minuten-Roughmix des Projekts zu machen. Der Vorteil ist, dass es dich dazu bringt, die Rolle jedes Parts immer wieder neu zu bewerten. Dadurch fällt es dir leichter, unnötigen Ballast wegzulassen und eine klare Vision des Endproduktes zu entwickeln. In seinem Buch "Zen & The Art Of Producing" spricht sich Eric 'Mixerman' Sarafin klar für diesen Ansatz aus: "Wenn du nach deinem letzten Overdub keine Vorstellung davon hast, wie die Spuren ausbalanciert werden sollen, hast du komplett ignoriert, wie sich der Track anfühlen soll. Deshalb solltest du jedes Mal, wenn du den Track anfasst, mit den Verhältnissen spielen."

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